Erlernte Hilflosigkeit: der Stein, der uns auf den Grund des Brunnens zieht

· 22. April 2019

Die erlernte Hilflosigkeit ist ein relativ neues Konzept in der Psychologie. Wegen ihrer Bedeutung bei so weitverbreiteten Erkrankungen wie Depressionen wird sie jedoch zunehmend häufiger zitiert. Aber was ist erlernte Hilflosigkeit? Nun, es ist in der Tat ein Lernprozess, während dessen man sich selbst überzeugt, nicht die Mittel zu haben, um sich zu verteidigen. Wer von jener Hilflosigkeit regiert wird, die in Bezug auf einen Lebensbereich oder global erlernt wurde, versteht, dass er nicht über die notwendigen Werkzeuge verfügt, um kompetent zu handeln.

Wir sind soeben von „verteidigen“ zu „kompetent sein“ übergegangen, obwohl das nicht dasselbe ist. Tatsächlich können wir die wahrgenommene Fähigkeit, uns selbst zu verteidigen, als eine der vielen wahrgenommenen Kompetenzen verstehen, über die wir verfügen können. Warum aber haben wir dann von Verteidigung gesprochen? Weil es der Kontext ist, in dem die erlernte Hilflosigkeit am besten untersucht ist.

Schauen wir mal, wie diese Untersuchungen angefangen haben. Bruce Overmier und Martin Seligman waren die ersten, die dieses Konzept beschrieben. Ihre Studien konzentrierten sich auf die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen klassischer Konditionierung und aversiver Instrumentalkonditionierung. Durch ihre Experimente erkannten sie, dass Hunde nicht in der Lage waren, nach einem konkreten Zustand eine einfache Vermeidungsreaktion zu erlernen. Dieser Zustand war nichts anderes, als elektrischen Schocks ausgesetzt zu sein, denen sie nicht entkommen konnten.

So hatten die Hunde in der ersten Phase des Experiments gelernt, dass sie keine Kontrolle über die Entladungen hatten, weshalb sie ihren Fokus auf andere Elemente gerichtet hatten: Warum sollten sie weiter versuchen, zu fliehen, wenn sie bereits erfahren hatten, dass sie es nicht konnten? Jorge Bucay greift in einer seiner berühmtesten Geschichten dieselbe Idee auf: wie vergangene Erkenntnisse unser gegenwärtiges und zukünftiges Verhalten beeinflussen.

Die erlernte Hilflosigkeit im Menschen

Die erlernte Hilflosigkeit hat den Vorteil – wenn wir vom Standpunkt des Untersuchers ausgehen -, dass sie den Menschen relativ einfach eingeimpft werden kann, im Rahmen von Experimenten, die ethisch vertretbar sind. Dies hat es Wissenschaftlern aus aller Welt ermöglicht, sie in einem kontrollierten Kontext zu untersuchen. So wissen wir heute, wenn wir zwei Gruppen von Probanden Listen von Buchstaben überreichen, um sinnvolle Wörter zu bilden, diese sehr unterschiedliche Leistungen erbringen, wenn eine der Gruppen zuvor die gleiche Aufgabe hatte und aufgrund ihrer Schwierigkeit keine Liste lösen konnte.

In diesem Fall gibt es keine elektrischen Schocks, es gibt keinen aversiven Stimulus, aber wir sehen weiterhin, wie uns eine frühere Erfahrung angesichts einer zukünftigen Herausforderung, die wir ohne diese vorherige Lernerfahrung bewältigen könnten, unserer Problemlösefähigkeit berauben kann. Um auf unser Beispiel zurückzukommen: Menschen, die eine halbe Stunde lang versucht haben, ein Wort auf verschiedenen Listen zu finden, lernen, dass sie vor einer Herausforderung stehen, die sie nicht bewältigen können. Sie fangen dann an, Ressourcen zu sparen, um sie in spätere Aufgaben zu investieren.

So werden sie in dieser Position der minimalen Investition von Ressourcen auch nicht in der Lage sein, die leicht lösbaren Listen zu bewältigen. Tatsächlich sind sie eine Zeit lang nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen, in einer Position der Hilflosigkeit. Genau wie die Hunde, die den Entladungen nicht zu entkommen versuchten.

Andererseits sehen wir, wie wir der Gruppe, die den Kopf hängen lässt, aushelfen können, wenn wir sie aus dieser Position der Hilflosigkeit befreien. Aber wie? Indem wir den Probanden beispielsweise sagen, dass etwa die Schwierigkeit der Übungen abgenommen habe. Wir können ihnen auch sagen, dass wir gesehen haben, dass auch andere Gruppen nur langsam Wörter finden konnten. Aus dieser günstigeren Position heraus werden sie dann versuchen, die Kontrolle zurückzugewinnen.

Die erlernte Hilflosigkeit im Zusammenhang mit Depressionen

Ungeachtet aller Unterschiede geschieht bei vielen Fällen der Depression etwas Ähnliches. Der Betroffene hat aufgehört, nach Monaten hinter verschlossener Türe, nach Arbeit zu suchen. Er hat aufgehört, mit Freunden auszugehen, nachdem er mehrere negative Erfahrungen im sozialen Kontext gesammelt hat. Er hat mit … aufgehört, weil er gesehen hat, gelernt hat, dass er die Situation nicht ändern kann. Er hat verstanden, dass das Ergebnis von Arbeit und Bemühung das gleiche ist wie das von Stillstand und Nichtstun.

Dieses Lernen hat seinem Selbstkonzept geschadet. Weil der Betroffene sieht, dass das, was mit ihm passiert, immer dasselbe ist, überzeugt er sich schließlich, dass seine Unwirksamkeit mit einer eigenen (inneren) Eigenschaft zu tun habe: Mangelnde Intelligenz, mangelnde Attraktivität, mangelnder Wert. Dann, abgesehen davon, dass er keine Maßnahmen zur Änderung der Situation ergreift, beginnt er, sich sehr schlecht zu fühlen. Mit anderen Worten, auch sein Selbstwertgefühl hat begonnen, zu leiden.

Von diesem Moment an sucht er nicht länger nach Lösungen, nach Nachschub. Er fühlt sich nicht in der Stimmung, etwas zu tun. Er fühlt, dass das Gewicht, das er trägt, zu groß sei und die Lichter ausgehen. Er spürt, dass es nur einen Ausweg gibt, nämlich den, den Zustand zu akzeptieren. Das Problem dabei ist, dass sie dazu einen internen Dialog führt, der sie immer weiter in Richtung Grund des Brunnens zieht.

Wie wir sehen können, ist erlernte Hilflosigkeit nicht das, was uns fallen lässt, was uns unserer Freiheit beraubt. Nein, es ist das Gift, das unser mentales Fundament angreift, es zum Zusammenbruch bringt und in der Folge versenkt. Gerade wegen der Komplexität der Faktoren und der besonderen Handlungsweise jedes einzelnen Betroffenen ist es empfehlenswert, bei Verdacht auf Depressionen die Hilfe eines Spezialisten in Anspruch zu nehmen.

  • Seligman, M. (1991). La indefensión aprendida. Debate.