Häusliche Gewalt und posttraumatische Belastungsstörung

Häusliche Gewalt tritt dort auf, wo sich die Person am sichersten fühlen sollte. Wir sprechen über die Folgen, wobei wir uns auf eine ganz besonders konzentrieren: die posttraumatische Belastungsstörung.
Häusliche Gewalt und posttraumatische Belastungsstörung
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 22. Januar 2023

Häusliche Gewalt bedeutet für Betroffene, eine langfristige traumatische Situation zu durchleben, die ernste psychologische Folgen hat. Sie wirkt sich nicht nur auf die Beziehungsfähigkeit zu anderen aus, sondern kann auch eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auslösen.

Diese Art von Gewalt ist für die betroffene Person äußerst schmerzhaft, da sie von der Person ausgeübt wird, die theoretisch ihre größte Unterstützung oder ihr sicherer Hafen sein sollte, d.h. von ihrem Partner oder ihren Eltern. Bei Kindern kann dies zu ernsthaften Bindungsproblemen führen, die sie ein Leben lang beeinträchtigen. Bei Erwachsenen führt häusliche Gewalt ebenfalls zu großem Leid.

Frau erlebt häusliche Gewalt und hat Angst
Häusliche Gewalt kann bei den Opfern psychische Probleme verursachen.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Die posttraumatische Belastungsstörung fällt im Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM 5) unter die Kategorie der traumabedingten Störungen und Stressoren. Diese Störung ist eine psychologische Reaktion auf ein traumatisches Ereignis, kann sich jedoch auch erst einige Monate nach dem Ereignis bemerkbar machen. Sie wurde zuerst bei Kriegsveteranen untersucht, aber inzwischen weiß man, dass sie nach jeder traumatischen Situation entstehen kann.

Wir sprechen von Ereignisse, welche die physische oder psychische Integrität einer Person bedrohen: eine Naturkatastrophe, Krieg, ein Unfall, ein Terroranschlag, Missbrauch usw. In diesen lebensbedrohlichen Situationen fühlen sich Betroffene machtlos, allerdings reagiert jede Person anders. Rund 70 % der Erwachsenen in den USA haben ein traumatisches Ereignis erlebt, aber nur 20 % entwickeln eine posttraumatische Belastungsstörung.

Häusliche Gewalt ist eine chronischer Bedrohung, in der sich die Person weder zu Hause noch bei ihrer Bezugsperson sicher fühlt. Die Kampf-Flucht-Reaktion versetzt den gesamten Organismus in Alarmbereitschaft. Diese Situation kann schließlich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen.

Die Hauptsymptome der posttraumatischen Belastungsstörung

Wenn häusliche Gewalt zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führt, sind in der Regel folgende Symptome zu beobachten:

  • Aufdringliche Erinnerungen an das traumatische Ereignis in Form von Flashbacks oder lebhaften Albträumen.
  • Vermeidungsverhalten: Vermeiden von Gedanken, Situationen, Menschen oder Gegenständen, die an das Ereignis erinnern.
  • Veränderte Gedanken und Stimmungsstörungen: Betroffene entwickeln intensive negative Gefühle (Angst, Wut, Schuld oder Scham) sowie Apathie. Sie verlieren das Interesse und festigen negative Überzeugungen über sich selbst und andere.
  • Hyperarousal (Übererregbarkeit des autonomen Nervensystems): Der veränderte Zustand der Wachsamkeit führt zu großer Unruhe, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen.

Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer posttraumatischen Belastungsstörung erhöhen

Folgende Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, nach häuslicher Gewalt eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln:

  • Zwischenmenschliche Gewalt. Es handelt sich nicht um einen Unfall oder eine Naturkatastrophe, sondern um Menschen, die Gewalt ausüben.
  • Nahe Bezugsperson. Die Person wird zum Opfer einer nahen Bezugsperson, die sie eigentlich unterstützen und schützen sollte.
  • Kinder, die Zeugen häuslicher Gewalt zwischen ihren Eltern werden, sind besonders gefährdet.
  • Chronisches Trauma und eine Reihe von ähnlichen Ereignissen. Wenn es sich nicht um ein einmaliges Ereignis, sondern um wiederholte Erfahrungen handelt, ist das Risiko für eine posttraumatische Belastungsstörung ebenfalls besonders hoch.
trauriges Kind hat häusliche Gewalt erlebt
Häusliche Gewalt kann bei Kindern zu Bindungsproblemen führen.

Posttraumatische Belastungsstörung durch häusliche Gewalt: die Folgen

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann die Struktur und Funktion verschiedener Hirnareale beeinträchtigen, die für die Stressanpassung, konditionierte Angst und Entscheidungsfindung zuständig sind. Daher ist es für die Opfer schwer, anderen zu vertrauen und Beziehungen aufzubauen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die vor ihrem 12. Lebensjahr körperlich missbraucht wurden, auch häufiger von Gleichaltrigen missbraucht werden. Ähnlich verhält es sich mit der erneuten Viktimisierung bei Personen, die eine Beziehung mit häuslicher Gewalt verlassen, da die Person den Gedanken verinnerlicht, dass sie keine Beziehung verdient, in der die andere Person sie nicht missbraucht.

Bestimmte Trigger können das Opfer immer wieder an das traumatische Ereignis erinnern: das Geräusch eines Schlüssels, bestimmte Gerüche, Schritte… 

Betroffene benötigen unbedingt professionelle Unterstützung, sie haben jedoch oft große Angst, die sie davon abhält, um Hilfe zu bitten. Ein unterstützendes Netzwerk ist deshalb grundlegend, um häusliche Gewalt zu erkennen und den Opfern zu helfen.



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  • Sidran Institute. (2018). Traumatic Stress Disorder Fact Sheet. Disponible en: https://www.sidran.org/wp-content/uploads/2018/11/Post-Traumatic-Stress-Disorder-Fact-Sheet-.pdf
  • Zegarra-Valdivia, J. A., & Chino-Vilca, B. N. (2019). Neurobiología del trastorno de estrés postraumático. Revista mexicana de neurociencia20(1), 21-28.

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