Hör auf, dich und die Welt zu überfordern!

· 6. Januar 2016

Der kognitiven und rationalen Therapie zufolge erleiden viele Leute, aufgrund von irrationalen Einschätzungen ihrer selbst, anderer und der Welt, die sie umgibt, emotionale Störungen. Bei diesen Einschätzungen handelt es sich um Absolutismen, Verpflichtungen, um „sollen“ und „müssen“.

Wenn wir uns selbst überfordern, neigen wir dazu, zu denken, dass wir alles perfekt machen müssen: „Ich muss eine perfekte Mutter sein, ein perfekter Ehemann, ein perfekter Angestellter!“ –  „Ich muss dünn sein!“  Wenn wir die Welt um uns herum überfordern, denken wir: „Das sollte so nicht passieren!“ – „Die Welt sollte anders sein!“ – „Es ist nicht fair, dass dies gerade mir widerfährt!“  Und wenn wir andere überfordern, sagen wir zu uns: „Jeder sollte mich so behandeln wie ich selbst andere behandele!“ – „Meine Frau sollte merken, dass es mir nicht gut geht!“ – „Meine Freunde sollten mir immer Bescheid sagen, wenn sie etwas unternehmen!“

Drahtkranz

Was spielt sich auf emotionaler Ebene ab, wenn wir uns und andere überfordern?

Wenn wir uns auf irrationale und absolute Weise überfordern, erzeugen wir Gefühle der Angst, Depression oder Schuld, denn wir versuchen, den Erwartungen, denen wir uns verpflichtet haben, gerecht zu werden, was schließlich zu Stress und Blockade führt.

Und wenn wir diese Erwartungen nicht erfüllen können, denken wir, wir sind Versager, Nichtsnutze oder ein wertloses Etwas. Dies wird uns sicherlich nicht dabei helfen, unser Problem zu lösen. Im Gegenteil, es wird uns noch mehr blockieren.

Große Verantwortung für diese Art von Absolutismus hat der Perfektionismus. Perfektionisten stellen an sich selbst Forderungen, die nur schwer zu erfüllen sind, und schieben Dinge, die sie erledigen müssen, auf, da sie Angst haben, sie nicht perfekt zu machen. Und da sie sie niemals perfekt machen werden, da es nichts gibt, was perfekt ist, lassen sie es am Ende ganz sein. So verfestigt sich letztendlich ihr Bild von sich selbst: „Ich tauge zu nichts. Ich bin ein Versager.“

Ähnlich verhält es sich, wenn wir erwarten, dass sich die Welt so dreht, wie wir das gern hätten. Als Folge treten Depressionen auf und wir sehen uns in der Opferrolle. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir das möchten, sind wir frustriert und neigen dazu, die Unterträglichkeit einer Situation zu übertreiben und sie als schrecklich und katastrophal einzustufen.

Gestalt auf Schienen

Menschen mit niedriger Frustrationstoleranz denken, dass ihre Lebensumstände nicht so sind, wie sie wollen, dass sie niemals mehr glücklich sein können, und dass sie zu einem grässlichen, traurigen und unerträglichen Leben verdammt sind.

Wenn wir zudem nicht akzeptieren, dass alle anderen das gute Recht haben, das zu tun, was sie wollen, auch wenn uns das weh tut, und erwarten, dass alle nach unserer Nase tanzen, entstehen in uns Gefühle, wie Wut, passiv-aggressive Verhaltensweisen oder sogar Gewaltbereitschaft. Unsere Beziehungen zu anderen werden sich dadurch nur noch weiter verschlechtern, was den gegenteiligen Effekt von dem haben wird, was wir ursprünglich erreichen wollten.

Wenn wir uns gegenüber anderen aggressiv verhalten, weil sie nicht das tun, was wir wollen, werden wir am Ende lediglich erreichen, dass wir selbst verbittern und alle Kontrolle über unseren Umgang mit anderen verlieren, wodurch sich unsere Beziehungen zu ihnen verschlechtern werden.

Was sollten wir also tun?

Hör auf, Forderungen zu stellen. Jetzt fragst du dich wahrscheinlich: „Ist das nicht Konformismus?“  Nein. Es ist vollkommen in Ordnung, Wünsche zu haben, Dinge erreichen zu wollen, dafür zu kämpfen, dass es uns gut geht, zu wollen, dass andere uns gut behandeln.

Aber eine Sache ist es, sich etwas zu wünschen oder etwas zu wollen, und eine andere Sache ist es, etwas absolut einzufordern. In der Forderung liegt die Neurose, denn vieles, was wir fordern, wird nicht so sein, wie du willst. Die Welt funktioniert so nicht.

Akzeptiere die Realität und hör auf, dich selbst, die Welt und andere zu überfordern. Sage zu dir selbst: „Ich wäre gern dünn, aber wenn ich es nicht bin, ist das nicht so schlimm, denn ich habe viele andere Qualitäten und Dinge, die ich anderen bieten kann.“ – „Ich fände es sehr schön, wenn sich mein Mann an unseren Jahrestag erinnern würde, aber er ist auch nur ein Mensch und macht Fehler. Er hat viele andere Qualitäten.“ – „Ich würde gern eine Arbeit in dem Bereich finden, in dem ich mein Studium abgeschlossen habe, aber wenn es nicht sein soll, werde ich eben in einem anderen Arbeitsfeld glücklich.“

Du wirst niemals absolute Kontrolle haben, und indem du das akzeptierst, wirst du dich vor emotionalen Störungen bewahren, die Verpflichtungen und Druck verursachen können. Paradoxerweise wird dein Leben so viel angenehmer sein.