Erwarte nichts von niemandem – erwarte alles von dir

· 7. Dezember 2015

Von Zeit zu Zeit haben wir bestimmten Personen gegenüber eine hohe Erwartungshaltung. Das lässt sich einfach nicht vermeiden und diese Angewohnheit hat jeder von uns, mal mehr, mal weniger. Wir denken beispielsweise, dass uns unser Partner bedingungslos bei allem unterstützen sollte, was wir uns vornehmen; wir erwarten von unserer Familie oder unseren Freunden, dass sie all unsere Probleme lösen und immer da sind, wenn wir sie brauchen.

Von unserem Umfeld viel zu erwarten, kann unter Umständen auch ein zwanghaftes Verhalten sein, wodurch wir unsere Mitmenschen moralisch dazu verpflichten, dass sie uns unsere Wünsche erfüllen. Doch damit grenzen wir ihre Entscheidungsfreiheit ein, obwohl wir in Wahrheit diese Erwartungen nicht Anderen gegenüber sondern an uns selbst haben sollten.

An sich selbst wachsen

Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens damit, auf die Erfüllung bestimmter Dinge und auf Menschen zu warten, die gemäß unseren Vorstellungen handeln. Aber uns ist oftmals nicht bewusst, dass die Worte „warten“ und „erwarten“ Synonyme zu „wünschen“ sind – und dahinter verbirgt sich eine kleine manipulative Taktik.

Es ist immer besser, wenn die Personen, die unser Leben begleiten, frei nach ihrem Willen entscheiden und handeln. Wenn sie etwas für uns tun, dann aus dem einfachen Grund, weil sie dies unbedingt und von ganzem Herzen für uns machen möchten, und wir sind dann dankbar dafür. Doch wenn sie sich nicht entsprechend unseren Erwartungen verhalten, dann sollte uns das weder beunruhigen noch verärgern.

Wir müssen alles von uns selbst erwarten, denn nur wir selbst sind dazu in der Lage, unsere Probleme zu lösen, ohne Anderen diese aufzubürden. Wir selbst sollten uns unseren Ängsten stellen und nicht den Schutz bei anderen suchen.

In diesem Artikel möchten wir heute mit euch dieses Thema einmal näher betrachten.

Die gefährliche Macht der Erwartungen

„Erwarte nichts von niemandem – erwarte alles von dir.“  Du hast dich bei dieser Aussage vielleicht gefragt, wie das gemeint ist. Doch wir sind uns sicher, dass du dich irgendwann einmal in einer Situation wiedergefunden hast, in der diese Vorstellung sehr gut das Geschehene beschrieb. Jeder von uns gestaltet jeden Tag irgendwelche Erwartungen. Und in diesen Erwartungen steckt ab und an auch ein kleines bisschen Illusion.

Erwartungshaltung

Du hast vielleicht ganz bestimmte Erwartungen an deinen Partner: er soll immer bei dir sein, er sollte dir jeden Wunsch von den Augen ablesen können und du solltest immer an erster Stelle kommen. Doch auf einmal steht die Ferienplanung kurz bevor und dein Partner teilt dir mit, dass er dieses Jahr gern einmal mit seinen Freunden verreisen möchte. Ein Teil von dir ist sehr enttäuscht, denn ein kleiner Teil deiner Erwartungen ist urplötzlich zerstört worden und nun weißt du nicht, wie du mit dieser Situation umgehen sollst.

Bedeutet das nun, dass dich dein Partner nicht liebt? Natürlich nicht. Es geht hauptsächlich darum, dass du ein idealistisches Bild vor Augen hattest, welches nun zu bröckeln beginnt. In diesem Fall lag das Risiko bei dieser gewissen Erwartungshaltung, die du vorzeitig an deinen Partner hattest, und die sehr zukunftsbezogen war, die dich aber jetzt in der Gegenwart einholt.

Uns Menschen ist es angeboren, Zukunftspläne zu schmieden und Vermutungen über Andere mithilfe von Aussagen wie „ich erwarte …“, „ich wünsche mir, dass …“  anzustellen. Und wenn uns dann das Leben oder unsere Mitmenschen einen Strich durch die Rechnung machen, dann zerplatzt unsere Vorstellung wie eine Seifenblase und Enttäuschung macht sich breit. Weißt du eigentlich, woher diese Enttäuschung in den meisten Fällen kommt? Wir schmieden Pläne, bei denen wir zu konkrete Erwartungen und Hoffnungen haben, die generell zu hoch oder einfach zu groß sind.

Nimm alles so hin, wie es kommt. Dadurch ist die Enttäuschung geringer. Und wenn du nicht zu hohe Erwartungen und übertriebene Vorstellungen hast, dann kannst du Anderen ihren freien Willen gewähren. Erwarte alles von dir selbst, denn nur du entscheidest, wie dein eigenes Leben aussehen sollen.

Verabschiede dich von der Gewissheit und akzeptiere das Ungewisse

Wir wissen alle, dass es schwer fällt und es nicht einfach ist, zu akzeptieren, dass sich das Leben ändern kann; dass derjenige, der dich heute liebt, dich morgen vielleicht nicht mehr braucht; dass derjenige, der dich heute unterstützt, morgen dein größter Feind sein kann. Doch wie können wir mit so viel alltäglicher Ungewissheit leben und umgehen?

Annahme und Akzeptanz

Nur du allein bist dafür verantwortlich, das Gleichgewicht zu halten und in deinem eigenen Leben selbst dein Fels in der Brandung zu sein. Du kannst als Erstes immer nur dir selbst vertrauen, und du bist derjenige, welcher dich von deinen Ängsten befreit und die Leere aus deinem Leben nimmt. Bürde niemand anderem das Laster auf, deine Probleme für dich zu lösen oder ein Sklave deiner Erwartungen zu sein, nur aus Angst, dich selbst irgendwann einmal enttäuschen zu können.

Lass deinem Umfeld seine Freiheiten und verpflichte es nicht moralisch zu etwas. Erlaube deinen Mitmenschen, Dinge für dich zu tun, wenn sie es möchten, und wenn sie es nicht tun, dann bestrafe sie nicht oder verstecke dich vor ihnen – leben und leben lassen. Sei du der Mensch, der du sein möchtest. Lerne, dich sicher und reif in dieser Welt zu bewegen, indem du der Schmied deines eigenen Glücks bist und Rücksicht auf andere nimmst. Erwarte alles von dir und lebe in vollkommener Harmonie mit deinen Mitmenschen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Viccolatte