Schlechte Stimmung wendet sich gegen den Träger

· 12. Januar 2019

Wir replizieren in der Regel die Art und Weise, wie man uns behandelt, und laut der Psychologin Elisa Múgica sei dies auf unsere Spiegelneuronen zurückzuführen, die uns dazu anregen, uns so zu verhalten, wie man es mit uns tut. Diese interessanten Neuronen sind verantwortlich für das ansteckende Gähnen, für unser Lächeln, wenn man uns ein Lächeln schenkt, oder dafür, dass wir in schlechte Stimmung geraten, wenn jemand wütend auf uns zukommt.

Weiterhin finden all die Beleidigungen und Pampigkeiten, die aus unserem Mund kommen, über jene Spiegelneuronen ihren Weg zurück und richten verheerende Schäden an unserem persönlichen und emotionalen Gleichgewicht an. Schlechte Stimmung ist wie in Rebellion zu sich selbst zu treten, zu anderen und den Situationen, in die wir geraten.

Eine der Hypothesen, die in Betracht gezogen werden, um zu erklären, warum einige Menschen ständig schlechte Laune haben, obwohl das Leben ihnen gut gesonnen scheint, ist, dass sie ein zu großes Ego haben. Wenig oder nichts scheint ihnen gut genug zu sein, und sie denken, dass die Realität eine besondere Verpflichtung hätte, ihre Erwartungen zu erfüllen – und daher ihre ständige schlechte Laune. In diesem Sinne ist gequälte Stimmung der Geisteszustand, der uns klein und zu Sklaven macht.

„Unwissenheit und Irrtum sind Quellen schlechter Laune.“

Baron von Holbach

Woher kommt unsere schlechte Stimmung?

Als Auslöser für schlechte Stimmung kommt jeder Umstand infrage. Unsere Stimmung ist ein Geisteszustand, in dem wir uns auf viele Faktoren einlassen. Einige Experten kamen beispielsweise zu dem Schluss, dass unerfüllte Erwartungen uns anfälliger für unförmige Gedanken machen und das diese es seien, die uns letzten Endes in eine schlechte Stimmung versetzen.

Tal Ben Shahar, Professor für Positive Psychologie an der Harvard University (Massachusetts, USA), sagt, dass Ärger seine Funktion habe. Er sei wie ein Ventil, bei dessen Öffnung der Druck gemindert werde, dem eine Person in einem Umstand ausgesetzt sei, der sie betreffe. Wenn jemand von der Arbeit entlassen werde, könne es für ihn produktiver sein, den durch einen solchen Umstand hervorgerufenen Ärger zu akzeptieren, als ihn zu leugnen.

Ärger in diesem Sinne könne uns mitteilen, dass wir Opfer einer Ungerechtigkeit geworden seien, und uns mit Energie füllen, um eine Klage einzureichen. Er kann uns aber auch zu Gefangenen des Grolls machen. Es hängt alles davon ab, wie wir mit der Emotion umgehen.

Verärgerter Mensch mit schwarzer Wolke im Gesicht, symbolisch für schlechte Stimmung

Schlechte Stimmung kann auch, solange es keine neurologischen Störungen gibt, als ein Gemütszustand definiert werden, in dem eine Verleugnung der Realität stattfindet. Menschen, die ständig schlecht gelaunt sind, sind selten zufrieden mit dem, was sie haben. Ihre unangemessenen Erwartungen erzeugen eine Menge Frustration, die sich in Wut und schlechter Stimmung niederschlägt, sodass sie jegliche Situation in einem negativeren Licht sehen als sie wirklich ist oder sein kann.

„Bitterkeit und Stolz sind Zwillingsbrüder; schlechte Laune und Reizbarkeit sind ihre untrennbaren Begleiter.“

Heilige Mutter Teresa von Kalkutta

Schlechte Stimmung greift unseren Körper und unseren Geist an

Ständige schlechte Stimmung verursacht psychische Beschwerden und eine emotionale Erschöpfung, die unser Immunsystem angreift. Sie erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Problemen und ist verschlechtert die Lungenfunktion, so eine Studie der Harvard University.

Wer in schlechten Stimmung ist, verspürt Gefühle von Irritation, Wut und Zorn. Er richtet seine Aufmerksamkeit auf äußere Hindernisse, die ihn seiner Meinung nach daran hindern, seine Ziele zu erreichen, und die er für seine Frustration verantwortlich macht. Darüber hinaus erzeugt schlechte Laune die Notwendigkeit, körperlich oder verbal intensiv und unmittelbar zu handeln.

Frau mit Kopfschmerzen

Auf physiologischer Ebene aktiviert diese Grundstimmung das Nervensystem, erhöht die Herzfrequenz und den Blutdruck und reduziert gleichzeitig das Blutvolumen und die periphere Temperatur. Sie erhöht auch die Muskelspannung und regt die Ausschüttung von Adrenalin an, was den Körper auf intensive Anstrengungen vorbereitet.

Aufgrund der wachsenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über die negativen Auswirkungen von schlechter Laune auf den Körper ist es am besten, bis zehn zu zählen, bevor wir die Kontrolle verlieren, nicht wahr? Es ist gesünder und angenehmer für alle Beteiligten.

„Wir müssen schlechte Laune als Zeichen von Unsicherheit und mangelndem Selbstwertgefühl interpretieren.“

Alfred Adler