Fakten über die Bindung unter Geschwistern

· 31. März 2019

Zweifellos spielen Geschwister eine bedeutende Rolle in unserem Leben und in unserer Entwicklung. Im Laufe der Geschichte gab es viele Erzählungen, Legenden und Mythen über die Bindung unter Geschwistern. Denken wir beispielsweise an die Geschichte von Isis und Osiris und die Beziehung der Geschwister in Mozarts Die Zauberflöte.

Ob aus erster Hand oder durch Beobachtung anderer Familien, wir alle haben gesehen, wie wichtig die Bindung unter Geschwistern wirklich ist. Sie beeinflusst sogar die kognitive Entwicklung der Individuen.

Ja, Eltern geben sich in der Regel alle Mühe, ihre Kinder auszubilden und zu glücklichen Menschen zu erziehen. Obwohl dies großartig ist, unterliegen viele Eltern dem Irrglauben, dass dies die einzigen Faktoren seien, die sich auf die Entwicklung ihrer Kinder auswirken. Jedoch wissen sie oft nicht, wie sehr sich Geschwister positiv oder negativ beeinflussen und voneinander lernen können.

In diesem Artikel wollen wir über zwei spezifische Hypothesen sprechen: (a) die Kompensationstheorie bei Geschwistern und (b) die Feindseligkeit unter Geschwistern auf Basis der Bevorzugungstheorie. Beide Hypothesen beziehen sich darauf, wie Eltern ihre Kinder behandeln.

„Geschwister sind die Menschen, an denen wir üben, sie sind die Menschen, die uns Fairness und Kooperation, Freundlichkeit und Fürsorge vermitteln, oft auf die harte Tour.“

Pamela DugdaleEin Bruder umarmt seine Schwester.

Die Kompensationstheorie bei Geschwistern

In erster Linie ist es wichtig, zu wissen, dass Bindungen unter Geschwistern nicht isoliert betrachtet werden können. Damit ist gemeint, dass es wichtig ist, andere Variablen zu berücksichtigen, beispielsweise wie die Eltern ihre Kinder behandeln. Was passiert, wenn Eltern ihre Kinder nicht wie erwartet behandeln? Können Geschwister dieses Defizit durch ihre Bindung untereinander ausgleichen?

Die Kompensationstheorie bei Geschwistern besagt, dass Geschwister enge, herzliche Bindungen aufbauen können. Folglich helfen sie einander in Situationen, wenn sie schlechter elterlicher Fürsorge ausgesetzt sind. Mit anderen Worten, Geschwister gleichen ihren Mangel an elterlicher Zuneigung aus, indem sie sich gegenseitig pflegen. Auf diese Weise können sie sich trotz des Defizits der Eltern normal entwickeln.

Studien zu dieser Theorie haben positive Ergebnisse gezeigt. Es scheint, dass ein umgekehrter Zusammenhang zwischen der Qualität der Eltern-Kind-Interaktion und der Qualität der Interaktion unter den Geschwistern bestehe. Bryant und Crockenberg führten eine Untersuchung durch, in der sie feststellten, dass die Gleichgültigkeit einer Mutter gegenüber ihren Kindern mit einer hohen Anzahl prosozialer Verhaltensweisen von älteren als auch jüngeren Geschwistern ausgeglichen wird. 

Diese Ergebnisse könnten uns zu dem Schluss verleiten, dass sich Geschwister ohne elterliche Unterstützung gegenseitig zur Seite stehen und voneinander lernen. Es ist jedoch wichtig, bei der Interpretation dieser Daten vorsichtig zu sein, da andere Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt haben. Wie wir oben gesagt haben, ist es nicht einfach, Bindungen unter Geschwistern zu untersuchen, da keine zwei Fälle gleich sind. Neben der elterlichen Behandlung spielen viele weitere Faktoren eine Rolle.

Geschwisterrivalität beim Auspacken von Geschenken

Feindseligkeit aufgrund der Bevorzugungstheorie

Das elterliche Verhalten kann auch zu Feindseligkeiten bei Geschwistern führen. Dies ist die zentrale Hypothese der Bevorzugungstheorie, die sich auf die Wahrnehmung der Kinder darüber bezieht, wie ihre Eltern sie behandeln.

Die Bevorzugungstheorie legt nahe, dass die Bindung unter Geschwistern schlechter werden kann, wenn einer von ihnen bemerkt, dass die Eltern es anders behandeln als Bruder oder Schwester. Mit anderen Worten: Wenn ein Kind erkennt, dass seine Eltern seine Schwester oder seinen Bruder bevorzugt behandeln, entwickelt es Neid und Missgunst. Infolgedessen zeigt das Kind feindseliges Verhalten gegenüber dem bevorzugten Geschwisterkind.

Hetherington führte ein Experiment durch, bei dem er feststellte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Bindungen unter Geschwistern aggressiver werden, zunimmt, je weniger liebevoll die Eltern mit einem Kind umgehen. Das Kind rebelliert gegen seine Eltern, indem es Rache an seinen Geschwistern nimmt. Es gibt jedoch auch hier noch viele weitere Faktoren, die zu berücksichtigen.

Die allermeisten Studien zu diesem Thema zeigen, wie wichtig Bindungen unter Geschwistern für die Entwicklung einer Person sind. Am Ende sind Geschwister die Menschen, an die wir uns im Leben immer wenden können.

„Egal wie alt wir sind: Wenn wir mit unseren Geschwistern zusammen sind, kehren wir in die Kindheit zurück.“

Karen White

Bryant, B. K., & Crockenberg, S. B. (1980). Correlates and dimensions of prosocial behavior: a study of female siblings with their mothers. Child Development. https://doi.org/10.1111/j.1467-8624.1980.tb02575.x