Gilt das Gesetz der Anziehung wirklich?

28. April 2017 en Psychologie 223 Geteilt

Das Gesetz der Anziehung. Du hast wahrscheinlich schon davon gehört. Es geht nicht um die Psychologie der Anziehung in Bezug auf romantische Beziehungen, sondern um eine Hypothese zur Persönlichkeitsentwicklung, die in den letzten Jahren sehr viel Zuspruch gefunden hat. „Wir sind, was wir denken“, besagt dieses Gesetz.

Wir können beispielsweise daran glauben, dass wir in unseren Unternehmungen vom Glück begleitet werden. Oder wir hegen einen intensiven Wunsch nach etwas, voller Optimismus und Vertrauen, in der Hoffnung, dass wir all unsere erwünschten Ziele erreichen werden. Diese Vorstellungen ergeben in ihrer einfachsten Formulierung dieses Gesetzes der Anziehung, demzufolge sich bestimmte Energien, bestimmte Gedanken zu unserem Vorteil auswirken können.

Unser mentaler Zustand entsteht durch feine, harmonische Vibrationen, die durch unser Denken verursacht werden. Diese sind sowohl der Grund als auch das Mittel, mit dem wir Dinge erreichen. Aber was ist dran an dieser Theorie? Angesichts der großen Bedeutung, die diesem Gesetz besonders im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung zugeschrieben wird, lohnt es sich, einen objektiven Blick auf es zu werfen.

Die Grundlage des Gesetzes der Anziehung

Das Gesetz der Anziehung ist nichts Neues. Seine Wurzeln liegen in der klassischen Theosophie und in der New Age-Bewegung, die an Energiefelder und jene Kräfte glaubt, die das Universum zusammenhalten. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch der Begriff des „positiven Denkens“ – eine wohlbekannte und gut vermarktete Motivationstheorie, welche uns die Energie und das Selbstvertrauen liefert, das wir so dringend benötigen.

Und das Gesetz der Anziehung spricht einige Aspekte an, die in verschiedenen psychologischen Disziplinen, die du sicher bereits kennst, durchaus relevant sind:

  • Kognitive Theorie: Hier geht es ums Lernen. Die Kenntnis um mentale Prozesse wie Wahrnehmung und Gedächtnis hilft, Wissen zu erwerben und Veränderungen herbeizuführen. Lasst uns als Beispiel eine Person nehmen, die versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Indem sie sich vorstellt, den Tag ohne die so dringend benötigte Zigarette zu beginnen, kann sie eine Veränderung bewirken. Anders gesagt hilft uns unser Denken dabei, Ziele zu erreichen, wie es das Gesetz der Anziehung besagt.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Das Interessante an dieser Therapie ist, dass sie uns lehrt, dass unsere Gedanken der Ursprung unserer Emotionen und unseres Verhaltens sind. Niemals anders herum. Wir können unsere Gefühle leiten, indem wir unser Denken ändern. Wenn ich beschließe, mein Problem beiseitezuschieben und standhaft bleibe, um dieses Ziel zu erreichen, wird dieser Gedanke schließlich meine Fähigkeit bestimmen, mein Träume umzusetzen.

Die Alternative zum Gesetz der Anziehung: Handeln

Die einzige objektive Kritik, die wir bezüglich des Gesetzes der Anziehung gegenüber anbringen können, ist, dass es zu sehr auf der Vorstellung von Energiefeldern und der Idee beruht, dass wir um etwas bitten müssen, um es zu erreichen, ganz gleich, ob es darum geht, das Universum zu fragen oder eine größere oder unsichtbare Kraft, die uns angeblich umgibt und mit uns verbunden ist.

Natürlich ist etwas dran, eine enthusiastische, positive und dankbare Haltung einzunehmen. Aber wie wir bereits wissen, ist es nicht ausreichend, nur zu bitten. Es wird uns wenig bringen, demütig um diese Ziele in unserem Leben zu bitten, wenn wir nicht unsere eigenen Anstrengungen machen.

Natürlich ist es immer angebracht und notwendig, eine positive Einstellung zu bewahren, aber diese Positivität sollte vernünftig und logisch sein. Die Lösungen in unserem Leben ergeben sich aber nicht durch Denken, Wollen und Hoffen. Wenn wir das Gesetz der Anziehung anwenden wollen, müssen wir folgende Schritte gehen:

  • Denken, dass wir etwas möchten.
  • Verstehen, dass wir etwas verändern müssen.
  • Erkennen, dass wir uns anstrengen müssen, um etwas zu erreichen.

Wir müssen das Gesetzes der Anziehung also um das Gesetz des Handelns ergänzen. Wenn du erst mal deine Augen geöffnet und deine Hoffnungen entstehen lassen hast, wird das Gesetz des Handels der Veränderung einen zusätzlichen Schub verleihen.

Denke nicht, dass dir die Energien einfach von selbst bringen werden, was du dir wünschst. Füge dem deine eigenen Strategien und Mittel hinzu, baue täglich deinen eigenen Pfad und sei dir darüber bewusst, dass jeder Erfolg einer großen Kraftanstrengung bedarf.

Das Gesetz der Anziehung ist ein sinnvolles Konzept zur Motivation. Aber es empfiehlt sich, die Dinge objektiv zu betrachten und nicht zu vergessen, dass heutzutage viel Selbsthilfe-Literatur zum positiven Denkens verkauft wird. Vertraue immer auf dich selbst, aber gib deinen Gedanken und Taten den nötigen Anstoß, um deinen Weg gehen zu können. Den Weg, der dich glücklich macht und um den es sich lohnt, zu kämpfen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von: Seoien, Nino Kaan

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