Wenn wir reisen, verlieren wir nach und nach die in unserem Rucksack verstauten Vorurteile

2. Juli 2017 en Psychologie 103 Geteilt

Sicherlich hast du auch schon einmal dieses wunderschöne Gefühl der Versöhnung mit dem Leben erfahren, das wir verspüren, wenn wir verreisen. Denn es ist doch so, dass wir unseren Horizont erweitern, wenn wir unterwegs sind. Wir werden toleranter, versetzen uns in die Lage, unsere Vorurteile zu verstehen und sie nach und nach den neuen Erfahrungswerten weichen zu lassen. Reisen ist die authentischste Weise, die Welt kennenzulernen, aber auch zu erfahren, welche Vorurteile wir auf unseren Schultern mit uns herumschleppen, da wir in der weiten Welt unsere Scheuklappen abnehmen.

Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass unsere Art zu leben, unseren Alltag zu bestreiten, die richtige Art und Weise ist, das zu tun. Doch wenn wir reisen, entdecken wir nicht nur, wie „komisch“ andere sind, sondern auch wie „seltsam“ wir selbst sein können: „Was für eigenartige Gewohnheiten diese ,Ausländer‘ haben! Wieso machen sie das?“  Derartige Fragen hast du bestimmt schon mehr als einmal aus deinem Umfeld gehört oder sogar selbst ausgesprochen.

Das größte Vorurteil: „Was ich mache, ist richtig; was du machst, ist falsch.“

Es passiert etwas Seltsames, wenn es darum geht, Stimuli und Informationen zu interpretieren. Das, was wir kennen, woran wir gewöhnt sind, zu sehen und zu tun, ist „normal“. Was nicht Teil unserer Gewohnheiten ist, dünkt uns seltsam und eigenartig. Es scheint so, als gäbe es eine Grenzlinie zwischen richtig und falsch. Zwischen der richtigen Art, etwas zu tun und die Dinge zu verstehen, und der merkwürdigen Weise, die andere anwenden.

Um das besser zu verstehen, hier ein Beispiel: Wenn du eine ruhige und gelassene Person bist, dann denke kurz daran, wie du dich einmal gefühlt hast, als Wut dich die Beherrschung hat verlieren lassen. Sicherlich hast du deiner eigenen Person gegenüber ein seltsames und gleichzeitig dir fremdes Gefühl empfunden. Menschen, die nur selten wütend werden, wissen in angespannten Situationen aufgrund der fehlenden Praxis oft nicht, wie sie sich aufregen sollen.

Auch wenn wir diesen Zustand der Ruhe und Gelassenheit bei uns nur allzu gut kennen, sind Wut und Ärgernis trotzdem auch ein Teil von uns. Unsere verschiedenen Merkmale machen aus uns den Menschen, der wir sind. Wir können nicht einfach versuchen, Teile von uns zu verneinen, die wichtig sind, nur weil wir nicht daran gewöhnt sind, mit ihnen umzugehen.

Das, was wir kennen, woran wir gewöhnt sind, zu sehen und zu tun, ist „normal“.

Unser Kultur formt uns, aber bestimmt uns nicht

Wenn wir reisen, geschieht etwas Ähnliches. Wir können nicht versuchen, nur uns selbst als ein Produkt des Gemeinschaftssinns zu verstehen und andere als chaotische Wesen, die ohne Sinn handeln. Das kulturelle Erbe, das landschaftliche und soziale Umfeld, beeinflussen den Menschen und seine Gewohnheiten.

Das Leben in unserem Umfeld formt uns ab dem Tag unserer Geburt. Es sind die Erfahrungen, während der wir Kontakt mit Menschen aufnehmen, die anders sind als wir, die uns unserem gewohnten Umfeld entfliehen und das dokumentieren lassen, es sind unsere Reisen, die uns unser kulturelles Erbe infrage stellen lassen. Je mehr wir dazu in der Lage sind, neugierig und nicht etwa mit Vorurteilen belastet anderen Welten entgegenzusehen, umso mehr nähern wir uns dem Ziel der Toleranz.

Anzunehmen, dass unsere Art, das Leben zu verstehen, die einzige richtige und sinnvolle sei, ist eine sehr beschränkte Denkweise und weit davon entfernt, uns zu bereichern, sondern genau das Gegenteil ist der Fall: Es wiest auf eine arme Seele hin. Du solltest nicht vergessen, dass der wahre Reichtum durch die Tag für Tag gelernten Lektionen kommt. Lektionen, die uns offener und toleranter machen.

Sieh dem Leben voller Neugier entgegen und überwinde deine Vorurteile

Ich trenne mich von meinen Vorurteilen, um dich anzusehen und dir mit offenen Armen zu begegnen, du mir unbekanntes Geschöpf. Mit einer Seele die dazu bereit ist, zu lernen.

Wenn wir doch nur voller Edelmut und gesunder Neugier über unseren Tellerrand hinaussehen und eine Brücke zu anderen Seelen, anderen Geistern und Lebensformen bauen könnten…

Du wirst aus deinen Erfahrungen lernen. Du wirst Zeit haben, um dich als Mensch weiterzuentwickeln, mit dem, was du dir wünscht und was du nicht in deinem Leben willst. Aber wenn du der Welt mit verbunden Augen gegenübertritts, wirst du nichts sehen können. Nichts, außer Dunkelheit. Und die Dunkelheit macht Angst. Wenn du deine Augenbinde abnimmst, wirst du Licht sehen. Das Licht, das durch die offene Tür des Lebens dringt. Das Licht der Toleranz.

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