Ich bin nicht der Liebe müde, sondern der Enttäuschungen

· 28. Februar 2017

Wir sind alle ein bisschen gebrochen. Wir tragen zerbrochene Teile mit uns herum und versuchen ein unmögliches Puzzle (unser Herz) zusammenzusetzen. Immer dazu bereit, noch einmal Liebe zu geben. Wir wollen lieben und geliebt werden. Allerdings haben uns Enttäuschungen schon zu sehr verbrannt…

Es wird oft gesagt, dass wir immer darauf vorbereitet sein sollten, enttäuscht zu werden, wenn wir dazu bereit sind, etwas für jemanden zu tun. Auf gewisse Art und Weise scheint es, als wäre Schmerz immer mit eingeschlossen, wenn es um Zuneigung, Liebe und Fürsorge geht. Aber das stimmt so nicht ganz.

Vor Kurzem habe ich aufgehört, mit Menschen zu interagieren, die ich kennenlernen wollte. Vielleicht habe ich zu viel von denen erwartet, die mir niemals etwas gegeben haben. Vielleicht habe ich den Fehler begangen, Menschen Liebe anzubieten, die nur einen „Arbeitsvertrag“ von mir wollten. Wie auch immer, so viele Enttäuschungen haben mich müde gemacht…

Unser emotionales und soziales Gehirn sehnt sich nach der Sicherheit einer festen Bindung. Sicherheit garantiert schließlich unser Überleben. Das erklärt, warum wir Schmerz empfinden, wenn wir enttäuscht werden. Irgendetwas in uns zerbricht. Die feste Verbindung verschwindet und nur Leere bleibt zurück.

Es kann sein, dass wir manchmal Erwartungen aufbauen, die für etwas oder jemanden zu hoch sind. Das mag stimmen, aber wir alle brauchen gewisse Garantien, dass wir nicht verletzt werden. Dass uns die Menschen, denen wir unsere Liebe anbieten, nicht enttäuschen oder den Bund einfach so zerstören.

Egal wie oft es uns gesagt wird – niemand ist darauf vorbereitet, eine Enttäuschung als etwas Normales in täglichen Beziehungen zu akzeptieren.

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Trotz all der Traurigkeit und des Schmerzes Liebe anbieten

Wir sind sehr daran gewöhnt, dass uns gesagt wird, dass Enttäuschungen nicht von unangebrachtem Verhalten herbeigeführt werden. Stattdessen resultierten sie aus falschen Erwartungen, die man an bestimmte Dingen oder Menschen hat. Ist das aber tatsächlich so? Liegt die Schuld für die Enttäuschung immer bei dem, der zu viel erwartet? Das macht wohl nicht immer Sinn. Besonders dann nicht, wenn das betreffende Verhalten besonders grausam, unerwartet oder schmerzhaft war: Wenn du eine gute Freundschaft zu jemandem pflegst, dann erwartest du nicht, dass er dich hinter deinem Rücken kritisiert. Oder wenn jemand alt wird, erwartet er nicht, dass seine Kinder ihn verlassen. Wenn jemand liebt und denkt, dass er geliebt wird, dann erwartet er niemals, von seinem Partner schlecht behandelt oder gedemütigt zu werden.

Manche Enttäuschungen sind authentisch, wirklich, tief und heftig. Nach diesen Erfahrungen Liebe anzubieten ist beinahe eine „Mission Impossible“. Du brauchst Zeit. Du brauchst es, dass die Nadeln der Zeit deine Wunden zunähen. Dein Gehirn interpretiert diese „zerbrochenen Teile“ – glaube es oder nicht – als wirkliche Wunden.

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Laut einer Studie des Emotionspsychologen Ethan Kross, die im Journal Proceedings of the Natural Academy of Sciences  veröffentlicht wurde, werden Zurückweisungen, Treuebruch und tiefe Enttäuschungen vom Gehirn wie Schläge, Verbrennungen oder andere Traumata interpretiert.

Die Hirnregion, die in diesen Momenten am meisten aktiv ist, ist die Inselrinde, die im direkten Zusammenhang mit Schmerz steht. All das beweist, dass Enttäuschung für das Gehirn das Zerbrechen einer Verbindung ist, die uns Sicherheit gegeben hat. Sie hat das Vertrauen repräsentiert, das wir in etwas oder jemanden hatten und das nun verschwunden ist. Nach diesen Erfahrungen wieder Liebe anzubieten, ist nicht leicht. Trotzdem kann es eine gute Medizin sein, um deine Wunden zu heilen.

Werde nicht müde Liebe, anzubieten und dich selbst zu lieben

Es gibt Enttäuschungen, die dich nicht verletzen. Sie werden schlichtweg akzeptiert, wie jemand, der den Stich eine Rose oder jeden Tag aus einer Tasse mit Sprung zu trinken, akzeptiert. Wir heilen, vergeben und gehen weiter. Wir sollten unsere Herzen nicht zu Steinen werden lassen. Wenn du das zulässt, dann wird dein Steinherz für immer in den kalten Abgrund von Entmutigung, Verletzlichkeit und Scheitern fallen.

Authentische Liebe tut nicht weh. Wahre Freundschaft betrügt nicht. Der, der dich wirklich liebt, mag dich einmal enttäuschen, aber niemals wieder. Deshalb schlagen wir dir vor, dass du für einen Moment über diese simplen Strategien nachdenkst, die dir dabei helfen können, jene komplizierten Momente in deinem Leben zu überstehen.

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Zusätzlich dazu, dass sie uns leiden lassen, machen uns Enttäuschungen auch verletzlich. Wenn sich jemand zerbrechlich fühlt, dann hat er das Bedürfnis danach, Liebe zu bekommen, und nicht danach, Liebe zu geben. Besonders muss er diese Liebe von sich selbst erhalten, um sich wieder aufzubauen. Um sich nochmals zu bestätigen – mit all seiner Unbescholtenheit, Stärke und Selbstvertrauen. Das kann nur mit viel Zeit und der passenden Arbeit mit uns selbst erreicht werden.

Zusätzlich zur Zeit müssen wir lernen, mit drei grundlegenden Gefühlen umzugehen: Rage, Pessimismus und Ohnmacht. Enttäuschungen können unsere Wurzeln herausreißen und uns denken lassen, dass nichts wieder so wie vorher sein wird. Vertreibe diese drei Reiter des Unglücks aus deinem Herzen, sobald du kannst.

Akzeptiere auf der einen Seite, dass du das nicht verdienst, was dir passiert ist. Aber akzeptiere auf der anderen Seite auch, dass du es nicht verdienst, für immer zu leiden. Such dir Verbitterung nicht als deine tägliche Nahrung aus. Verschreibe dir Leiden nicht als deine ewige Medizin. Die Nebenwirkungen sind verheerend.

Denke stattdessen an etwas unglaublich Wichtiges – erinnere dich daran, dich selbst zu wählen. Wähle dich vor allen anderen. Vor all deinen Ängsten, deiner Unsicherheit und deiner Verbitterung. Wähle, wieder Hoffnung zu haben, und kultiviere weiterhin das, was wirklich zählt im Leben: Liebe zu geben. Wähle, zu glauben, dass es trotz all deiner Enttäuschungen immer noch gute Menschen gibt.