Geistige Erschöpfung durch Coronavirus

21 Mai, 2020
Die derzeitige Corona-Pandemie prägt unseren Alltag und hat verschiedenste Auswirkungen für uns alle. Die lange Zeit zu Hause, Stress und Angst vor einer Ansteckung oder der beruflichen Zukunft führen oft zu geistiger Erschöpfung. In der Folge leiden viele Menschen an Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten oder auch an Problemen bei der Entscheidungsfindung. 
 

Auch wenn viele während der aktuellen Corona-Pandemie weniger aktiv als in normalen Zeiten sind, ist geistige Erschöpfung ein Übel der Zeit. Dies ist verständlich und ganz normal. Es handelt sich um eine Nebenwirkung, die unter anderem mit der sozialen Isolierung zusammenhängt. Doch auch andere Faktoren spielen dabei eine Rolle.

„Ist es sicher, außer Haus zu gehen?“, „Sind die Sicherheitsvorschriften ausreichend?“, „Was ist in jeder einzelnen Lockerungsphase erlaubt und was nicht?“, „Wie sieht meine berufliche Zukunft aus?“ „Kann ich meine Familie besuchen?“ Diese und andere Fragen beschäftigen unseren Geist und führen zu Unsicherheit und Angst. Dazu kommt die Ungewissheit der derzeitigen Situation, die uns alle vor neue Herausforderungen stellt. 

Wenn sich unsere Gedanken um diese Themen drehen und wir uns ständig Sorgen machen, ist es schwierig, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie nicht weitreichend sind. Manchmal sind bereits Entscheidungen über die Essensplanung, wann die Kinder ins Bett sollen oder welche Aufgaben sie noch erledigen müssen eine richtige Herausforderung, wie ein hoher Berg, dessen Gipfel wir erklimmen müssen. 

 

Du musst dir dabei vor Augen führen, dass sich all diese Erfahrungen und Empfindungen innerhalb der Normalität bewegen. Es handelt sich keinesfalls um eine mentale Störung oder einen Zusammenbruch. Diese Reaktion des Gehirns ist verständlich und normal. Wir sehen uns dieses Thema anschließend etwas genauer an.

Geistige Erschöpfung in Coronazeiten

Geistige Erschöpfung und soziale Isolierung

Experten erinnern daran, dass es nicht ratsam ist, von sozialer Isolierung zu sprechen. Denn wir Menschen sind soziale Wesen und leben ab unserer Geburt in einer Gesellschaft, deshalb ist es unmöglich, uns sozial zu isolieren.

Auch wenn wir das Haus nicht verlassen dürfen, sind wir Teil einer Gemeinschaft, eines Dorfes oder einer Stadt, Teil der Gesellschaft eines Landes. Deshalb ist es besser, von physischer Isolierung oder Distanz zu sprechen, denn was uns während der Corona-Pandemie versagt bleibt, ist, uns physisch nahe zu sein. Die Bezeichnung „Kontakteinschränkungen“ ist seit den Lockerungen ebenfalls in unseren täglichen Wortschatz eingedrungen.

 

Doch unabhängig von der genauen Wortwahl gibt es eine unbestreitbare Tatsache: Die Ausgangs- und die Kontaktbeschränkungen sind für uns Menschen nicht normal. Unser Gehirn reagiert deshalb auf diese unerwartete Situation auf unterschiedliche Arten. 

Größere kognitive Belastung

Wenn wir über kognitive Prozesse sprechen, beziehen wir uns auf alle Fähigkeiten unseres Gehirns. Diese umfassen zum Beispiel die Fokussierung, die Aufmerksamkeit, die Fähigkeit, Gehörtes zu interpretieren, Lesen, Entscheidungen treffen, Empfindungen verarbeiten, die unser Körper fühlt, Lernen und neue Dinge schaffen usw. 

  • Diese außergewöhnlichen kognitiven Fähigkeiten unseres Gehirns werden stark von unserer Umgebung beeinflusst. Außerdem spielt auch die Art und Weise, wie wir die Umwelt interpretieren, eine wichtige Rolle.
  • Die Tatsache, sich lange Zeit in ein und demselben physischen Raum zu befinden, stresst das Gehirn zusätzlich. Unser Geist benötigt Veränderungen: unterschiedliche Lichtverhältnisse, Geräusche, Interaktionen und neue Reize, um sich aktiv und wach zu fühlen.
 
  • Wenn sich unsere Umgebung nicht verändert und der Gemütszustand nicht optimal ist, entsteht geistige Erschöpfung und Überlastung.

Während der Bewegungs- und Kontakteinschränkungen kann es deshalb dazu kommen, dass wir auf kognitiver Ebene nicht so fit sind und wir länger benötigen, um Denkprozesse zu bewältigen. So kann es uns zum Beispiel schwerfallen, uns an eine Telefonnummer zu erinnern.

Die derzeitigen Umstände wirken sich negativ auf unsere Fähigkeit aus, Entscheidungen zu treffen

Geistige Erschöpfung ist nicht die beste Voraussetzung für langfristiges Denken oder Planen. Sie wirkt sich besonders negativ auf die Entscheidungsfindung aus, ein Aspekt der in diesen Umständen nicht so wichtig zu sein scheint. Wir müssen jedoch über unsere Zukunft nachdenken, Veränderungen und Strategien überlegen, um jetzt den richtigen Weg zu gehen.

Die Corona-Pandemie hat unser Leben verändert, und zwar auf persönlicher und auch auf beruflicher Ebene. Die berufliche Situation ist zu einer besonderen Herausforderung geworden. Doch in der derzeitigen Lage fühlt sich unser Geist nicht fähig, Entscheidungen zu treffen, Pläne zu schmieden oder die Situation zu analysieren.

 

Manche haben sogar Schwierigkeiten damit, gesetzliche Dokumente verstehen zu können, um Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine Subvention anzusuchen oder andere bürokratische Formalitäten zu erfüllen. Die geistige Erschöpfung lässt es nicht zu, aktiv zu werden. Wir können nur entscheiden, ob wir einen Mittagsschlaf oder eine Tasse Kaffee brauchen, doch keine wichtigen, langfristigen Entscheidungen treffen.

geistige Erschöpfung

Geistige Erschöpfung: Wie kann ich damit umgehen?

Wir befinden uns alle in einer völlig neuen Situation und außerdem gibt es keine Antworten, die für jeden gültig sind. Allerdings können einfache Strategien helfen. Probiere sie aus, um selbst herauszufinden, ob sie auch für dich von Vorteil sind.

Jeder Mensch erlebt die derzeitige Pandemie auf unterschiedliche Weise und reagiert anders. Wenn wir jedoch einmal von der persönlichen Erfahrung und Widerstandsfähigkeit absehen, ist eines unbestreitbar: Die aktuellen Umstände sind für uns alle schwierig.

 

Deshalb helfen dir folgende Ideen, um über die geistige Erschöpfung nachzudenken:

  • Die geistige Erschöpfung ist in neuen Situationen mit großer emotionaler Belastung und Stress ganz normal. Wir müssen nicht sofort an eine Störung oder Krankheit denken, denn es handelt sich einzig um allein um eine Konsequenz, die durch die derzeitige Lage verursacht wird. 
  • Vielleicht ist gerade nicht der beste Moment, um langfristige Entscheidungen zu treffen. Wir müssen uns jetzt auf die Gegenwart konzentrierenGanz besonders wichtig ist in diesen Augenblicken unser Wohlbefinden. Kümmere dich um dich und werde dir über deine Bedürfnisse bewusst! Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt, um die mentale Belastung und deine Sorgen zu lindern.
  • Außerdem solltest du dir angewöhnen, immer nur eine Sache gleichzeitig zu denken und zu tun. Die geistige Erschöpfung lässt nicht zu, dass du mehrere Dinge gleichzeitig erledigst. Dein Gehirn ist jetzt nicht fähig, gleichzeitig an Sorgen, Angst, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu denken!
 

Du solltest also Schritt für Schritt voranschreiten. Wenn du am Frühstücken bist, konzentriere dich nur darauf, entspannt und gemütlich das Frühstück zu genießen. Du bist gerade im Homeoffice tätig? Dann konzentriere dich einzig und allein auf deine Aufgaben. Wenn du Entscheidungen treffen musst, plane dafür eine bestimmte Tageszeit ein, an der du dich nur darauf konzentrierst.

Vergiss nicht, dass du auch deinen Emotionen Raum geben musst. Akzeptiere deine Empfindungen, Gefühle und Emotionen, ohne darüber zu urteilen, ob sie gesund sind oder nicht. Du kannst dich nicht jeden Tag gleich gut fühlen, manchmal erreichst du nicht einmal 50 Prozent deines vollen Potenzials. Vielleicht braucht dein Gehirn jetzt gerade ein paar ruhige Augenblicke, um Erleichterung zu finden!