Gewalt in der Familie

10, August 2017 en Kuriositäten 95 Geteilt

Immer häufiger hört man von den verschiedenen Formen von Gewaltanwendung innerhalb von Familien. Es gibt häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt, sowie Gewalt gegen oder Missbrauch von Kindern. Jegliche dieser Gewaltformen haben fatale körperliche, psychologische und sozialen Auswirkungen.

Es ist problematisch, dass viele Menschen den Unterschied zwischen diesen Gewaltformen nicht kennen und die Begriffe deshalb nicht richtig verwenden. Deshalb möchte ich in diesem Artikel die verschiedenen Formen von Gewaltanwendung, die innerhalb von Familien stattfinden, erklären.

„Gewalt bezeichnet nicht nur das Töten einer anderen Person. Gleichermaßen gewalttätig sind wir, wenn wir erniedrigende Worte benutzen, wenn wir eine Geste zeigen, die eine andere Person abwertet, wenn wir jemanden befehligen und dieser aus Angst gehorcht. Gewalt ist also nicht nur organisierte Metzelei im Namen Gottes, der Gesellschaft oder des Landes. Sie ist viel subtiler, viel umfassender.“

Jiddu Krishnamurti

Was ist häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt bezeichnet eine Form der Gewaltanwendung, die innerhalb der Familie auftreten kann. Grundsätzlich bezeichnet dieser Terminus alle Gewaltformen, die zwischen Menschen stattfinden, die in einem Haus zusammenleben, egal, ob sie leibliche Verwandte sind oder nicht. Häusliche Gewalt beinhaltet also: Aggressionen zwischen Mann und Frau, der Eltern gegenüber den Kindern, der Kinder gegenüber den Eltern. Auch andere Personen, die im gleichen Haushalt mit dem Aggressor wohnen und Teil der Familie sind, können betroffen sein.

Anders gesagt kann bei häuslicher Gewalt jeder der Aggressor und jeder das Opfer sein, solange die Personen Teil der Wohngemeinschaft sind. Das gilt auch dann, wenn keine leibliche Verwandtschaft besteht. Die Medien tendieren leider dazu, diese Art von Gewalt mit der geschlechtsspezifischen gleichzusetzen. Häusliche Gewalt ist allerdings tatsächlich ein viel weitreichenderer Begriff.

Was ist geschlechtsspezifische Gewalt?

Geschlechtsspezifische Gewalt bezeichnet jeden Gewaltakt der, ob körperlich oder psychologisch, zwischen einem Aggressor und einem Opfer stattfindet, die in einer emotionalen oder sentimentalen Beziehung zueinander stehen oder standen. Diese Aggression wird meist vom Mann an der Frau ausgeübt, aber es darf nicht vergessen werden, dass auch Männer Opfer von durch Frauen ausgeübter Gewalt werden können.

Wo liegt also der Unterschied zwischen häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt? Der Unterschied liegt in der Begründung der Gewaltanwendung. Geschlechtsspezifische Gewalt wird angewandt, weil das Opfer einem bestimmten Geschlecht zugehört. Meist geht es um die Demonstration eines Machtverhältnisses.

„Sexistische, rassistische und geschlechtsspezifische Gewalt können nicht aus einer Gesellschaft entfernt werden, ohne deren Kultur zu verändern.“

Charlotte Bunch

Der Unterschied zwischen Missbrauch, Misshandlung und Vergewaltigung von Kindern

Leider sind Erwachsene nicht die einzigen, die unter Gewaltanwendung in der Familie leiden. Ebenso gibt es Fälle von Missbrauch, ob sexuell oder nicht, Misshandlung und Vergewaltigung von Kindern. Auch diese Begriffe werden in den Medien nicht immer richtig verwendet.

Der Missbrauch kann körperlich oder psychologisch erfolgen; eine Form des körperlichen Missbrauchs ist der sexuelle Missbrauch. Körperlicher Missbrauch heißt, dass der Minderjährige verletzt wird oder ihm Schmerzen zugefügt werden. Sexueller Missbrauch heißt, dass obszönes Verhalten vor dem Kind ausgeführt wird oder sexueller Kontakt erzwungen wird. Psychologischer Missbrauch beinhaltet die Demütigung oder Belästigung des Kindes.

Der Begriff Missbrauch ist also sehr unspezifisch und schließt die körperliche Misshandlung und die Vergewaltigung ein.

Psychologische Interventionen bei den verschiedenen Formen von familiärer Gewalt

Nachdem wir nun die verschiedenen Begrifflichkeiten geklärt und differenziert haben, möchten wir uns den verschiedenen Arten von Interventionen zuwenden, die zu empfehlen sind. Es soll nicht nur um die Behandlung von Opfern, sondern auch von Tätern gehen, denn beide bedürfen einer Therapie.

In jenen Fällen, in denen das Kind der Täter und die Eltern die Opfer sind, ist ein wichtiges Thema oft die Kommunikation. Das Kind versucht, Emotionen auszudrücken, weiß aber nicht, wie es das tun kann. Zudem waren die Eltern oft nicht in der Lage, Richtlinien für eine gute Kommunikation aufzustellen und vorzuleben. Deshalb finden häufig Familieninterventionen statt, um Kommunikation und Zusammenhalt zu formen. Auf der anderen Seite werden auch individuelle Interventionen genutzt, um die Fähigkeiten einer Person, mit Wut und Ärger umzugehen, zu schulen.

Bei geschlechtsspezifischer Gewalt konzentrieren sich die Interventionen vor allem darauf, das Selbstbewusstsein und die Unabhängigkeit des Opfers zu stärken, dessen soziale Fähigkeiten wieder aufzubauen und das Trauma zu überwinden. In der Therapie des Aggressors spielt die Modifikation seines Verhaltens die entscheidende Rolle. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf seinen Fähigkeiten im Umgang mit Ärger und zu effektiver Kommunikation.

Wenn es um Kindesmissbrauch geht, ganz besonders sexueller Art, ist eine frühe Intervention essenziell. Eine Priorität ist es, das Gefühl der Schuld zu behandeln und einen sicheren Rahmen für die Behandlung des Traumas zu schaffen. Bei den Aggressoren werden anerkannte Programme zur Kontrolle sexueller Übergriffe angewandt. Das Ziel ist hier die Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Auch interessant