Hab keine Angst vor deinen Monstern, bändige sie

· 2. März 2016

Wir alle verstecken etwas. Manchmal sind es Eigenschaften, für die wir uns schämen und von denen wir denken, dass andere uns ihretwegen ablehnen würden, oder die wir selbst als negativ einschätzen. In anderen Fällen verstecken wir Traumata der Vergangenheit, Dinge, die wir gemacht haben oder die uns angetan wurden und von denen wir denken, dass sie bei anderen Ablehnung hervorrufen werden. Diese Art von Dingen, die wir stets verstecken, nennen wir „unsere Monster“.

Wenn wir unsere Monster vor anderen verstecken, dann, weil wir sie selbst in Wirklichkeit auch nicht sehen wollen und wir nicht mit ihnen zusammenleben wollen. Das ist normal. Die Monster sind Traumata, Reuegefühle, Komplexe, Schamgefühle. All dies sind negative Kategorien, die wehtun, wenn man sie betrachtet, die uns leiden lassen.

Doch eigentlich ist es ganz normal, mit unseren Monstern zusammenzuleben. Noch nicht einmal derjenige, der von allen Menschen, denen du tagtäglich begegnest, am reinsten erscheint, ist frei davon, eine Art inneren Kampf zu führen. Der Mensch baut sich über seine Konflikte und Widersprüche erst auf. Sie sind nicht das Problem, dass Problem ist es, zu versuchen, sie komplett zu ignorieren und nicht zu akzeptieren.

 „Es ist ein seltsames Paradox, dass ich mich dann ändern kann, wenn ich mich akzeptiere, wie ich bin“
Carl Rogers
Kind-mit-Schatten
Wenn wir nicht ehrlich zu uns selbst sind, wenn wir uns verstecken oder versuchen, nicht an das zu denken, was uns wehtut, dann sorgen wir nur dafür, dass unsere Probleme noch weiter bestehen bleiben, auch wenn wir im gegenwärtigen Moment glauben, dass wir richtig handeln und eine gewisse Erleichterung erfahren. Denn nichts verschwindet von allein, und es ist notwendig, die Realität zu akzeptieren, um sie zu verarbeiten.

Wenn du dich nicht mit deinen Monstern konfrontierst, dann machst du sie nur stärker

Wenn du Angst vor deiner eigenen Reaktion hast, vor deiner Nervosität, deiner Wut, deiner Depression, vor der Ablehnung, du dir aber nie einen Moment Zeit nimmst, darüber nachzudenken, dann ist es wahrscheinlich, dass diese Angst immer größer wird und Teile deines Lebens verdunkelt, die zu Beginn nicht davon betroffen waren.

Ein Beispiel für einen solchen Fall, in dem Menschen Angst vor Ablehnung haben, ist, wenn sie als Kinder gemobbt worden. Diese Angst wird nie ganz vergehen, sie kann jedoch gezähmt werden, sich in etwas verwandeln, mit dem man umgehen kann, indem man lernt, sie zu kontrollieren, und an seinem Selbstwertgefühl arbeitet.

Wenn wir jedoch zulassen, dass die Angst uns besiegt, dass das „Monster“ uns dominiert und wir nie versuchen, uns den Situationen zu stellen, die uns ängstigen, dann wird diese Angst mit jedem Mal größer und lässt uns auch in anderen Gebieten unsicherer werden.

Wenn du nicht annimmst, dass es in deiner Ehe ein Kommunikationsproblem gibt, dann bittest du auch nicht um Hilfe, um es zu lösen. Wenn du es nicht akzeptierst, dass du an einer Essstörung leidest, dann kannst du keine Behandlung beginnen. Leider verschwinden Probleme nicht, wenn man sie ignoriert, sondern sie wachsen weiter. Aus kleinen Schneebällen werden riesige Kugeln, die alles dem Boden gleich machen.

Die Monster verschwinden nicht, aber man kann sie bändigen

Es gefällt uns der Gedanke, dass unsere Monster, was immer sie auch sein mögen, verschwinden werden, wenn wir sie akzeptieren und uns ihnen stellen. Wenn wir aber merken, dass dies so nicht passiert, dann kann es sein, dass wir so sehr frustriert sind, dass wir den Kampf aufgeben. Doch dies ist ein großer Fehler!

liebe-Monster

In Wirklichkeit müssen wir immer mit Aspekten des Lebens zurechtkommen, die uns Leid empfinden lassen. Aber wenn wir uns dazu entschlossen haben, ihnen entgegenzutreten, ist das Wichtigste, dass wir Werkzeuge gebrauchen, mit denen wir sie vielleicht nicht auslöschen aber umgänglich machen können.

Eine sehr nervöse Person zum Beispiel wird immer mit einem größeren Maß an Nervosität zurechtkommen müssen, als eine Person, die Nerven wie Drahtseile hat. Wenn letztere Person vor einer großen Herausforderung steht, dann plant sie voraus, aber ihre Nervosität wird niemals die Dimensionen erreichen, mit der erstere zu kämpfen hat.

Wenn wir uns also wirklich einem Problem stellen, dann finden wir Formen, mit ihm umzugehen. Du kannst professionelle Hilfe ersuchen, Entspannungstechniken erlernen. Du kannst lernen, dich in bestimmten Situationen zu kontrollieren. Du kannst lernen, mit deinen Monstern zu leben, sie zu bändigen.

Akzeptanz- und Commitmenttherapie

In der Psychologie gibt es eine Strömung, die sich Akzeptanz- und Commitmenttherapie nennt. Sie besteht darin, dass wir negative Gedanken zu akzeptieren lernen, anstatt zu versuchen, sie zu bekämpfen, was recht erschöpfend sein kann. Doch bringen wir uns gleichzeitig dazu, dennoch so zu handeln, wie wir es für richtig halten, und uns dabei nicht von diesen Gedanken beeinflussen lassen. 

Wenn es zum Beispiel unser Problem ist, dass wir sozialen Situationen ausweichen, weil sie uns nervös machen, dann müssten wir uns dazu verpflichten, uns solchen Situationen zu stellen, wobei wir gleichzeitig akzeptieren, dass wir dabei sehr nervös sein werden.

Wichtig ist, dass wir uns dazu verpflichten, so zu handeln, wie wir es für richtig halten und akzeptieren, dass wir uns dabei in unserem Inneren etwas ängstlich, traurig, wütend… fühlen können, aber bei unseren Handlungen nicht auf unsere Impulse hören, sondern das Verhalten zeigen, wozu wir uns zuvor verpflichtet haben.

Und so zähmen wir unsere Monster. Wir schauen sie an, wir lernen sie kennen und sagen zu ihnen: „Obwohl ihr da seid, werde ich mein Leben so leben, wie ich das will.“  Dies erzeugt einen überraschenden Effekt, der sich mit der Zeit einstellt. Die Monster werden zu unterwürfigen Wesen, die uns schon nicht mehr erschrecken, vor denen wir keine Angst mehr haben, mit denen wir leben können.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Lucy Campbell