Epiktekus, ein Weise aus der Antike

24. November 2015 en Kuriositäten 1 Geteilt

„Es sind nicht die Dinge, die uns zustoßen, die uns leiden lassen, sondern das, was wir über diese Dinge sagen.“

Mit diesem simplen aber wahren Satz legte Epiktekus von Phrygien, ein stoischer Philosoph, im ersten Jahrhunderts nach Christi den Grundstein der modernen Psychologie. Epiktekus wurde im Jahr 55 in Hierapolis in Phrygien geboren und gelangte als Sklave von Epaphroditus schließlich nach Rom, wo er bis zu seiner Verbannung nach Nikopolis im Jahr 93 eine Ausbildung genoss. In Nikopolis gründete er eine berühmte Schule, der er sich voll und ganz widmete.

Obwohl er ein Sklave war und sein ganze Leben lang Schläge bekommen hatte, war Epiktekus ein glücklicher Mann. Seine Philosophie gründete auf der klaren Unterscheidung zwischen dem Kontrollierbaren und dem Unkontrollierbaren, um so das Veränderbare verändern zu können und das Unveränderbare hinzunehmen. Auf diese Weise sollte Kummer und Unglück gemieden werden.

Epiktekus akzeptierte, dass sich seine Umstände nicht kontrollieren und verändern ließen, sein Verstand jedoch schon. In diesem Sinne hatte er alles in seiner Hand. Daraus schloss er, dass die Dinge nur einen Einfluss auf ihn haben würden, wenn er dies zuließ. Das heißt, positive oder negative Gefühle zu haben hing für ihn nicht von den äußeren Umständen ab, sondern vom eigenen Innenleben, von den eigenen Gedanken über die Umstände.

Die meisten Leute denken, dass es an den Umständen liegt oder an Dingen, die ihnen in ihrem Leben widerfahren sind, wenn sie sich schlecht fühlen, zum Beispiel eine Depression, Angstzustände, Wutanfälle oder Schuldgefühle haben. In Wahrheit ist dies aber meistens nicht der Fall.

Was in Wirklichkeit unseren Gefühlszustand beeinflusst, sind die Art, wie wir die Welt interpretieren, unsere Einstellung, unser Glauben und unsere DenkmusterBestätigen lässt sich dies durch die Beobachtung, dass die gleiche Situation bei jeder Person verschiedene Gefühle auslöst. Wenn es die Situation selbst wäre, die verantwortlich ist für unsere Gefühle, dann müssten alle Personen als logische Folge gleich reagieren, aber dem ist nicht so. Es muss also einen Filter geben, der unseren Gefühlszustand bestimmt.

Kliff Sonnenuntergang

Schauen wir uns ein Beispiel an. Stell dir vor, du befindest dich in einem Bus, du hast keinen Sitzplatz und musst dich deshalb stehend an der Haltestange festhalten. Plötzlich bekommst du von hinten einen heftigen Schlag. Du wirst wütend und gerätst in Rage weil irgendein Idiot keinerlei Rücksicht auf dich genommen hat. Du drehst dich um, um ihm deine Meinung zu sagen, aber du siehst, dass die Person ein Blinder ist. 

In diesem Augenblick verfliegt all der Zorn, und Mitleid und Erbarmen für den armen Blinden, der keinerlei Absicht hatte, dich anzurempeln, nehmen ihren Platz ein. 

Der Auslöser für deine Wut ist nach wie vor der Schlag, aber da du nun weißt, dass es ein Blinder war, wird dir klar, dass es kein Idiot war, sondern nur ein armer Mann, der dich nicht anrempeln wollte. Was dich wütend gemacht hat, war also nicht der Schlag selbst, sondern du selbst mit deinem Gedankengang, durch den du angenommen hast, dass es ein Grobian sein musste, der dich von hinten angerempelt hatte.

Wie wir feststellen können, gehen also unsere Gedanken immer unseren Gefühlen voraus und die gute Nachricht ist, dass wir diese kontrollieren können! Wir selbst sind dafür verantwortlich!

Und wir finden, das ist eine gute Nachricht, denn wenn es nicht so wäre, müssten wir uns der Tatsache beugen, dass wir Sklaven unserer äußeren Umstände sind, Marionetten ohne Verstand, deren Verhalten von den Denkweisen Anderer diktiert wird.

Wenn wir also deprimiert sind, weil uns Andere kritisieren, sind wir letztendlich selbst dafür verantwortlich, da wir diese Kritik zulassen und sie uns zu Herzen nehmen. Wenn wir unsere Einstellung bezüglich Kritik verändern würden und ihr nicht mehr als die ihr gebührende Wichtigkeit zugeständen, sähe unser Gefühlszustand ganz anders aus.

Kritik wäre wahrscheinlich nach wie vor unschön, aber wir würden uns zumindest von den Meinungen Anderer nicht mehr deprimieren lassen, denn es sind ihre Meinungen, nicht die Unseren, außer wir machen sie dazu. Wenn dies nicht möglich wäre, wenn unser Verstand nicht einschreiten könnte, müssten wir uns immer deprimiert fühlen, weil es uns nicht möglich ist, die Meinung Anderer über mich zu ändern. Und das ist tatsächlich fast unmöglich und unglaublich anstrengend.

In Wirklichkeit haben wir Menschen die wunderbare Fähigkeit in nahezu jeder Lage glücklich zu sein. Wenn du Lebenswillen hast, hast du bereits alles, was du brauchst, damit es dir gut geht, aber es ist wichtig, dass du diese Gesinnung, von der wir heute gesprochen haben, absolut verinnerlichst und sie dir als Lebensphilosophie aneignest.

Wenn Epiktekus als Sklave glücklich war, hatte er dies seiner Art, sich dem Leben zu stellen, zu verdanken. Wir können es ihm gleichtun unter Umständen, die nichts mit Sklaverei zu tun haben. Beschwerst du dich oft? Forderst du eventuell zu viel von der Welt, von Anderen, von dir selbst? Macht es dir Angst, wenn du versuchst, das Unkontrollierbare zu kontrollieren?

Öffne dem Leiden nicht mehr die Tür, hör auf dich darüber zu beschweren, was da draußen passiert. Wenn du kannst, löse das Problem, wenn nicht, lass es sein. Ändere deinen Blick auf die Dinge und die Dinge werden sich ändern. 

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