Das berufsbedingte Burnout-Syndrom: Bald ein offizielles Krankheitsbild

26. Dezember 2019
Das Worker-Burnout ist dabei, eine Berufskrankheit zu werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sich allzu bewusst, wie es den Menschen heutzutage zusetzen kann. Lies im Folgenden weiter, um mehr darüber zu erfahren!

Das berufsbedingte Burnout-Syndrom flehte seit einiger Zeit um mehr Aufmerksamkeit. Jetzt gibt die WHO ihm die offizielle Klassifizierung, die es verdient. Es wird von einem Gesundheitszustand zu einer Berufskrankheit erklärt. Das wird den Arbeitnehmern wirklich helfen und ihnen mehr Rechte in Bezug auf Urlaub und Behinderung einräumen.

Aber nicht alle freuen sich über die Neuigkeiten. Denn manche Kritiker sehen das ganz anders. Das „Burnout“ als psychische Erkrankung zu betrachten, die durch einen schlechten Job, ein giftiges Arbeitsumfeld oder einen ausbeuterischen Chef verursacht wird, ist eine Erinnerung an einen weiteren kritischen Aspekt.

Wir werden das weit verbreitete Worker-Burnout aber nicht einfach dadurch lösen, indem wir die Menschen mit Medikamenten behandeln oder sie für eine zeitlang von der Arbeit freistellen. Wir lösen das Problem nur dann, wenn wir die eigentlichen Ursache angehen: die Arbeitsbedingungen oder alle oben aufgeführten Probleme.

Es ist jedoch völlig verständlich, dass die WHO diesen Schritt unternimmt und ein so weit verbreitetes Problem der psychischen Gesundheit neu klassifizieren möchte, da dies eine gute Sache ist. Dies muss allerdings ein erster Schritt sein und kein letzter. Es muss daher ein Schritt in die Richtung eines größeren Bewusstseins sein.

Ja, es ist natürlich wichtig, bessere Unterstützungssysteme und medizinische Ressourcen für die Arbeitnehmer zur Verfügung zu stellen, aber die Wurzel des Problems liegt nicht beim Arbeitnehmer. Sie liegt vielmehr in der Natur des Arbeitsmarktes.

Trotz der Kontroverse und der Skeptiker sind wir immer noch der Meinung, dass dies gute Neugikeiten sind. Letztendlich ist es ein erster Schritt hin zur Veränderung und zum Erkennen einer unwiderlegbaren Tatsache. Diese Tatsache ist die, dass viel zu viele Jobs extreme Erschöpfung und Stress verursachen und das Wohlbefinden der Menschen zerstören.

Nach Angaben der WHO tritt geistige Erschöpfung bei Arbeitnehmern auf, wenn die Anforderungen eines Jobs die Belohnungen, die Anerkennung und die Ausfallzeiten bei weitem überwiegen.

Das berufsbedingte Burnout kann sogar zu Herzerkrankungen führen.

Berufsbedingtes Burnout oder emotionales Erschöpfungssyndrom

Das berufsdedingte Burnout-Syndrom wird in der nächsten Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-11) behandelt, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht wird. Dies geschieht im Jahr 2022 und es wird einen Abschnitt für „damit verbundene Probleme“ geben, die sich auch auf die Beschäftigung und Arbeitslosigkeit beziehen. Der Code dafür wird QD85 sein.

Das heißt, die neue Klassifizierung wird in wenigen Jahren wirksam. Aber es ist der Anfang, eine Realität zu erkennen, die es zuvor offiziell nicht gab oder die zumindest vage und ungenau war.

  • Bisher gehörten Krankheitsbilder im Zusammenhang mit chronischem arbeitsbedingtem Stress zu einer viel trüberen Klassifizierung.
  • Diese Definition bedurfte dringend einer stärkeren Verbindung zur Arbeitswelt. Denn nur so können die Arbeitnehmer Zeit für Urlaub und Behinderung gewinnen und eine unbestreitbare soziale Realität ins Rampenlicht rücken.

In der Tat scheinen die Statistiken darauf hinzuweisen, dass das berufsbedingte Burnout-Syndrom bereits eine Epidemie ist. Christina Maslach, emeritierte Professorin an der University of California in Berkeley, ist eine der weltweit führenden Experten für berufliche Erschöpfung.

Sie begann ihre Studie zu diesem Thema in den 1970er Jahren. Aber das Problem hat sich seitdem nur noch verschlimmert. Das andere Problem ist, dass das berufsbedingte Burnout ein absolut verheerendes Krankheitsbild sein kann. Es unterdrückt die Ambitionen, den Optimismus und das Selbstwertgefühl der Menschen.

Das berufsbedingte Burnout-Syndrom und seine hohen Kosten

Dr. Armita Golkar vom Karolinska-Institut in Schweden führte 2014 eine Studie durch. Ihre Ergebnisse waren sehr aussagekräftig. Sie entdeckte, dass die emotionale Erschöpfung und Negativität, die arbeitsbedingter Stress verursacht, das Gehirn einer Person tatsächlich verändern kann.

  • Die Auswirkungen sind ähnlich wie bei einem Trauma in der Kindheit. Teile des Gehirns, wie die Amygdala und der vordere cinguläre Kortex versetzen die Menschen in einen ständigen Alarmzustand und sie leiden an Angstzuständen und in einigen Fällen an posttraumatischem Stress.
  • Aber das ist nicht alles. Das berufsbedingte Burnout kann sogar zu Herzerkrankungen führen. Viele Menschen berichten auch von Schmerzen am Bewegungsapparat, anhaltender Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen, Schlaflosigkeit, Depressionen und einer Vielzahl anderer Erkrankungen.
  • Es gibt noch einen weiteren Faktor, den wir berücksichtigen sollten. Arbeitsbedingte Erschöpfung und Stress können durch jede Art von Arbeit verursacht werden. Dieses  Krankheitsbild kann Ärzte, Fabrikarbeiter, Gefängniswärter, Kassierer, Krankenschwestern, Lehrer und durch die Bank hinweg alle Arbeiter treffen. Niemand ist sicher davor.
Dieses  Krankheitsbild kann Ärzte, Fabrikarbeiter, Gefängniswärter, Kassierer, Krankenschwester, Lehrer und durch die Bank hinweg alle Arbeiter treffen. Niemand ist sicher davor.

Das berufsbedingte Burnout-Syndrom: Was wird diese neue Klassifizierung bewirken?

Die neue Klassifizierung  in der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-11) im Jahr 2022 besagt, dass drei Symptome auftreten müssen, um diese Berufskrankheit zu diagnostizieren:

  • Gefühle extremer Erschöpfung
  • Ständige Negativität und Angst
  • Abnahme der Leistung

Auf dieser Grundlage versucht die WHO mit der neuen Klassifizierung Folgendes zu tun:

  • Das berufliche Burnout-Syndrom hervorheben und erläutern. Gleichzeitig versuchen sie, echte Zahlen für einen Zustand zu erhalten, der bis jetzt stark unterdiagnostiziert wurde.
  • Arbeitsbezogene psychosoziale Aspekte in den Vordergrund stellen.
  • Bessere Arbeitsbedingungen schaffen und die Arbeitnehmer vor Stress schützen, der durch Überlastung, aufgrund unmöglicher Zeitpläne, und sinkender Stabilität des Arbeitsmarktes verursacht wird.

Aus diesem Grund betrachten wir diese Klassifizierung als einen positiven Schritt. Aber wir sollten dies nicht nur als eine Art von Pflaster verwenden. Denn wie wir bereits am Anfang dieses Artikels erwähnt haben, ist es nicht sinnvoll, den Arbeitnehmern Urlaub zu gewähren und ihnen eine Therapie zur Verfügung zu stellen, wenn sie danach wieder zu denselben Arbeitsbedingungen und -praktiken zurückkehren müssen.

  • Angerer, J. M. (2003). Job burnout. Journal of Employment Counseling. American Counseling Association. https://doi.org/10.1002/j.2161-1920.2003.tb00860.x