Geruchsforschung: Worum geht es?

· 21. Februar 2019

Ein Teilbereich der Geruchsforschung untersucht die Beziehung zwischen Gerüchen und den Reaktionen, die sie beim Menschen erzeugen. Die hier tätigen Wissenschaftler konzentrieren sich auf die Auswirkungen verschiedener Düfte beim Menschen, einschließlich  emotionaler Veränderungen, die Gerüche verursachen können.

Wir müssen die Geruchsforschung von der Aromatherapie unterscheiden, denn die Aromatherapie fokussiert sich auf die Verwendung ätherischer Öle zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. Aber der Geruchsforschung geht es vielmehr um den psychologischen Nutzen von Aromen.

„Geruch ist das Gefühl von Erinnerung und Verlangen.“

Jean-Jacques Rousseau

Geruchsforschung und Aromatherapie

Die Aromatherapie basiert auf den Gebrauch natürlicher Aromen bei Massagen oder durch direkte Einnahme, aber die Geruchsforschung verwendet neben ätherischen Ölen auch synthetische Duftstoffe und Parfüme. Grundsätzlich untersucht die Geruchsforschung die Reaktionen unseres Körpers und Geistes, wenn wir verschiedenen Düften ausgesetzt sind.

Ein bestimmter Zweig der Geruchsforschung entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan. Denn dort begannen Wissenschaftler, die Wirkprinzipien von pflanzlichen Aromen zu untersuchen, die entsprechenden Duftstoffe zu isolieren und zu analysieren. In den 70er Jahren wurde hierfür der Begriff „Aromachologie“ geprägt, um ihn von der Aromatherapie zu trennen. Damit nahm jener Zweig der Geruchsforschung endgültig Gestalt an, der sich mit der Frage beschäftigt, wie Aromen unsere Stimmung und damit unser Verhalten beeinflussen.

Wie funktioniert Geruchsforschung bzw. Aromachologie?

In den letzten zwei Jahrzehnten haben zahlreiche Wissenschaftler unseren Geruchssinn untersucht. Viele ihrer Experimente haben sich mit den Empfindungen und Reaktionen beschäftigt, die Aromen hervorrufen können, und speziell geht es in den von uns herangezogenen Studien darum, wie das limbische System verschiedene Gerüche verarbeitet.

„Nichts bringt eine vergessene Erinnerung wieder hervor wie ein Duft. „

Christopher Poindexter

Das limbische System spielt für unser Überleben eine grundlegende Rolle, denn es unterliegt nicht unserem Willen und seine Reaktion kann abhängig von den eingehenden Reizen sehr intensiv sein. Wir wissen zudem, dass im limbischen System Emotionen erzeugt werden, zusammen mit Gefühlen wie Hunger, Durst und Sättigung. Das heißt, das limbische System aktiviert Gefühle, die vom Hypothalamus verwaltet werden. Das macht es für die Geruchsforschung so interessant.

Eine Grafik, die das limbische System im menschlichen Gehirn zeigt.

Aromen bewegen sich in kleinen Partikeln, die durch unsere Nasenlöcher in unseren Körper und auf die Rezeptoren von Sinneszellen gelangen. Die in unsere Nase einströmende Luft wird so analysiert. Die sogenannten Riechsinneszellen, die sich in den Nasenmuscheln befinden, erfassen die chemische Zusammensetzung der Luft, einschließlich verschiedener Aromen.

Diese olfaktorischen Sinneszellen können dank bestimmter Rezeptorproteine die chemische Information von Aromen in elektrische Impulse umwandeln. Diese wiederum werden zum Gehirn weitergeleitet, wo sie analysiert, gespeichert und dann zur Verarbeitung an das limbische System fortgeleitet werden.

 

Geruchsforschung und olfaktorische Erinnerungen

Heute wissen wir, dass Gerüche unsere Stimmung verändern können. Daher können sie auch unseren Appetit, unsere Aufmerksamkeit und unser Gedächtnis beeinflussen.

Aromen stimulieren uns dabei in zwei Prozessen:

Primärer Prozess

Dieser beruht auf der direkten Reaktion unserer Psyche auf ein Aroma. Das heißt, die Reaktion erfolgt nicht aufgrund eines anderen Stimulus, sondern bezieht sich nur auf das Aroma bzw. den Geruch. Ein Beispiele für solche primären Reize sind die Aromen oder Lebensmittel, die unser sexuelles Verlangen „wecken“.

Eine Frau liegt im Gras und riecht an einem Löwenzahn.

Sekundärer Prozess und olfaktorische Erinnerung

Der sekundäre Prozess leitet sich von der Reaktion auf ein Aroma ab, das auf einer olfaktorischen Erinnerung basiert. Diese bezieht sich auf die sofortige Einordnung eines Aromas, das bereits in unserem Gedächtnis gespeichert ist. Daher können wir diesen Duft mit einer Reihe von Empfindungen verknüpfen oder uns an Orte, Menschen oder Gefühle erinnern. Aus diesem Grund kann unser olfaktorisches Gedächtnis all jene Empfindungen reaktivieren, die durch den Geruch in unserem Gehirn „eingeschrieben“ sind.

Ein Beispiel für einen sekundären Prozess wäre ein Aroma, das wir plötzlich wahrnehmen und das uns in unsere Kindheit versetzt, etwa der Geruch nach frischem Apfelkuchen.

„Wenn es nur eine Erfindung geben könnte, die eine Erinnerung abfüllen könnte wie ein Duft. Und sie würde nie verblassen und sie würde nie abstehen. Und dann, wenn man es wollte, könnte die Flasche entkorkt werden, und es wäre, als würde man den Moment von Neuem erleben.“

Daphne du Maurier