Geplante Obsoleszenz und Verbrauchermanipulation

· 30. August 2018

Im Jahr 1901 wurde eine Glühbirne in der Feuerwehrstation von Livermore, Kalifornien (USA) installiert. Sie wurde an- und nie wieder ausgeschaltet. Mehr als 100 Jahre sind seitdem vergangen und die Glühbirne brennt weiterhin wie am ersten Tag. Sie reflektiert ein Phänomen, das auch als geplante Obsoleszenz bekannt ist.

Was ist so besonders an dieser einen Glühbirne? In Wahrheit ist an ihr gar nichts Besonderes. Sie ähnelt denen, die 1881 von Thomas Alva Edison erfunden wurden und die ca. 1500 Stunden Betriebsdauer hatten. Die hundertjährige Glühbirne ist einfach ein verbessertes Modell. Die offensichtliche Frage ist: Wieso bestehen manche alte Technologien den Test der Zeit erfolgreicher als moderne Varianten? Selbst wenn wir im Hinterkopf behalten, dass moderne Medien und Technologien vermutlich weiter entwickelt sind – wäre es nicht logisch, dass heutige Glühbirnen besser und langlebiger sind? Und nicht umgekehrt?

Das wird noch mysteriöser, wenn wir uns moderne Geräte anschauen. Alte Fernsehgeräte hielten länger, als es heutige tun. Das Gleiche trifft auf fast alle Haushaltsgeräte zu. Warum? Der Grund ist sehr simpel. Ein Pakt, beschlossen 1924, der sich um die geplanten Obsoleszenz dreht.

„Neben einer Wirtschaft des Überflusses und der Verschwendung ist Konsum auch, und genau aus demselben Grund, eine Wirtschaft der Täuschung. Er setzt auf die Irrationalität der Konsumenten und nicht auf deren gut informierte Entscheidungen. Er setzt darauf, die Emotionen der Konsumenten zu erwecken, und nicht darauf, Vernunft zu pflegen.“

Zygmunt Bauman

Mobiltelefone auf einem Friedhof

Was ist geplante Obsoleszenz?

Geplante Obsoleszenz beschreibt die Praxis, das nutzbare Alter von Produkten zu beschränken; sowohl künstlich als auch vorsätzlich. Das bedeutet, dass Hersteller Geräte so herstellen, dass sie nach einer bestimmten Zeitspanne aufhören zu funktionieren. Es ist nicht so, als könnten diese Produkte nicht anders gefertigt werden. Sie sind extra so gebaut, um den Konsum zu steigern.

Kauft jemand einen Gegenstand, der lange funktioniert, braucht er viele Jahre keinen Ersatz. Lässt das Produkt allerdings relativ schnell in seiner Leistung nach, muss der Konsument regelmäßig für Ersatz sorgen. Das wiederum sorgt für höhere Verkaufszahlen beim Hersteller.

Glühbirnen sind nicht das einzige Beispiel für diese eingeplante Veralterung. Nylonstrumpfhosen sind ein anderes Beispiel. In der Anfangszeit hielten sie länger als ein Jahr. Heutzutage können sie kaum öfter als zweimal getragen werden.

Die Verschwörung und andere Formen der Veralterung

Es gibt eine Menge Beweise, die auf eine mächtige Gruppe aus Industriellen hindeuten, die an Weihnachten 1924 in Genf (Schweiz) zusammenkamen. Bekannt war sie auch unter dem Namen“Phoebuskartell“Eine der ersten Absprachen betraf das Verbot einer patentierten Glühbirne, deren Lebensdauer viele tausend Stunden betrug. Gleichzeitig schlossen sie einen Pakt, um die geplante Obsoleszenz für andere Produkte einzuführen.

Heutzutage gibt es viele, aktuelle Formen dieser Art von Manipulation. Hier ein paar:

  • Obsoleszenz der Funktion – Die Funktionalität eines Produktes verschlechtert sich nach und nach; so muss der Konsument neuere Modelle kaufen.
  • Obsoleszenz der Qualität – Gegenstände hören nach einer bestimmten Zeit- oder Nutzungsdauer auf, richtig zu arbeiten.
  • Obsoleszenz der Attraktivität – Mode und Trends werden manipuliert, sodass ältere Produkte weniger attraktiv erscheinen. Es werden neue Designs entworfen oder Details eingearbeitet, die den Konsumenten zum „Update“ verleiten.

Kontinuierliches Erneuern ist also vorgesehen, besonders wenn es um technische Geräte geht. Das verursacht das Verlangen, das neueste Modell eines Produkts zu erwerben, auch wenn es uns keinen wahrhaft größeren Dienst erweist.

Recyceln ist eine Art von Freiheit

All dieser Konsum hat, wie bereits erwähnt, das finale Ziel, hohen Absatz zu gewährleisten. Geplante Obsoleszenz ist eine der Strategien, dieses Ziel zu erreichen. Das Problem in der heutigen Zeit ist, dass Menschen Qualität oder Nutzen nicht einmal mehr die erforderliche Aufmerksamkeit schenken. Es herrscht einfach ein sehr starkes Verlangen, weiterhin zu konsumieren.

Was einst eine Form der Marktmanipulation war, ist jetzt eine allgegenwärtige Begierde. Menschen haben die geplante Obsoleszenz verinnerlicht. Sie wollen gebrauchte Gegenstände schnell loswerden und sie durch neue ersetzen. Das ermöglicht ihnen ein Gefühl der Befriedigung, Kontrolle und sogar Macht.

Glühbirne explodiert

Nun, wir überlassen es unseren Lesern, inwiefern sie sich mit der hier vorgestellten Verschwörungstheorie identifizieren. Auch wir wissen nicht, ob das alles so stimmt, was da berichtet wird. Was wir allerdings wissen, ist, dass unsere Form des Konsums einer Reflexion bedarf. Und dass diese stattfindet, zeigt der aufstrebende Trend des Recyclings.

Recycling verfolgt die Absicht, eine Kultur der Wiederverwertung zu schaffen. Sein Ziel ist nicht nur, ungezügelten Konsum einzuschränken, sondern auch, die Umwelt zu schützen. Letztendlich hat Recycling auch einen psychologischen Einfluss. Es fördert die Einstellung, Dinge zu reparieren, anstatt sie zu entsorgen. Außerdem lässt es zu, dass Dinge auch unperfekt, aber dennoch nützlich und wertvoll sein können.

Vielleicht trägt diese Einstellung letztendlich auch zu einer konstruktiveren und humaneren Ansicht bei, wenn es um immaterielle Gegebenheiten geht, die wir verwerfen, wenn wir sie für problematisch halten.