Gründe der Diskriminierung

Diskriminierung verursacht viel Leid, deshalb gehen wir heute der Frage nach, wie es dazu kommt.
Gründe der Diskriminierung
Ebiezer López

Geschrieben und geprüft von dem Psychologen Ebiezer López.

Letzte Aktualisierung: 03. November 2022

Diskriminierung führt zu Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, Maßnahmen zu entwickeln, die diese vermeiden. Doch hast du dich schon einmal gefragt, warum wir andere überhaupt diskriminieren? Die Antwort auf diese Frage ist ein Schlüssel zu einer gerechteren Welt. Wir können Probleme nur lösen, wenn wir die Ursachen kennen – und nicht nur oberflächliche Faktoren bekämpfen.

Was ist Diskriminierung?

Wir sprechen dabei über die unterschiedliche Behandlung bestimmter Gruppen aufgrund von Weltanschauung, Alter, Behinderung, Geschlecht, sexueller Orientierung oder ethnischer Zugehörigkeit. Die Diskriminierung verstößt gegen die Menschenrechte. Eine Wirtschaftsstudie in Ägypten hat zum Beispiel ergeben, dass 51 % der Unternehmen lieber Männer als Frauen einstellen (Osman, Speer und Weaver, 2021). Das bedeutet, dass etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen Frauen diskriminieren.

Die Gründe für diese Diskriminierung können vielfältig sein. Ein Argument ist beispielsweise, dass eine Frau schwanger werden kann und deshalb im Unternehmen fehlt und mehr Urlaub benötigt. Es gibt auch Menschen, die denken, dass Frauen für bestimmte Berufe nicht qualifiziert sind. Diese diskriminierenden Überzeugungen beeinflussen das Leben vieler Frauen erheblich.

Ein weiteres Beispiel ist die LGBTI-Community: Die Vereinten Nationen berichten, dass in 69 Ländern homosexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen strafbar sind. Obwohl Homosexualität schon seit Jahren nicht mehr als Krankheit gilt, hat sich die Situation in vielen Gebieten nicht geändert.

Diskriminierung am Arbeitsplatz
Die kognitive Voreingenommenheit fördert die Entstehung von Vorurteilen und in vielen Fällen die Ablehnung anderer.

Wie kommt es zur Diskriminierung?

Die meisten Menschen sind davon überzeugt, dass Diskriminierung für die Gesellschaft schädlich ist, trotzdem ist sie in vielen Bereichen des täglichen Lebens präsent. Doch warum ist das so? Ist Diskriminierung unvermeidlich? Die Antwort scheint in den kognitiven Verzerrungen zu liegen, zu denen unser Gehirn neigt.

Kognitive Verzerrungen und Vorurteile

Wenn das Gehirn mit vielen neuen Informationen konfrontiert wird, neigt es dazu, sich an die wichtigsten Punkte zu halten und die anderen zu vernachlässigen. Ein typisches Beispiel ist der Halo-Effekt, der uns dazu verleitet, die Persönlichkeit einer Person anhand eines einzigen Attributs zu beschreiben. Wenn wir eine Person auf der Straße schreien sehen und nichts weiter über sie wissen, werden wir sie wahrscheinlich als aggressiv abstempeln, obwohl sie vielleicht nur einen schlechten Tag hatte und eigentlich ein netter Mensch ist. Die offensichtlichen Eigenschaften einer Person lassen uns auf unbekannte Merkmale schließen, die nicht unbedingt zutreffen müssen.

Die Tatsache, dass unser Gehirn für diese Voreingenommenheit anfällig ist, kann auch dazu führen, dass wir Vorurteile entwickeln. Das sind nichts weiter als vorgefasste Meinungen, die wir über bestimmte Personengruppen haben.

Um das zu verdeutlichen, können wir an die Fremdenfeindlichkeit denken, die sich gegen die Herkunft, Religion, Nationalität oder Hautfarbe einer Person richtet und zu Ausgrenzung oder schlimmeren Reaktionen führen kann. Dabei handelt sich nur um irrationale Vorurteile.

Theory of mind

Ein weiteres Konzept, das einen großen Einfluss auf die Diskriminierung zu haben scheint, ist die Theory of mind. D ieser Begriff beschreibt die Fähigkeit, anderen Gedanken oder Absichten zuzuschreiben. Wir gehen ständig davon aus, dass Menschen etwas denken oder auf eine bestimmte Art und Weise handeln werden. Sprich: Wir sagen ihr Verhalten voraus.

Wenn wir anderen Absichten oder Gedanken zuschreiben, beziehen wir uns jedoch oft nur auf unser eigenes Verhalten. Wir halten jemanden für unhöflich, weil wir bei ihm bestimmte höfliche Gesten nicht erkennen. Außerdem neigen wir zu dem Glauben, dass andere so handeln, wie wir selbst handeln würden, weil wir denken, das sei “die Norm”. Daher können die meisten Abweichungen vom “Normalen” potenzielle Anhaltspunkte für Diskriminierung sein.

Wir konstruieren unsere Normalität in der Kindheit. Verschiedene Faktoren wie Kultur, Familie, traumatische Erfahrungen usw. beeinflussen diesen Prozess. Was in der USA als normal gilt, kann in Deutschland oder Kolumbien auf Ablehnung stoßen. Das bedeutet, dass es keine objektive oder natürliche Normalität gibt – und alles subjektiv ist.

Frau leidet an Diskriminierung
Wenn wir an unserer Vorstellung von der Realität festhalten und sie als einzige Wahrheit betrachten, begünstigt das Diskriminierung.

Ist Diskriminierung unvermeidlich?

Wir können daraus schließen, dass wir alle diskriminierendes Verhalten zeigen. Wir bilden mit den Menschen um uns herum Gruppen mit bestimmten Werten, Überzeugungen und Zielen. Das Gehirn neigt dazu, die Informationen, die es erhält, zu verzerren, um seine Energie zu optimieren. Das gibt uns jedoch nur ein unvollständiges Bild von der Welt. Trotzdem schaffen wir uns so eine Vorstellung von der Realität und davon, was in der Gesellschaft normal ist.

Wir nutzen diese Referenz, um Entscheidungen zu treffen und unser Handeln zu ändern, aber wir projizieren sie auch auf andere. Wenn eine andere Person nicht unseren Erwartungen entspricht, neigen wir zu Vorurteilen, die diese Unstimmigkeit erklären. Das kann wiederum zur Diskriminierung führen. Liegt die Diskriminierung also in der menschlichen Natur und ist unvermeidlich? Fakt ist: Wir neigen alle zu Vorurteilen. Doch wir haben die Fähigkeit, unsere Überzeugungen und auch die anderer Menschen zu hinterfragen.

Wenn wir diesen Mechanismus verstehen und unsere Vorurteile und Überzeugungen überprüfen, wird uns bewusst, dass wir oft ungerecht und irrational handeln. Doch wenn wir eine gleichberechtigte, respektvolle Welt aufbauen wollen, müssen wir uns über diese Probleme Gedanken machen und sie an der Wurzel packen.

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  • Esses, V. M. (2021). Prejudice and discrimination toward immigrants. Annual review of psychology, 72, 503-531.
  • Osman, A., Speer, J. D., & Weaver, A. (2021). Discrimination Against Women in Hiring.
  • Williams, D. R., Lawrence, J. A., Davis, B. A., & Vu, C. (2019). Understanding how discrimination can affect health. Health services research, 54, 1374-1388.

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