Erfahre hier alles über den Zuschauereffekt (Genovese-Syndrom)

31. August 2019
Erfahre hier, warum es unwahrscheinlich ist, dass du Hilfe erhältst, selbst wenn viele Menschen in der Nähe sind. Der Grund dafür ist der Zuschauereffekt (Genovese-Syndrom).

Der Zuschauereffekt, auch als Genovese-Syndrom bekannt, ist ein Begriff, mit dem wir das psychologische Phänomen beschreiben, bei dem Menschen nicht helfen, sondern wie gelähmt sind. Obwohl die Situation ein schnelles Eingreifen erfordert und Menschen angesichts einer Gefahr Hilfe benötigen, bleiben sie untätig. Das klingt wirklich komisch, oder?

Der im Englischen häufiger anzutreffende Name des Zuschauererffekts „Genovese-Syndrom“ stammt von einem Verbrechen, das 1964 in den USA begangen wurde, als ein Mann vor Dutzenden von Zeugen eine Frau namens Kitty Genovese vor ihrer Wohnung erstach. Niemand tat etwas, um zu helfen.

Es war ein solcher Schock, dass die Sozialpsychologie seit 1968 versucht, einen Grund dafür zu finden. Warum hat keiner dieser umherstehenden Menschen ihr geholfen? Die Forschung kam zu einem traurigen Ergebnis. Je mehr Zeugen es bei Straftaten oder gefährlichen Ereignissen gibt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie helfen und umgekehrt. Je weniger Zeugen, desto größer sind also deine Chancen.

Ein Bild, das Kitty Genovese zeigt, die Frau, deren Mord den Begriff "Bystander-Effekt" inspirierte, von Kopf bis Fuß.

Zuschauererffekt (Genovese-Syndrom)

Der Mord an Kitty Genovese ereignete sich am 13. März 1964 in New York. Es hat immer Beispiele für die Einsamkeit von Menschen gegeben, die in großen Städten leben und wie wenig Interesse sie aneinander haben. Aber dieser Fall war ein unangenehmes Zeichen für die dunkle Seite dieser Apathie, die in Großstädten so häufig ist.

Die Fakten rund um den Zuschauereffekt

Laut Polizeibericht passierte das so: Kitty Genovese war nach einem langen Arbeitstag auf dem Heimweg. Sie parkte in der Nähe ihrer Wohnung. Als sie aus ihrem Auto stieg, rannte ein Mann auf sie zu und stach ihr zweimal in den Rücken.

Ihre Hilferufe wurden von der Einsamkeit der Nacht übertönt. Niemand in der Nähe versuchte, ihr zu helfen. Einige Minuten später floh ihr Angreifer aus der Szenerie und ließ sie dort verwundet zurück.

Nachdem einige Minuten vergangen waren, kam der Angreifer zurück zum Tatort und fand sie auf dem Boden im Eingangsbereich ihres Apartmentgebäudes liegen. Dann erstach er sie noch fast eine halbe Stunde lang.

Einige Minuten nach dem Ende des Angriffs rief ein Zeuge die Polizei an. Als die Sanitäter eintrafen, war es zu spät, um Kitty Genovese das Leben zu retten. Sie starb im Krankenwagen auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die Angreifer von Genovese

Ein paar Tage später gelang es ihnen, den Angreifer Winston Moseley aufzuspüren. Er war Mechaniker mit Frau und drei Kindern. Er wurde von der Polizei unter Druck gesetzt und gestand nicht nur den Mord an Kitty, sondern auch an zwei anderen Frauen.

Seine psychiatrische Untersuchung ergab, dass er nekrophile Neigungen und eine asoziale Persönlichkeit hatte. Für diese Morde wurde er zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt.

Der Mord an Genovese verursachte eine große Unruhe im Land und wurde sofort zu einem kontroversen Thema. Die größte Kontroverse kam jedoch erst dann, als die Öffentlichkeit erfuhr, dass es insgesamt mindestens 38 Zeugen für mindestens einen Teil des Angriffs gegeben hatte.

Mindestens 38 Menschen sahen, was mit ihr geschah, aber keiner von ihnen unternahm etwas, um ihr zu helfen. Niemand rief die Polizei an, bis der Angriff beendet war. Aber warum? Warum hat niemand etwas getan?

Wenn du die Psychologie für einen Moment beiseite lässt und nur darüber nachdenkst, was passiert ist, kannst du an der Art der Gesellschaft, die wir geschaffen haben, den Werten, die wir aufgebaut haben, und den Werten, die wir bereits vergessen haben, wirklich zweifeln.

Der Umriss einer Person, die als Schatten auf eine Wand mit getrocknetem Blut geworfen wird.

Diffusion von Verantwortung

Die Geschichte von Kitty Genovese sorgte für Aufsehen und führte zu unzähligen psychologischen und psychosozialen Studien. John Darley und Bibb Latané untersuchten den Fall bis ins kleinste Detail und entwickelten das Phänomen der Diffusion von Verantwortung.

Dieses Phänomen hängt mit dem Genovese-Syndrom bzw. dem Zuschauereffekt zusammen. In einfachen Worten heißt es im Grunde, dass es weniger wahrscheinlich ist, dass dir jemand in einer Krise hilft, wenn mehr Menschen da sind, als nur wenige.

Die Grundidee dieses Phänomens ist, dass Menschen, die Zeugen von Ereignissen sind, davon ausgehen, dass jemand anderes eingreifen wird. Aber das Problem ist, dass, wenn jeder von dieser Idee ausgeht, niemand wirklich etwas tut. Zu diesem Ergebnis gelangten die beiden Wissenschaftler mit ihrer faszinierenden Sozialstudie.

Hier sind einige der Grundlagen des Phänomens:

  • Die Tatsache, dass jeder, der dort steht, sehen kann, dass keiner hilft.
  • Die Menschen glauben, dass es immer jemanden gibt, der qualifizierter ist als sie selbst, um dem Opfer zu helfen.
  • Sie sind sich unsicher oder fühlen sich verlegen, wenn sie daran denken, dass so viele Leute da sind, um es zu sehen, wenn sie in das Geschehen eingreifen.

Schlussfolgerung zum Zuschauereffekt

Bevor wir fortfahren, möchten wir nur darauf hinweisen, dass du, wenn du darüber nachdenkst, was dieses Phänomen bedeutet, ein Gefühl dafür bekommen sollst, wie gefährlich es für uns sein kann, passiv zu sein und zu bleiben.

Wenn wir als Weltbürger uns dieser Tatsache nicht bewusst sind und nichts dagegen unternehmen, könnte jeder von uns in eine Situation geraten, in der wir nichts tun, um jemandem in Not zu helfen.

Der Zuschauereffekt bzw. das Genovese-Syndrom soll als Lehre für die sozialen Situationen dienen, die du verbessern kannst, damit wir nie wieder solche schrecklichen Dinge zulassen.

  • Gallegos, W. A. (2015). Conducta prosocial y psicología positiva. Avances en Psicología23(1), 37-47.
  • J. M. Darley & B. Latane. (1968). Bystander intervention in emergencies: Diffusion of responsibility. Journal of Personality and Social Psychology 8, 377-383.
  • Manning, R., Levine, M., & Collins, A. (2007). The Kitty Genovese murder and the social psychology of helping: The parable of the 38 witnesses. American Psychologist62, 555-562.