Erving Goffman und die Theorie der sozialen Interaktion

24. Dezember 2017 en Psychologie 74 Geteilt

Sicherlich passiert dir das auch ab und an: Jedes Mal, wenn du einen Freund oder Bekannten triffst, sagt er dir, dass sein Leben einfach phänomenal sei. Wenn du einmal genauer hinschaust, stößt du in sozialen Netzwerken immer auf unzählige Profile, die davon berichten, wie gut es ihnen geht. Um die Perspektive angesichts dieser unvollständigen und nicht objektiven zur Schaustellung des eigenen Lebens zu wechseln, kann es interessant sein, uns die Welt aus der Sichtweise von Erving Goffman und seiner Theorie der Interaktion anzusehen.

Goffman erstellte eine große Abhandlung über ein komplexes Thema: Die Erschaffung der menschlichen Persönlichkeit durch die Interaktion mit seiner Umwelt. Für diesen Soziologen hing ein Großteil des Verhaltens einer jeden Person von ihren Beziehungen zu anderen ab.

Wer war Erving Goffman?

Bevor wir fortfahren, lohnt es sich, kurz einen Blick auf das Leben von Erving Goffman zu werfen. Dieser Mann war ein anerkannter kanadischer Psychologe und Soziologe, der 1982 verstarb. Er hinterließ ein großes Vermächtnis, mit dem wir uns in diesem Artikel beschäftigen werden.

Erving Goffman

Im Laufe seiner beruflichen Karriere steckt er fast seine ganze Energie in die sogenannte Teilnehmende Beobachtung, um das menschliche Verhalten zu studieren. Aus seinen Forschungsarbeiten gingen Theorien über soziale Interaktionen und die Position jedes Individuums hervor, die es in der sozialen Hierarchie einnimmt.

Während seiner Forschungen veröffentlichte er verschiedene Bestseller. Seine Bücher „Stigma“ aus dem Jahr 1963, „Interaktion im öffentlichen Raum“ von 1971 und „Das Individuum im öffentlichen Austausch“ aus dem Jahr 1957 erlangten besondere Bekanntheit.

Die Theorie der sozialen Interaktion laut Erving Goffman

Nun befassen wir uns mit der Theorie der sozialen Interaktion von Erving Goffman. Wie wir bereits gesagt haben, besagt diese, dass das menschliche Verhalten von seinem Umfeld und den persönlichen Beziehungen abhängt. Jeder von uns versucht ständig, darauf zu achten, welches Bild der Rest der Welt von uns hat.

Diese Interaktion, die jedes Individuum mit seinem Umfeld pflegt, führt dazu, dass es jede Situation mit dem Ziel, die Kontrolle über sie zu haben, definieren will. Auf diese Weise versuchen wir, zu beeinflussen, welchen Eindruck wir bei anderen hinterlassen.

In diesem Fall könnten wir sagen, dass wir Akteure sind, die ihre Rolle vor ihrer Zuhörerschaft interpretiert, die aus einer oder mehreren Personen bestehen kann. Es scheint offensichtlich, dass Goffman in diesem Punkt Recht behält, denn jeder von uns macht es sich zur Aufgabe, nach außen hin ein gutes Bild von sich abzugeben. Ganz gleich, ob wir gefallen möchten, Sympathien gewinnen oder erreichen wollen, dass uns jemand hasst – wir alle handeln danach, uns darüber bewusst zu sein, welchen Eindruck wir vermitteln wollen.

Für Goffman, der sich stets auf seine Theorie über die soziale Interaktion stützte, würden wir bei der Interaktion Eindrücke hinterlassen wollen, die Interferenzen im öffentlichen Raum erzeugen. Das würden wir seiner Meinung nach tun, weil wir denken, dass diese Interferenzen gut für uns wären,. Denn in ihnen versuchen wir, die Aspekte unserer Identität zu reflektieren, die wir kommunizieren wollen und die unsere Absichtlichkeit ausdrücken.

„Als Akteure sorgen sich die Individuen darum, den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass sie viele Regeln befolgen, die man bei ihnen anwenden kann, um sie zu verurteilen.“

Erving Goffman

Das öffentliche Bild, das wir abgeben

Das heißt, dass jedes Individuum laut den theoretischen Parametern von Goffman seine Beziehungen mit dem Versuch verwaltet, dass sie im Sinne des öffentlichen Bildes sind, das sie gern projizieren möchten. Auf diese Weise entstehen eigene aufeinanderfolgende Projektionen, die auf die eine oder andere Weise bei der Kommunikation mit seinen potenziellen Gesprächspartnern präsent sein werden.

Um das besser zu verstehen, könnten wir sagen, dass wir gefallen und bei anderen nicht anecken wollen. Dafür kreieren und projizieren wir ein Bild, von dem wir denken, dass es das Beste von uns sei, in Richtung dieser Person.

In den Augen von Psychologen, wie Rafael Ramírez Lago, eignen sich diese Theorie und ihre Beispiele hervorragend dazu, um Projektionen zu studieren, die wir in unseren sozialen Netzwerken verwenden. In diesem Sinne könnte man sagen, dass wir eigenen Präsentationsweisen erschaffen wollen, die durch Videos und Fotos ein positives Bild von uns zeigen, die unser Glück veranschaulichen.

Masken einer Frau

Die Theorie der sozialen Interaktion erklärt somit die verschiedenen Rollen, die wir gemäß der Nachfrage jeder einzelner unserer sozialen Interaktionen und dem Bild, das wir projizieren möchten, einnehmen. Auf diese Weise würden wir uns Vorteile verschaffen, ein gutes soziales Ansehen erhalten und letztendlich unseren Platz in der Welt finden wollen.

Repräsentationen als Selbstreflexion

Doch für Goffman führt diese Art von Interaktionen zu Repräsentationen als Selbstreflexion. Solche Repräsentationen würden nie die wirkliche Identität vermitteln, sondern nur die erträumte, erwünschte oder begehrte Identität.

Das heißt, dass man den Menschen auch als eine Art öffentlicher Beziehungen zu sich selbst sehen könnte. Wir benutzen unsere Interpretation als Marketing-Kampagne, um anderen die beste Seite von uns zu zeigen.

„Als Akteure, die wir sind, handeln wir mit Sittlichkeit.“

Erving Goffman

Zuletzt möchten wir noch anführen, dass die Theorie über die soziale Interaktion von Goffman recht statisch ist und einige Fragen aufwirft: Sind wir wirklich so? Konzentriert sich unsere soziale Welt auf das Bild, das wir projizieren wollen? Sind soziale Netzwerke ein Überträger der Theorie?

Ich habe keine Antworten auf diese Fragen. Aber 2 Milliarden Menschen, die ein Facebook-Profil haben, von denen die meisten ein positives Bild vermitteln, sind vielleicht ein Beweis dafür, dass dieser Psychologe mit seiner Theorie auf dem richtigen Weg war.

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