Entschleunigung – langsamer ist besser

29. Juli 2017 en Psychologie 3502 Geteilt

Hierbei handelt es sich um einen neuen Trend in unserer Gesellschaft, der wie so oft, durch die jüngere Generation entstanden ist. Vor noch nicht allzu langer Zeit war es das Ziel eines jeden, alles noch schneller zu erledigen. Das hatte zwar große Vorteile, brachte viele aber auch an den Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Das Leben „zu verlangsamen“ ist ein Trend, der von vielen begrüßt wird. Den Menschen fiel auf, wie wunderschön es doch ist, von einem Land in ein anderes in nur wenigen Stunden zu reisen. Doch man wurde sich auch dessen bewusst, dass ein Schäferstündchen von 15 Minuten oder ein Mittagessen in derselben Zeit keine gute Idee war.

„Ein langsamerer Mensch, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, ist immer schneller als jemand, der schneller geht, sich ohne auf sein Ziel zu konzentrieren.“

Gotthold Ephraim Lessing

Erfahrungen schnell zu machen, kommt oftmals dem gleich, sie nicht zu erleben. Außerdem verstärkt das Verlangen nach Schnelligkeit Stress, Angstzustände und führt zu einer großen Furcht vor dem Leben. Das Ziel, mehr zu leben, wird nicht erreicht, sondern genau das Gegenteil ist der Fall: Das Leben verliert sich in diesem frenetischen Lebensstil.

Bei dem Trend der Entschleunigung geht es darum, aus verschiedenen wichtigen Lebensbereichen Tempo herauszunehmen. Diese Idee stammt nicht von irgendeiner Sekte oder einer bestimmten Gruppe. Diese Idee hat vielerlei Ursprünge und kann auf unterschiedliche Weise realisiert werden. Ein gemeinsamer Nenner ist allerdings, dass bei jeder Form dieses Trends gegen diese grenzenlose Hektik unserer heutigen Zeit angegangen wird.

Entschleunigung beim Essen

Der erste Bereich, in dem Wert auf die Entschleunigung gelegt wurde, war beim Essen. Alles begann damit, dass McDonalds 1986 nach Rom kam. Die Köche in Rom und Umgebung waren empört. In der gastronomischen Tradition weltweit führende Etablissements mussten sich auf einmal mit der Fast-Food-Konkurrenz auseinandersetzen.

Die Italiener und auch andere Völker, die großen Wert auf ihre kulinarische Kultur legen, kennen keine Gerichte, die sich durch Schnelligkeit oder Leichtigkeit in der Zubereitung auszeichnen. Genau das Gegenteil ist der Fall: Ein guter Käse oder Wein werden erst im Laufe der Zeit zu dem, was sie sind. Außerdem braucht so manche Kost mehrere Stunden oder Tage der Vorbereitung.

So kam es, dass die besten Köche der Welt im Jahr 1989 in Paris das Slow-Food-Manifest  unterzeichneten. Es handelte sich dabei um ein Abkommen, mit dem man sich gegen Fast Food aussprach und dafür, Traditionen zu beschützen und für eine gesunde Ernährung einzustehen. Das war der Beginn der Entschleunigung in der Gastronomie.

Slow Fashion

Die Modewelt war der zweite Bereich, der von der Entschleunigung erobert wurde. Das mag wie ein Widerspruch in sich klingen, da die Mode mit ihren Trends der Inbegriff des Vergänglichen ist. So fand eine Bewegung immer mehr Anhänger, die auf eine Vision von Mode abzielte, die verantwortungsvoll mit der Umwelt umgeht und auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit setzt. 

Dieser Trend in der Modewelt verstärkte sich weiter, als sich 2013 ein tragischer Unfall in einer Textilfabrik in Bangladesch ereignete. Denn jetzt kam ans Licht, dass ein Großteil der Modeindustrie ihren Arbeitern einen Hungerlohn zahlte und dass die Produktionsbedingungen unzumutbar waren.

Das Ziel der Slow Fashion  ist es, die Menschen dazu zu bewegen, nicht länger viel billige Kleidung zu kaufen, die im Durchschnitt nicht länger als 6 Monate getragen wird. Es wird vorgeschlagen, etwas teurere, aber qualitativ hochwertigere Kleidung zu kaufen, die auch länger hält. Wie wir sehen können, ist der Trend der Entschleunigung auch ein Statement gegen unsere Wegwerfgesellschaft.

Von der Entschleunigung beim Essen und der Mode hin zum Individuum

Die Entschleunigung hat Gastronomie und Mode erobert. Danach breitete sich dieser Trend auch auf die Konstruktion und die Reisebranche aus. Letztendlich kam man auf die Idee der „langsamen Städte”.  Hier träumt man von Städten mit maximal 50.000 Einwohnern, deren Infrastruktur hauptsächlich Fuß- und Fahrradwege umfasst.

Auch die Slow Education  entstand, die das Modell einer Schule beschreibt, in der der Lernrhythmus der Schüler respektiert wird und in der Flexibilität bezüglich der in der Schule verbrachten Stunden herrscht. Das Ziel ist es, alles an den individuellen Lebensrhythmus anzupassen. Es sollen die Interessen und die Motivation sein, die die Schüler leiten, und nicht Regeln oder Gesetze.

All diese Trends sind eine revolutionäre Sicht auf die Welt. Es wird immer offensichtlicher, dass wir nicht Teil der Produktionskette, sondern Menschen auf der Suche nach einem Sinn im Leben sind. Die Entschleunigung ist zweifellos ein Trend, der sich immer höherer Beliebtheit erfreut und ein Licht am Ende des Tunnels darstellt, durch den wir rasen.

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