Es liegt nicht an dir, sondern an mir – ohne dich bin ich vollkommen

· 16. Dezember 2015

Wie oft haben wir uns von Personen angezogen gefühlt, die unsere Liebe nicht erwiderten oder von Menschen, die uns auf eine Art und Weise liebten, wie wir sie nicht wollten und auch nicht verdienten. Und sie haben uns die Luft zum Atmen genommen – sie haben uns alles genommen, ohne im Gegenzug etwas zu geben.

Wie oft haben wir uns schon von jemandem abhängig gemacht, gerade so als bräuchten wir einen äußeren Einfluss oder Grund, um unseren Lebenswillen wiederzufinden. Als würde die Existenz einer anderen Person unseren eigenen Motor am Laufen halten.

Wie oft haben wir uns schon in unser Schneckenhaus zurückgezogen, weil die Person, die wir zu kennen glaubten und die wir über alles liebten, uns abermals enttäuschte.

Wie oft haben wir uns schon vorgeworfen, dass wir an einer Trennung schuld waren, weil wir nicht gut genug wussten, wie wir diese Beziehung führen sollten, oder weil wir nicht wussten, wie wir unserem Partner zeigen sollten, wie wir wirklich sind. Wir haben gedacht, dass wir perfekt sein müssten oder vorgeben sollten, jemand zu sein, der wir eigentlich nicht sind.

Wie oft haben wir uns mit anderen verglichen, die uns unserer Meinung nach komplett in den Schatten stellten. Als wären wir nicht unser eigenes Beispiel, dem wir folgen sollten.

Wie oft?! Wie oft haben wir schon diesen zerschmetternenden Satz gehört: Ich würde mir wünschen, das alles wie früher wäre.

Denn es liegt nicht an dir, sondern an mir…

Aber natürlich liegt es an mir. Ich bin derjenige, der gelernt hat, nicht hier zu sein, wenn ich nicht gesucht werde; mich nicht zu opfern, wenn ich im Gegenzug rein gar nichts erhalte; nicht mehr zu geben, als mir jemand zeigt zu verdienen. Ich bin die Person, die verstanden hat, dass man Dinge nicht erzwingen kann, weil sie sonst an Wert verlieren, nicht mehr gelingen wollen oder für immer nur das bleiben, was sie sind.

Ich bin es, der tanzen, lachen, bedingungslos und ohne Entschuldigungen leben will. Ich bin derjenige, der gelernt hat, dass ich erst wissen muss, wer ich eigentlich bin, was mir wichtig ist und wohin ich gehen will, bevor ich mir über dich Gedanken machen kann.

Bevor ich etwas geben kann, muss ich mich erst um das zu Gebende kümmern. Ich muss erst allein gehen können, um ein guter Weggefährte zu sein.

Denn im Leben geht es letztendlich darum, Prioritäten zu setzen. Und wir können nicht leben, wenn wir uns nach den Prioritäten einer anderen Person richten. Wir können unser Glück nicht nach den Vorstellungen unserer Mitmenschen ausleben. Sie können uns genauso wenig vervollständigen wie wir sie.

Wir suchen in unserem Leben nicht nach einem Partner, um uns vollkommen zu fühlen, denn das können nur wir allein. Wir sind auf der Suche, weil wir unseren Horizont öffnen wollen, um anderen etwas zu geben und um uns von ihnen und uns durch sie bereichern zu lassen, um Unbekanntes zu erfahren.

Frei sein

Du solltest dir niemals vornehmen, in einer anderen Person das zu finden, was du bei dir selbst nicht findest. Du darfst nicht daran glauben, dass andere entdecken, wer du bist, wenn du selbst nicht in der Lage bist, dich weiterzuentwickeln. Du solltest immer nach dem suchen, was dich in Wahrheit vervollständigt, und du solltest nie aufgeben, deine Träume zu verwirklichen.

Wir werden dazu erzogen, die Erwartungshaltung anderer an uns selbst gerecht zu werden, um anderen zu gefallen, um den Idealen der Mehrheit zu entsprechen. Uns wird beigebracht, dass wir uns dazu verpflichtet fühlen sollen, eine feste Bindung mit jemandem einzugehen, um die Erfüllung des Lebens zu finden.

Doch das Kleingedruckte hat uns niemand erklärt. Und im Kleingedruckten steht, dass du niemanden lieben kannst, wenn du dich nicht selbst liebst, nicht selbst mit dir im Reinen bist oder nicht dazu fähig bist, die Mauer zu überwinden, die dich am Weiterkommen hindert.

Zuallererst solltest du du selbst sein, und erst danach solltest du das machen, was zu dir passt und dich vervollständigt. Das ist kein Egoismus, sondern Kohärenz. Wenn du andere in deine Welt hineinlässt, dann solltest du wissen, was dich vollkommen macht und was deine Welt bereichern kann. Wenn du nicht weißt, wonach du suchst, wirst du nicht zu schätzen wissen, was du findest.

Es geht im Leben nicht darum, seinen Mitmenschen immer eine Nase voraus zu sein, sondern es geht darum, Herr über sein eigenes Leben zu sein, damit uns das Gefühlschaos nicht erblinden lässt, wenn es an der Zeit ist, unseren Weg weiterzugehen.

Genau aus diesem Grund liegt es nicht an dir, sondern an mir. Ich bin derjenige, der verstanden hat, dass wir Menschen nicht brauchen, aber sie lieben. Ich weiß nun, dass ich die Luft zum Atmen weiterhin brauche, um allein leben zu können.

Ich bin es, der sich nicht für jemand anderen ändern will. Denn ohne dich, bin ich immer noch ich.

Und ohne dich bin ich vollkommen.