Gruppenzusammenhalt: Das Verhältnis von Zusammenhalt und Leistung

6. März 2020
Der Gruppenzusammenhalt ist eines der wichtigsten Elemente, um zu verstehen, wie eine Gruppe entsteht, wie sie ihre Mitglieder beeinflusst und welche Konsequenzen diese Zugehörigkeit auf verschiedene Variablen (wie beispielsweise die Leistung) hat. In unserem heutigen Artikel werden wir dir anhand von Studien wie dem Minimalgruppenparadigma erklären, was Zusammenhalt ist und welcher Zusammenhang zur Gesamtleistung einer Gruppe besteht.

Viele Elemente charakterisieren die Struktur einer Gruppe: Ordnung, hierarchische Struktur, Einfluss, Prestige, Differenzierung, usw. Allerdings ist den meisten Menschen auch bekannt, dass das Funktionieren einer Gruppe auf der Verteilung und Konfiguration einiger Elemente wie Rollen, Normen und Gruppenzusammenhalt basiert. All diese Elemente wirken wie ein „Kleber“, der dazu führt, dass sich aus einzelnen Menschen eine Gruppe bildet.

Das führt dazu, dass Menschen sich zusammenfinden und sich selber als Gruppe bezeichnen. Allerdings würde das alleine sie nicht automatisch zu einer Gruppe machen. Darüber hinaus brauchen Gruppen eine gemeinsame Identität, eine Struktur und wechselseitige Abhängigkeit. Aufgrund dieser Variablen kann man mit Sicherheit sagen, dass Gruppenzusammenhalt unterschiedlich sein kann.

Gruppenzusammenhalt: Verschiedene Formen

Wir können festhalten, dass der Gruppenzusammenhalt der „Klebstoff“ einer Gruppe ist. Allerdings gibt es verschiedene Formen des Zusammenhaltes, die sich in Gruppen manifestieren können:

  • Gruppenzusammenhalt aufgrund persönlicher Anziehung. Diese Form basiert auf den wechselseitigen Abhängigkeiten innerhalb einer Gruppe. Daher könnten wir sie als die Kraft bezeichnen, die eine Gruppe zusammenhält. Sie entsteht aus gemeinsamen Interessen und der wechselseitigen Anziehung zwischen den Gruppenmitgliedern. Diese Form des Zusammenhaltes könnte beispielsweise bei Schulfreunden auftreten.
  • Gruppenzusammenhalt aufgrund von Zielen. Diese Form des Zusammenhaltes entsteht durch den Wunsch, zu einer Gruppe zu gehören, weil diese die Erreichung bestimmter Ziele erleichtert. Darüber hinaus sind die Gruppenmitglieder normalerweise davon überzeugt, dass es nur sehr schwer wäre, ihre Ziele außerhalb dieser Gruppe zu erreichen. Daher verbleiben sie in der Gruppe, so lange bestimmte Aufgaben und Interessen verfolgt werden. Dieser Zusammenhalt könnte beispielsweise im beruflichen Umfeld auftreten.
  • Zusammenhalt aufgrund von Gruppenattraktion. In anderen Gruppen basiert der Zusammenhalt darauf, wie interessant oder attraktiv die Aktivitäten der Gruppe sind. In diesem Fall ist die Vertrautheit innerhalb der Gruppe oder die Ziele, die durch sie erreicht werden können, nicht wirklich relevant. Der Gruppenzusammenhalt entsteht, weil Menschen die Organisation und die Arbeit der Gruppe mögen. Das ist auch der Grund, warum die Gruppenmitglieder in ihr verbleiben. Dieser Gruppenzusammenhalt kann sich in Unternehmen manifestieren, die uns über unsere persönlichen Ziele hinaus ansprechen und auch in gemeinnützigen Organisationen.

Gruppenzusammenhalt: Die Paradigmen

Unsere heutige Welt ist ein globalisierter Ort, an dem sich in kürzester Zeit große Unternehmen entwickeln können. Manchmal beachten Menschen jedoch nicht die wichtigen Elemente der Einzel- und Gruppenpsychologie, um daraus einen größeren Nutzen zu erzielen.

Die Manager und Führungskräfte in Unternehmen streben die bestmögliche Leistung ihrer Mitarbeiter an. Allerdings wenden sie dazu manchmal ungeeignete Instrumente oder Szenarien an, die nicht wirklich funktionieren. In gewisser Weise haben sie sich nicht genügend mit der Entwicklung oder Verbesserung einiger sehr relevanter Elemente befasst. Auch beim Thema Gruppenzusammenhalt könnte dies der Fall sein.

Zeitdruck und eine schlechte Organisation können dazu beitragen, dass eine Ansammlung von Menschen zusammenarbeitet, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Häufig werden den Mitarbeitern auch Anreize und Belohnungen in Aussicht gestellt, damit diese Vorgehensweise zum Erfolg führt. Dennoch wäre es eine sehr kluge Entscheidung, den Zusammenhang zwischen dem Gruppenzusammenhalt und der Leistung einer Gruppe zu untersuchen, um herauszufinden, ob diese unabhängige Variable tatsächlich die abhängige Variable beeinflusst.

Aus diesem Grund werden wir heute über den Gruppenzusammenhalt sprechen, der auf Interdependenz, gemeinsamer Identität und Struktur basiert. Einige Paradigmen prägen die Idee des Gruppenzusammenhaltes und erklären sie anhand von Experimenten. Genau diese Experimente haben Forscher zu der Schlussfolgerung geführt, dass Zusammenhalt für die Vorhersage menschlichen Verhaltens und der Leistung sehr relevant ist.

Gruppenzusammenhalt - Hände übereinander

Das Minimalgruppenparadigma: gemeinsame Identität

Beim Minimalgruppenparadigma (Tajfel et al., 1971) stellten sich die Forscher die folgende Frage:

Welche Bedingungen müssen mindestens erfüllt sein, damit eine Gruppe isolierter Individuen als Gruppe betrachtet werden kann?

Dazu wurden die Menschen in zwei Gruppen aufgeteilt: die Klee-Gruppe und die Kandinsky-Gruppe. Die Teilnehmer kannten sich vorher nicht. Mit diesem Experiment wollten die Forscher herausfinden, ob jedes Individuum seine soziale Identität innerhalb der Gruppe erhöhen und deren Mitglieder bevorzugen würde, obwohl sie diese Menschen gar nicht kannten.

Die Antwort war ja. 77 Prozent der Menschen entschieden sich für die Option, die für ihre eigene Gruppe vorteilhaft war. Nur 15 Prozent trafen gerechte Entscheidungen. Die Forscher stellten fest, dass die generelle Tendenz die war, systematisch die eigenen Gruppenmitglieder zu bevorzugen, unabhängig davon, ob jemand dabei zu Schaden kam.

Mit dem Minimalgruppenparadigma lässt sich der Gruppenzusammenhalt aufgrund einer sozialen Kategorie erklären. In diesem Sinne scheint die Tatsache, dass einige Menschen Gruppenmitglieder werden können, ein ausreichendes Unterscheidungselement dafür zu sein, dass sich eine Gruppe bildet.

Die Theorie der sozialen Identität: das Selbstkonzept als Regulator

Erneut untersuchte Tajfel den Gruppenzusammenhalt, indem er das Selbstkonzept analysierte, eine wichtige Variable der Persönlichkeitspsychologie. Grundsätzlich bezieht sich das Selbstkonzept auf das Bild, das jedes Individuum von sich selber hat. Darüber hinaus gibt es zwei wichtige Aspekte, die beim Selbstkonzept beachtet werden müssen:

  • Persönliche Identität. Dieser Teil des Selbstkonzeptes ergibt sich aus den Bedeutungen und Emotionen, aus persönlichen emotionalen Erfahrungen und den intimsten Aspekten einer Person.
  • Soziale Identität. Sie hängt mit dem Selbstkonzept zusammen, das sich aus der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen ergibt, verbunden mit dem Wert und der emotionalen Bedeutung, die aus dieser Zugehörigkeit resultiert. Außerdem leiten sich einige Aspekte des Selbstbildes von Menschen aus der Stellung ab, die sie in bestimmten sozialen Gruppen haben.

Wenn du wirklich zu einer Gruppe gehören möchtest, ist es wichtig, dass du dich zunächst einmal selber kennst. Darüber hinaus ist ein weiterer sehr entscheidender Faktor, der die Gruppenzugehörigkeit definiert, dass jedes Mitglied nach positiven Aspekten für seine eigene Identität sucht. Einige Aspekte der Gruppe könnten für manche Mitglieder vorteilhaft und für andere schädlich sein.

Nach dieser Theorie ergibt sich die Gruppenzusammengehörigkeit aus der Notwendigkeit, das Selbstkonzept aufrechtzuerhalten. Daher wollen diejenigen, die sich der Gruppe anschließen, dadurch ihr Selbstkonzept in positiver Weise bestätigen und pflegen.

Gruppenzusammenhalt - Teamarbeit

Der Zusammenhang zwischen Gruppenzusammenhalt und Leistung

Wir haben nun verschiedene Studien und Experimente, die die Sozialpsychologie durchgeführt hat, genauer betrachtet. Außerdem kennen wir die Gründe für den Gruppenzusammenhalt bestimmter Gruppen. Daher können wir nun einige Schlussfolgerungen in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Gruppenzusammenhalt und Gruppenleistung ziehen.

Nach dem Modell der Befriedigung der Bedürfnisse erfolgt die Arbeitsleistung einer Gruppe nicht erst nach dem erfolgten Gruppenzusammenhalt. Tatsächlich scheint dies genau andersherum zu verlaufen. Die Leistung fördert den Zusammenhalt. Wenn eine politische Partei die Wahlen in einem Land gewinnt, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Zusammenhalt innerhalb der Partei aufgrund der guten Ergebnisse stärker wird.

Besteht ein Zusammenhang zwischen Gruppenzusammenhalt und Leistung?

Daher legen die gewonnenen Daten und Erkenntnisse folgende Schlussfolgerungen nahe:

  • Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Gruppenzusammenhalt und Leistung oder Produktivität.
  • Dieser Zusammenhang tritt besonders in natürlichen oder kleinen Gruppen auf.
  • Die Gruppen, in denen ein hohes Maß an Interaktionen zur effektiven Erledigung ihrer Aufgaben erforderlich ist, sind nicht diejenigen, die eine größere Beziehung zwischen Zusammenhalt und Arbeitsleistung aufweisen.
  • Das Engagement für die Aufgabe ist die Komponente, die die Beziehung zwischen Zusammenhalt und Produktivität am besten erklärt.
  • Zwischenmenschliche Anziehung und Gruppenanziehung spielen nur eine untergeordnete Rolle.
  • Außerdem ist der Effekt von der Leistung zum Zusammenhalt größer als andersherum. Dies haben wir eben am Beispiel der politischen Partei erklärt.

Gruppenzusammenhalt ist die Grundlage für Gruppenphänomene wie Interaktionen, Normen, Druck, Konformität, Gruppenidentität, Gruppendenken, Leistung, Macht und Führung.

Je größer der Zusammenhalt ist, desto größer ist auch der Druck oder Einfluss, den die Gruppe auf ihre Mitglieder ausübt. Dies bezieht sich sowohl auf sozio-emotionale Aspekte als auch auf die Arbeitsaufgaben. Andererseits kann die Anziehungskraft, die den Zusammenhalt stärkt und folglich die Möglichkeit der Einflussnahme erhöht, durch persönliche Eigenschaften der Gruppenmitglieder und die Gruppenziele verstärkt werden.