Facundo Cabral über Traurigkeit und Ablenkung

· 27. Dezember 2016

Argentiniens Songwriter und Schriftsteller Facundo Cabral galt als bedeutendster Folksänger Lateinamerikas und war bekannt für seine tiefsinnigen Gedanken und Ausdrücke. Mittels Satire, Anarchismus, Gesellschaftskritik und Optimismus schickte er warmherzige Botschaften in die Welt. In seinen Texten zitierte er Whitman, Borges, Atahualpa Yupanqui, Jesus, Mutter Teresa und Krishnamurti.

Eines seiner berühmtesten Werke heißt Du bist nicht depressiv, du bist abgelenkt.  In diesem Werk beschäftigt sich Cabral mit Traurigkeit, einem Leiden, das uns alle belasten kann. Traurigkeit manifestiert sich als eine Form von Blindheit, die uns davon abhält, uns an dem Reichtum und der Schönheit der uns umgebenden Welt zu erfreuen.

„Die Suche nach Glück ist nur ein weiterer Vorwand, um noch unglücklicher zu sein.“

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Abgelenkt vom Leben

Er lädt er uns dazu ein, uns selbst zu hinterfragen, in dem er folgende Frage an uns richtet: „Abgelenkt vom Leben, das in dir steckt… Du hast ein Herz, einen Verstand, eine Seele, einen Geist; wie ist es dann möglich, dass du dich arm und unglücklich fühlst? Abgelenkt von dem Leben, das dich umgibt, von Delfinen, Wäldern, Ozeanen, Bergen, Flüssen…“

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Er betont: „Mach dich nicht zum Opfer, so wie dein Bruder, der wegen einer Person leidet, obwohl es Milliarden andere auf dieser Welt gibt. Es ist nicht schlimm, allein zu leben. Mir geht es gut damit und ich kann zu jeder Zeit selbst entscheiden, was ich tun möchte. Und dank meines Alleinseins kenne ich mich selbst, was fundamental für das Leben ist.“

Darüber hinaus erklärt er: „Aus diesem Grund denkst du, du hast etwas verloren. Aber das ist unmöglich, weil dir alles in diesem Leben gegeben wurde. Du hast kein einziges Haar auf deinem Kopf erschaffen. Somit kannst du nicht Eigentümer von irgendetwas sein. Das Leben nimmt dir nichts weg, es befreit dich von Dingen, es macht dich leichter, sodass du höher fliegen kannst, sodass du Ganzheit erlangen kannst.“

Die Großzügigkeit von Facundo Cabral

Facundo Cabral war ein Mann, der seine Erfahrungen mit Scharfsinn und einer Portion Sarkasmus vermittelte. Seine Zuhörer waren begeistert, denn er gab ihren Leben, begründet und aufrecht, eine neue Richtung.

Cabral machte deutlich, dass das Leben in erster Linie eine Erfahrung ist, aus der man lernt: „Von der Wiege bis zu Bahre ist das Leben eine Schule. Darum sind jene Dinge, du du Probleme nennst, Lektionen. Das Leben hat seine Dynamik, es ist in ständiger Bewegung. Aus diesem Grund solltest du deine Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Gegenwart richten. Es gibt so Vieles, an dem wir uns erfreuen können, und unsere Lebensreise ist so kurz, dass das Leiden eine Verschwendung der Zeit ist.“

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Er verweist auf den Tod in folgender Weise: „Du hast nicht jemanden verloren. Die Person, die von uns gegangen ist, ist lediglich vorausgegangen, dahin, wo wir alle hingehen werden. Und das Beste von ihr, ihre Liebe, bleibt in deinem Herzen. Es gibt keinen Tod, nur ein weiterziehen, und wunderbare Menschen erwarten dich auf der anderen Seite: Gandhi, Michelangelo, Whitman, Saint Augustine, Mutter Teresa, deine Großmutter, meine Mutter, die glaubte, dass wir durch Armut der Liebe am nächsten sein können, denn Geld lenkt uns von zu vielen Dingen ab.“

Wie man Glück findet

Facundo Cabral war ein Apostel der Liebe, der seine Zwietracht mit der Obrigkeit von den Hausdächern predigte. Er war ein wahrhafter Pazifist, der Gewalt niemals als Lösung für irgendetwas verstand, mit einem Gemüt, allein und glücklich, begleitet von guter Literatur und guter Musik, das seine eigenen Kreationen erschuf.

Er unterstützte die Idee, seinem Herzen zu folgen: „Du kannst Glück nicht finden und dennoch ist es so einfach! Du musst lediglich auf dein Herz hören, bevor dein Verstand eingreift. Der Verstand ist mit Erinnerungen konditioniert, was alles erschwert, was mit Vergangenem zu tun hat, mit den Umgangsweisen aus vergangenen Zeiten, mit Vorurteilen, die verderben und einkerkern. Der Geist ist gespalten, verarmt; dann wird der Geist das Leben, so wie es ist oder so wie es sein sollte, nicht akzeptieren. Tu nur das, was du liebst und du wirst glücklich sein.“

Er brachte vor, Glücklichsein sei ein Recht: „Schließe Frieden mit dir selbst, stelle dich vor den Spiegel und besinne dich, dass die Gestalt, die du vor dir siehst, ein Werk Gottes ist. Entscheide dich hier und jetzt, glücklich zu sein, denn Glück und Zufriedenheit eignen wir uns an, sie sind nicht etwas, was von außen auf dich zukommt. Glücklichsein ist kein Recht, es ist ein Muss, denn wenn du nicht glücklich bist, dann machst du alles um dich herum bitter.“

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Andere Lehren

Seine Haltung gegenüber unheilbaren Krankheiten war folgende: „Wenn du an Krebs oder AIDS leidest, können zwei Dinge geschehen, welche beide gut sind. Wenn die Krankheit gewinnt, wird es deinen Körper befreien, welcher verärgert ist: ich bin hungrig, mir  ist kalt, ich bin müde, ich möchte, ich habe Recht, ich habe Zweifel. Und wenn du gewinnst, wirst du umso demütiger sein, dankbarer, und deswegen eher glücklich, frei von der enormen Last aus Schuld, Verantwortung und Eitelkeit, bereit, jeden Moment intensiv zu leben, so wie es sein sollte.“

Über das innere Licht sagte er: Angst lenkt uns von der Liebe ab, die weise und mutig ist, denn sie weiß, es gibt keinen Messwert oder ein Ende. Richte deinen Blick nach innen und die Wolken werden schwinden. Schweige und höre auf die Weisheit, die in dir ist. Wenn dein inneres Licht brennt, kann es nichts und niemand löschen. Es ist vollkommen und unzerstörbar wie Gold, was die Kraft der Reinheit symbolisiert; so wie das, was wesentlich ist, kurz, unser Geist. Es ist eine unendliche und wunderbare Reise, denn dein Geist platzt jedes Mal vor Freude, wenn du tiefsinnig lebst.“

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Zu Ego und Unschuld sagte Facundo Cabral: Wunder geschehen, wenn du dein Ego aufgibst. Dann, ohne Widerstand, wirst du deine natürlichen Kräfte wiedererlangen. Auf diese Weise kann man Liebe zum Leben erwecken, bis du auf dem Wasser gehst und mit Worten heilst. Das Ego gibt den Dingen einen Namen, aber die Unschuld kann sie sehen; das Ego richtet über sie, aber die Unschuld lebt sie; das Ego spaltet, die Unschuld hingegen versöhnt Unterschiede; das Ego ist vom Verstand abhängig; die Unschuld ist abhängig vom Herzen.“

Nun hast du alle Teile und alles, was am Ende übrig bleibt, um die Herausforderung anzunehmen: Jetzt, wo du allein und besonnen bist, vergiss, wer du bist, denn das ist eine Kreation anderer, und höre auf dein Herz. Was möchtest du sein? Was möchtest du jetzt zu diesem Zeitpunkt tun? Denn das Leben passiert genau jetzt.“