Hochsensible Kinder in emotional nachlässigen Familien

· 8. Dezember 2018

Emotional nachlässige Familien meinen, dass das hochsensible Kind weniger fit für die Welt wäre. Sie verstehen seine Sensibilität als eine Art der Zerbrechlichkeit und bestrafen es dafür. Die Auswirkungen dieser Art von Erziehung und Bildung sind enorm.

Du übertreibst, bist eine Heulsuse, lebst in den Wolken … Manch hochsensible Kinder sind gezwungen, in emotional nachlässigen Familien aufzuwachsen. Weder Eltern noch Geschwister müssen dieses Persönlichkeitsmerkmal teilen, was in vielen Fällen dazu führt, dass sie diese unverstandenen Figuren sind, dieses leichte Ziel, auf das ein Großteil von Spott und Kritik fällt.

Emotionen sind zweifellos die Muttersprache der hochsensiblen Person. Die Tatsache, in einer Umgebung geboren zu werden und aufzuwachsen, in der diese Art von Sprache nicht beherrscht wird, bedeutet jedoch, dass sie Einsamkeit und ein Gefühl der Verlassenheit erlebt. Und nicht nur das. Das ausbleibende Gefühl der emotionalen Validierung bringt hochsensible Kinder dazu, zu glauben, sie hätten etwas Negatives an sich.

Carl Gustav Jung beschrieb die Hochsensibilität einst als Merkmal eines Menschen, der seine Realität dank einer angeborenen und sehr besonderen Sensibilität anders wahrnimmt. Es gibt also nichts Negatives an diesem Merkmal. Darüber hinaus erklären uns Studien, wie jene von der University of British Columbia (Kanada) und der Cornell University (New York, USA) durchgeführte, dass das Gehirn hochsensibler Personen anders funktioniert als das der Mehrheit.

Hohe Sensibilität geht oft mit einer Variation eines Gens namens ADRA2b einher. Diese Besonderheit beeinflusst eine ganz bestimmte Art von Neurotransmitter, das Noradrenalin. Sie bedeutet auch, dass diese Menschen ein empfindlicheres Nervensystem haben, sowie Empathie und die Fähigkeit, sich zu verbinden und auf Stimuli gefühlsbetont zu reagieren. Derzeit gibt es jedoch keine Studien, die zeigen, dass dieses Persönlichkeitsmerkmal nach Mendel’schen Regeln vererbbar sei.

Es gibt Familien, die wissen, wie man sich um diese klar emotionale Sprache kümmert, wie man sie pflegt und reagiert, wenn hochsensible Kinder sprechen. Andere hingegen zeigen in diesem Aspekt ein deutlich fahrlässiges Verhalten, was in vielen Fällen bedeutet, eine Kindheitswunde zu etablieren.

„Deine Sensibilität ist nichts, was es zu fürchen gilt.“

Elaine N. Aron

Junge mit roter Jacke in hohlem Baumstamm

Die emotional nachlässige Familie und ihre Auswirkungen auf hochsensible Kinder

Emotional nachlässige Familien sind sich nicht nur der Bedürfnisse ihrer Kinder nicht bewusst. Darüber hinaus ignorieren sie sie absichtlich, mischen sich in sie ein und sanktionieren sie sogar. Diese Art der Behandlung wirkt wie die Wellen eines wilden Ozeans auf die Küste: Sie verwandeln sie nach und nach, sie hinterlassen Risse, tiefe Löcher in den Felsen und verhindern sogar, dass Leben gedeiht.

Hochsensible Kinder leiden darunter. Sie dürfen ihre wunderbaren Tugenden nicht verstehen, bestätigen oder verbessern. Schon in den ersten Jahren wird ein solches Kind also lernen, dass die Welt zu laut, zu aggressiv und zu kalt, eine Bühne ist, vor der es sich schützen muss. Von Anfang an wird es nach einem kleinen Raum in seinem Inneren suchen, in dem es sich verstecken kann, wo es unsichtbar sein kann, wo es seine Emotionen unter Verschluss halten kann, um nicht bestraft zu werden.

Die emotional nachlässige Familie weiß nicht, dass die Vernachlässigung der Bedürfnisse hochsensibler Kinder auch eine Form des Missbrauchs ist. So, nach Dr. Jonice Webb, einem Experten auf diesem Gebiet, sehen viele Eltern in ihnen kleine Eigenschaften, die ihrer Meinung nach korrigiert werden müssten. Für sie ist Sensibilität eine Art Schwäche, also zögern sie nicht, sie zu verspotten, zu rügen und das entsprechende Kind mit seinen Geschwistern oder anderen Kindern zu vergleichen, die ihrer Meinung nach besser für die Welt gewappnet seien: Sie weinen weniger, träumen weniger und sind abenteuerlustiger.

Es ist daher mehr als notwendig, einige Schlüsselaspekte hochsensibler Kinder und ihrer Erziehung zu verstehen.

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das nicht verändert werden kann

Entweder kommt man so auf die Welt oder nicht. Wie wir eingangs ausgeführt haben, ist Hochsensibilität das Ergebnis genetischer Variationen. Diese Nuancen machen diese Menschen zum Beispiel empfindlicher gegenüber Schmerzen, visuellen und auditiven Reizen. Bestimmte Arten von Kleidung können ihnen mehr Unbehagen bereiten, ebenso wie die Geräusche des Fernsehers, aus einem Raum, in dem viele Menschen gleichzeitig sprechen.

Nichts davon kann geändert werden. Die Persönlichkeit eines Kindes zu sanktionieren, seine Art zu fühlen oder sich zu erregen, bedeutet, ihm unverzeihlichen Schaden zuzufügen.

Junge vor Sonnenuntergang

Sensibilität ist keine Schwäche

Emotional nachlässige Familien senden ihrem hochsensiblen Kind eine klare Botschaft: Du bist anders, und an dir ist etwas Negatives, das du korrigieren musst. So etwas ist wie als Liebhaber von Malerei oder Musik geboren zu werden und sich von jemandem anhören zu müssen, dass diese Art von Kunst abscheulich wäre. Darüber hinaus könnten solche Eltern ihre Kinder daran hindern, Zugang zu Bildern, zu einem Musikinstrument und sogar zur Musik selbst zu haben. Und ähnlich steht es um die Emotionen hochsensibler Kinder.

Hochsensibilität ist keine Schwäche, sondern ein Geschenk, das zu verstehen und zu unseren Gunsten zu nutzen ist. Emotionen, die Art und Weise, wie jeder Mensch seine Umwelt versteht und sich darauf bezieht, können nicht mit Vetos oder Sanktionen belegt werden. Die Auswirkungen dieser Art von Verhalten sind zweifellos enorm:

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Probleme, die eigene Identität zu akzeptieren und eine sichere und reife Persönlichkeit zu entwickeln
  • Probleme beim Aufbau von Beziehungen
  • Erhöhte Anfälligkeit für Mobbing
  • Sozialer Rückzug

Wie kann man die Auswirkungen von emotionaler Nachlässigkeit überwinden?

Ist es möglich, die Auswirkungen von emotionaler Nachlässigkeit zu überwinden? In gewisser Weise wird der hochsensible Mensch irgendwann in seinem Leben gezwungen sein, bestimmte Dinge anzunehmen. Das erste ist eine unbestreitbare Realität: Es gibt nichts Schlechtes oder Strafbares an ihnen. Die Welt anders wahrzunehmen, ist ein Geschenk.

Nun, diese Tugend ist wie der Blick auf die Realität durch ein Stück Glas, das in der Sonne liegt: Die Lichter und Blitze sind wunderbar, faszinierend, aber dieses Lichts tut weh, wenn es das Auge erreicht.

Prisma im Auge

Es ist notwendig, zu lernen, sich durch eine Umgebung zu bewegen, die nicht immer zugunsten der hochsensiblen Person gestaltet ist. So etwas impliziert Mut, zu verlernen, um neu zu lernen. Die Familienmandate zu lösen, die uns auferlegten Codes zu deaktivieren, um uns in Freiheit neu zu definieren.

Denn im Inneren gibt es keine Schwäche oder Zerbrechlichkeit. Es gibt Größe und Potenzial, einen Menschen, der weiß, wie man die Arbeit vor anderen Werten managt. Die Stärkung des Selbstwertgefühls, der Selbstakzeptanz und des guten Managements von Emotionen sind zweifellos die effektivsten Instrumente auf dem Weg zu dieser Erkenntnis.

Es ist auch wichtig, zu akzeptieren, dass viele Menschen nicht so viele „Farben“ sehen wie der hochsensible Blick wahrzunehmen vermag, und das ist kein Grund zum Klagen. Unsere Realität hat so viele Nuancen wie Möglichkeiten, sie zu genießen. Das Wichtigste ist, dass wir in der Lage sind, einander zu respektieren und zu verstehen, ohne die Magie zu beeinträchtigen, die jeder in sich trägt.

Nur weil du die Welt nicht so fühlst wie ich, heißt das nicht, dass du sie weniger fühlen würdest.