Feen und Hexen: Weibliche Stereotype in Märchen

6. Juni 2019

Traditionelle Kinderliteratur repräsentiert eine erschreckend sexistische Sichtweise der Realität. Feen und Hexen, die wir darin immer wieder finden, sind dafür ein gutes Beispiel. Sie sind häufig in Büchern und Filmen als Protagonisten vorzufinden, zu denen Kinder eine starke emotionale Verbindung aufbauen.

Natürlich gibt es auch modernere, zeitgemäßere Kinderliteratur, doch noch immer sind viele Bücher sexistisch und diskriminierend. Wir laden dich heute ein, mit uns über dieses Thema nachzudenken.

Frauenbild durch Feen und Hexen

Geschichten spiegeln oft unsere Kultur und unser Weltbild wider. Insbesondere Märchen veranschaulichen die Vorstellung, dass Frauen von Männern abhängig sind. In solchen Geschichten haben traditionelle Geschlechterrollen einen starken Einfluss darauf, wie Kinder sich und die Welt betrachten.

In Märchen werden Frauen oft als Feen oder Hexen dargestellt, die magische Kräfte besitzen. Allerdings sind Feen schön und nett, während Hexen hässlich und einsam sind.

Eine Fee mit einem Einhorn.

Frauen spielen im Märchen eine untergeordnete Rolle. Sie werden nach Hause verbannt, ziehen Kinder auf und kümmern sich um die Hausarbeit. Ihre Lebensaufgabe besteht darin, zu heiraten und anderen zu dienen. 

Symbole für Geschlechterrollen in Märchen

Wenn die Charakterisierung in einem Märchen in erster Linie vom Geschlecht abhängt, sind auch die darin wiederzufindenden Werte und Rollen oft widersprüchlich:

Turin (1995) analysierte einige der repräsentativsten Symbole in Märchen:

  • Brille: Nur selten tragen männliche Figuren Brillen. Denn diese symbolisieren meist Weisheit im Angesicht der Schönheit.
  • Haushaltsgegenstände (Taschentuch, Schürze, Besen usw.): Diese symbolisieren die perfekte Hausfrau und Mutter, die ihr Leben und ihre Zeit ausschließlich der Hausarbeit widmet.
  • Fenster: Feen und Prinzessinnen neigen dazu, sich vor der Welt zu verstecken. Dies kann als Apathie und Unempfindlichkeit gedeutet werden.

Männliche Charaktere hingegen sind normalerweise stark und mutig. Wenn sie Butler oder Diener sind, symbolisieren sie Unterwerfung. Warum findest du also keine männlichen Charaktere im Haushalt, obwohl sie stark und mutig sind?

Märchen

Klassische Geschichten wie Aschenputtel, Schneewittchen und Dornröschen sind einige Beispiele für Geschichten, in denen alle Prinzessinnen und Feen wunderschön sind. Sie konzentrieren sich auf ihre Hausarbeit und haben kein Leben außerhalb ihrer eigenen vier Wände. 

In diesen Geschichten ist Hässlichkeit immer mit Bösheit verbunden. Konflikte entstehen durch Eifersucht und Streit um den wohl schönsten und reichsten Prinzen.

Feen und Hexen porträtieren die Vorstellung der „perfekten“ Hausfrau, als wäre es ein Geschenk oder eine Fähigkeit, die nur Frauen besitzen. Noch immer erschweren diese Stereotype Frauen den Alltag und hemmen die Gleichstellung der Geschlechter.

Feen und Hexen in der Literatur.

Das Frauenbild, das mit diesen Märchen und Geschichten vermittelt wird, prägt die unterschiedlichen Geschlechterrollen noch immer. Denn damit lernen bereits Kinder, dass bestimmte Verhaltensweisen belohnt und andere bestraft werden.

Diese Rollenvorstellungen sind inzwischen veraltet. Es gibt jedoch andere klassische Werte, die noch immer grundlegend in der Erziehung sind: Gut und Böse, der Wert der Arbeit, Respekt und Freundschaft usw. Doch gleichzeitig müssen diese weiterentwickelt und der heutigen Gesellschaft angepasst werden.

Laínez, C.M. (2016). Los estereotipos sociales de la mujer y la familia durante el franquismo.

López, A. (s.f). Coeducación y estereotipos de género en la literatura infantil.