Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen (CBT-E)

Essstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Störungen, doch es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Wir sprechen heute über eine sehr effiziente Therapie.
Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen (CBT-E)
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 04. Dezember 2022

Langfristige Statistiken zeigen eine Zunahme von Essstörungen, was seit Beginn der Pandemie besonders deutlich wurde. Rund 20 Prozent der elf- bis 17-Jährigen entwickeln auffälliges Essverhalten, wobei Mädchen deutlich häufiger davon betroffen sind. Es handelt sich um ein ernstes Problem, das Aufmerksamkeit erfordert. Wir sprechen heute über die Erweiterte K ognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen (CBT-E), die sich in der Behandlung von Anorexia nervosa, Bulimie, Binge Eating Disorder u.a. als sehr wirksam erwiesen hat.

Das unrealistische Schönheitsbild, das in Medien vermitteln, fördert selbstschädigendes Verhalten.

Mädchen mit Esstörung benötigt Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen (CBT-E)
Manche Kinder entwickeln bereits im Alter von acht bis neun Jahren Essstörungen.

Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen (CBT-E)

Unsere Gesellschaft fördert die fortschreitende Ablehnung des eigenen Körpers, die Medien spielen dabei eine wesentliche Rolle. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass das unrealistische Schönheitsideal bei jungen Menschen zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Erscheinungsbild führt. Sie vergleichen ihr Aussehen, ihre soziale Position und ihre Intelligenz mit ihren Vorbildern, wobei die anderen immer als attraktiver wahrgenommen werden (Aufwärtsvergleich).

Diese verderbliche Erzählung, die in sozialen Netzwerken, im Kino und in der Werbung verbreitet wird, führt dazu, dass junge Menschen ihr Selbstwertgefühl verlieren. Bei dem Versuch, den idealen Körper zu erreichen und den realen zu vernachlässigen, entwickeln sie eine ganze Reihe von schädlichen Verhaltensweisen: eingeschränkte Kalorienzufuhr, Konsum von Abführmitteln, selbst herbeigeführtes Erbrechen, Selbstverletzung, Essanfälle bis zu einer perfektionistischen Persönlichkeit.

Die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie (CBT-E) ist derzeit die effektivste und am besten strukturierte Ressource für alle Arten von Essstörungen. An mehreren Universitäten durchgeführte Untersuchungen zeigen, dass die CBT-E bessere Ergebnisse erzielt als die klassischere kognitive Verhaltenstherapie.

Geschichte und vorgeschlagene Ziele

Die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie ist eine transdiagnostische psychologische Behandlung, das bedeutet, dass sie sich für alle Arten von Essstörungen eignet. Es war Dr. Christopher Faiburn, der 2008 einen umfassenden Leitfaden für die Praxis dieser Therapie veröffentlichte.

Zunächst richtete sich dieses Strategie nur an Erwachsene, die in Krankenhäuser eingewiesen wurden. Da die Ergebnisse sehr positiv waren, wurde ein weiterer Schritt unternommen: die Anpassung des Leitfadens für ambulante Patienten und für die pädiatrische Bevölkerung.

Das Ziel dieser Behandlung ist, die Kernsymptome der Essstörung wie verzerrte Gedanken über das Körperschema, das Gewicht oder den Perfektionismus zu behandeln. Es geht darum, die Betroffenen allmählich zu einem gesünderen Verhalten zu veranlassen.

Die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie ist keine “Einheitslösung” für alle. Jede Person erfordert einen individuellen Ansatz, der die konkreten Probleme berücksichtigt.

Wie funktioniert die Behandlung?

Die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie ist sehr individuell. Sie beginnt mit einem ersten Gespräch, um das Krankheitsbild der betroffenen Person zu ermitteln. Die Therapie dauert in der Regel 20 Wochen, in denen 20- bis 50-minütige Sitzungen abgehalten werden. Befindet sich die Person in einer extremen Lage (z. B. sehr niedriges Körpergewicht), kann die Intervention bis zu 40 Wochen dauern.

Die betroffene Person sollte selbst die Entscheidung treffen, an der Therapie teilzunehmen, um ein gesundes Gewicht wieder herzustellen und die Kontrolle über ihr Leben zurückzuerlangen.

Das Ziel der Behandlung ist die Genesung, wobei alle Aspekte angesprochen werden, die die Essstörung verstärken und prägen. Es geht also darum, einen normalen Body-Mass-Index (BMI) zu erreichen und gesündere Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen zu entwickeln.

Zielgerichtete Gesprächstherapie

Der Patient muss verstehen, wie seine Gedanken seine Gefühle und damit sein Verhalten beeinflussen. Er muss erkennen, wie sein mentaler Fokus verzerrte Überzeugungen und Schmeata verstärkt, die ihn zu gestörtem und schädlichem Verhalten treiben.

Die psychotherapeutische Beziehung beruht in dieser Intervention auf Gesprächen und konzentriert sich progressiv auf die erzielten Erfolge. Deshalb setzt der Psychologe Ziele, die der Patient jede Woche erreichen soll. Das bedeutet, dass die Person, die an Bulimie, Magersucht oder Binge-Eating-Störung leidet, ein Tagebuch führen sollte, um ihre Essgewohnheiten, Gedanken und Gefühle in der Zeit zwischen den Sitzungen festzuhalten.

Ein Vier-Stufen-Modell

Die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie zeichnet sich durch ihre Struktur und die Ziele aus, die bei jedem Schritt erreicht werden sollen. Es gibt vier Stufen, von denen sich die ersten beiden auf den gegenwärtigen Moment und die letzten beiden auf die Zukunft konzentrieren. Dafür gibt es eine Erklärung. In den vorherigen Phasen konzentriert sich die Arbeit intensiv auf die Prozesse, die die Essstörung verstärken.

Das Ziel in diesen ersten beiden Phasen ist es, sowohl die täglichen Gedanken und Stimmungen als auch das Essen selbst zu verbessern. Daher konzentriert sich die therapeutische Strategie in den Schritten drei und vier auf die Zukunft und darauf, diesen gesunden Lebensstil beizubehalten und vor allem darauf, wie man mit eventuellen Rückschlägen umgehen kann. Die Rückfallvermeidung ist ein weiteres zentrales Ziel dieser Therapie.

Die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie hilft bei Essstörungen
Das Ziel der CBT-E ist, die Patienten dazu zu bringen, selbst zu entscheiden, ihre Gesundheit zu verbessern, anstatt diese Entscheidung aufzuzwingen.

Mehr Ressourcen für die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie

Die Erweiterte Kognitive Verhaltenstherapie ist die erste Wahl bei der Behandlung von Essstörungen. Wie bereits erwähnt, sind die Erfolgsquoten hoch, aber es gibt natürlich auch komplizierte Fälle, die ein spezialisiertes stationäres Behandlungsprogramme erfordern.

Ein wesentlicher Aspekt ist die Notwendigkeit, mehr Mittel und Ressourcen bereitzustellen, um sicherzustellen, dass Betroffene eine spezifische Behandlung erhalten. Wir können auch nicht übersehen, wie wichtig es ist, unsere jungen Menschen zu Selbstbewusstsein, Akzeptanz ihrer eigenen Körperform und zu kritischem Denken zu erziehen, um sich nicht von der Tyrannei des realitätsfremden Schönheitsideals mitreißen zu lassen.

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