Gru: Die Erlösung eines Schurken

3. Mai 2019

Ich – Einfach unverbesserlich ist  ein animierter Film von Universal Pictures. Seine Hauptfigur ist Gru, der bösartigste Bösewicht aller Zeiten. Alles, was Gru jemals wollte, ist, sich akzeptiert zu fühlen. Um seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, beschließt er, ein Schurke zu werden. Gru will alles tun, um der beste Bösewicht der Welt zu werden, und es ist ihm egal, ob er anderen dabei Schaden zufügt. Eines Tages aber übertrumpft ihn ein gegnerischer Bösewicht namens Vector, indem er eine der Pyramiden von Gizeh stiehlt. In diesem Moment beginnt der Wettkampf zwischen beiden.

Gru legt sich einen ultimativen Plan zurecht, für den er zunächst einen Schrumpfstrahl aus einer staatlichen Testeinrichtung stehlen will. Gru plant, diesen Schrumpfstrahl einzusetzen, um den Mond zu stehlen. Dies würde es Gru ermöglichen, als der cleverste Bösewicht der Welt anerkannt zu werden. Die Dinge laufen jedoch nicht wie geplant. Vector stiehlt den Schrumpfstrahl direkt unter Grus Nase weg. Was kann unser kriminelles Mastermind dagegen tun? Natürlich: sich einen neuen genialen Plan ausdenken.

Der neue Plan von Gru beinhaltet die Verwendung von drei Waisenmädchen als Spioninnen. Gru möchte, dass sie an Vectors Tür klopfen und so tun, als würden sie Kekse verkaufen, damit er Vectors Versteck infiltrieren und den Strahl zurückholen kann.

Sein Plan hat jedoch einen leichten Haken, denn Gru beginnt, sich für die Waisenkinder zu interessieren. Diese sich anbahnende väterliche Liebe verändert ihn. Am Anfang ist Gru ein völlig inkompetenter Elternteil. Im weiteren Verlauf des Films lernt Gru jedoch, sich nach dem Zeitplan der Mädchen zu richten: Ballettunterricht, Hausarbeit, Essen usw. Grus böse Pläne werden von den Bedürfnissen seiner Adoptivtöchter in den Hintergrund gestellt.

Alleinerziehende Väter werden erlöst

Es ist unglaublich selten, dass ein Kinderfilm einen alleinerziehenden Vater in einem so positiven Licht zeigt. Sicher, Gru hat einen ausgesprochen bösen Job, aber wir sehen auch unglaublich süße Momente zwischen ihm und den drei kleinen Mädchen. Diese Niedlichkeit wird durch den Kontrast zwischen den süßen, zerbrechlichen Mädchen und dem großen, bösen Gru noch verstärkt.

Viele Alleinerziehende müssen ihre Arbeit und ihre Kinder unter einen Hut bringen. Gru geht es da nicht anders. Er versucht, seinen Job zu erledigen und gleichzeitig Vater zu sein. Wie bei allen Alleinerziehenden machen es seine Töchter ihm manchmal extrem schwierig, seine Arbeit zu erledigen. Zum Beispiel ist der Tag, an dem er den Mond stehlen will, derselbe, an dem er zum Ballettabend seiner Töchter eingeladen ist.

Gru beschließt, seine Arbeit der Aufführung vorzuziehen, und dies gibt seinem Erzfeind Vector die Chance, die Mädchen zu kidnappen. Gru muss also ein Gleichgewicht zwischen seinem beruflichen und persönlichen Leben finden, wenn er die Mädchen zurückbekommen möchte.

Gru im Film "Ich, einfach unverbesserlich"

Die Erlösung eines Bösewichts

Am Ende des Films kehrt der Mond zu seiner normalen Größe zurück und damit auch in den Orbit. Gru bedauert, was er getan hat und versucht, sich selbst zu erlösen. In seinem Eifer, sein ganzes schlechtes Benehmen rückgängig zu machen, beschließt er, auch die Pyramide zurückzugeben, die Vector gestohlen hat. Gru akzeptiert, dass er seine Töchter liebt und nimmt sie wieder bei sich auf. Und so wird der größte Bösewicht der Welt zum liebenden Familienvater.

Damit Gru sich selbst vergeben kann, muss er erstens seine Taten als Verbrechen erkennen und bereuen, zweitens die verletzten Mädchen um Entschuldigung bitten und drittens den Schaden, den er angerichtet hat, irgendwie wettmachen. Die Erlösung eines Schurken erfordert das Loslassen von Schuld und Schmerz.

Über den Film hinaus ist das Bedürfnis nach Vergebung für Opfer und Täter real und von großer Bedeutung. Im Heilungsprozess müssen beide Seiten wissen, dass sie Liebe, Freundlichkeit und Mitgefühl verdienen. Wir sagen nicht, dass sich diese nur durch Vergebung finden lassen, sondern dass wir uns durch Vergebung heilen und befreien können.

Der Übergang zwischen Gut und Böse

Die wichtigste Lektion des Films ist, dass sich sogar ein durch und durch böser Mensch ändern kann. Ich – Einfach unverbesserlich  unterscheidet sich sehr von den meisten anderen Kinderfilmen, da die allermeisten von ihnen Gut und Böse als absolut und unveränderlich darstellen. Viele Zuschauer meinen auch deshalb, dass Grus Übergang vom Bösen zum Guten schwer zu begreifen sei. Andere hingegen glauben, dass gerade dies der befriedigendste Teil des Films sei.

In den meisten Kinderfilmen muss der am Ende der Geschichte ein heroisches Opfer gebracht werden. Viele der „bösen“ Charaktere, die solche Opfer bringen, sterben während des Prozesses. Dies mag zwar das Ende sein, das die Zuschauer mögen, gibt dem Protagonisten jedoch keine Chance, sich weiterzuentwickeln.

In Ich – Einfach unverbesserlich,  bereut Gru, er ändert seine Wege und die Mädchen vergeben ihm. Sie wirken sich letztlich positiv auf diesen Bösewicht aus und ermöglichen seine Erlösung.

Gru: Ein schlechtes Beispiel für einen Adoptivvater

Obwohl er Gefahr läuft, die Liebe seiner Töchter zu verlieren, lebt Gru sein Leben auf dem Weg des Bösen weiter. Ja, er nimmt bestimmte Änderungen vor, aber nur aus egoistischen Gründen. Seltsamerweise trennt sich Gru zwar nicht von dem, was er gestohlen hat, und auch nicht von seinem Team der Helfern. Er lässt seine Minions nicht gehen. Trotzdem liegt das zukünftige Tun von Gru nicht im Ungewissen. Der Zuschauer kann davon ausgehen, dass Grus neues Familienleben es ihm unmöglich machen wird, seine bösen Taten fortzusetzen. Im Film wird das aber nicht deutlich ausgesprochen.

Ein wichtiger Aspekt dieser Geschichte ist, dass es so aussieht, als müssten alle Charaktere Grus Bosheit verzeihen. Trotz der Tatsache, dass er sich schlecht benahm und die Mädchen für seine eigenen bösen Zwecke benutzte, vergibt ihm schließlich jeder. Das ist in der Realität nur selten der Fall.

Adoption ist ein heikles Thema, und dieser Film geht nur oberflächlich auf die damit verbundenen Probleme ein. Ich Einfach unverbesserlich  schafft den Eindruck, dass Waisenkinder nach Bedarf verwendet und dann beiseite gelegt werden könnten. Mindestens eine der Figuren im Film sollte sich an Grus vorheriges Verhalten erinnern und fragen, ob er geeignet ist, Vater zu sein. Vielleicht hätte das Ganze realistischer gewirkt, wenn einige der Charaktere sich geweigert hätten, ihm zu vergeben.

In der realen Welt kann es die Opfer unangemessen belasten, wenn die Vergebung mit einem glücklichen Ende gleichgesetzt wird. Diese Art des Happy Ends gibt dem Publikum das Gefühl, dass der Bösewicht nicht genügend für seine Missetaten bezahlt habe.

Trotzdem ist die Geschichte lustig, unterhaltend und lehrreich. Wir möchten einfach glauben, dass die Erlösung eines Schurken möglich ist. Wir wollen alle glauben, dass jeder, egal wie verachtenswert er auch sein mag, sein Leben ändern kann. Und das ist ein Ideal, das es wert ist, erhalten zu werden.