Empathische Fans und Spiegelneuronen

· 7. April 2019

Fans haben schon immer existiert, auch wenn sie vielleicht nicht immer „Fans“ hießen. Es gab schon immer charismatische Führungsfiguren oder Persönlichkeiten, die andere Menschen faszinieren und in der Folge viele Anhänger um sich zu scheren wussten. Ihre Fans folgen ihnen, bewundern sie und sind manchmal sogar in der Lage, große Opfer für ihre Idole zu bringen. Die Neurowissenschaften haben nun entdeckt, dass dieses Phänomen mit den Spiegelneuronen zusammenhängt.

Die großen Unterschiede zwischen den heutigen Fans und denen aus früheren Zeiten sind die schiere Zahl der Zuschauer und die Merkmale der Idole. In der Vergangenheit hatten nicht einmal die größten Stars Fans auf der ganzen Welt. Es gab keine Möglichkeit dafür. Heutzutage ist es jedoch relativ üblich, dass Prominente weltweit beliebt sind.

Darüber hinaus musste eine Führungspersönlichkeit oder -figur in der Vergangenheit außergewöhnliche Qualitäten aufweisen. Dies ist heutzutage nicht mehr der Fall. Menschen, die relativ durchschnittlich sind, können dank der Medien und der Öffentlichkeit extrem berühmt werden. Warum passiert das? Ein Teil der Antwort kann in unseren Spiegelneuronen zu finden sein.

Fans: Die eigentlichen Gründe für Prominenz

Ein Fan ist eine Person, die jemand anderen bewundert und sich allmählich und immer mehr mit ihrem „Idol“ identifiziert. Dieser Identifikationsprozess erreicht den Punkt, an dem die Person das Gefühl hat, dass alles, was mit ihrem Idol geschieht, sie auch persönlich betreffe.

Benedict Cumberbatch fotografiert sich mit einigen Fans.

Diese Loyalität der Fans beruht auf der Tatsache, dass das Idol außergewöhnliche Eigenschaften besitzt oder ungewöhnliche Leistungen vollbringt. In der Vergangenheit hatten politische, religiöse oder künstlerische Führer eine solche Andacht geboten. Grundsätzlich kann aber jeder, der durch die Medien einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, eine entsprechende Fangemeinde aufbauen.

Heutzutage kennen die meisten Fans ihr Idol nicht persönlich. Eines der größten Ziele eines Fans ist es daher, dem Prominenten seiner Wahl näherzukommen. Wie erreicht er das? Indem er alles konsumiert, was die Medien über sein Idol veröffentlichen. Oder zumindest die Erfolge und die Arbeit seines Idols im Auge behält.

Viele Fans haben bereits unter Beweis gestellt, dass sie sogar eine ganze Nacht in der Kälte warten können, nur damit sie noch an eine Karte für ein Konzert ihres Lieblingsmusikers zu bekommen. Oder damit sie ihre Fußballstars aus dem Flugzeug oder Mannschaftsbus steigen sehen können. Aber was wollen sie damit eigentlich erreichen? Kommen wir nun auf die Spiegelneuronen zu sprechen.

Spiegelneuronen und Identifikation

Zunächst ist es das Gehirn, welches einen Identifikationseffekt erzeugt. Dieser führt zu Empathie. Danach machen die Spiegelneuronen ihren Job.

  • Identifikation entsteht, weil jemand Eigenschaften oder Tugenden verkörpert, welche die Gesellschaft für wertvoll hält. Mit anderen Worten, das Idol steht für etwas, was der Fan sein möchte oder sogar sein muss. Der Fan möchte wie sein Idol sein. Deshalb ist das Fan-Phänomen bei Teenagern häufiger, da sie ihre Identität erst noch aufbauen und stets nach Vorbildern suchen, die sie nachahmen können.
  • Identifikation führt zu Empathie. Der Fan fühlt sich nun, als ob alles, was mit seinem Idol geschieht, auch seine persönliche Angelegenheit wäre. Er möchte alles kennenlernen und verstehen, was sein Prominenter macht, wie er es macht und warum er es macht. Die Erfolge des Idols wirken sich emotional auf den Fan aus, was zu einer Freisetzung von Dopamin führt.
  • Es sind die Spiegelneuronen, die dies zulassen. Wie ihr Name schon sagt, reflektieren sie, was der betroffene Mensch von anderen Menschen erwartet. Aus neurologischer Sicht ermöglichen sie es, sich mit jemandem zu identifizieren, ihn zu imitieren und Mitgefühl für ihn zu empfinden.
Spiegelneuronen

Fragwürdige Aspekte von Spiegelneuronen

Die Aktivierung der Spiegelneuronen erfolgt nicht immer spontan. In der Tat haben Marketingexperten gelernt, diese Mechanismen in hohem Maße zu kontrollieren. Denken wir zum Beispiel an ein Konzert. Das Talent des Prominenten ist nicht immer der wichtigste Aspekt des Konzerts. Es reicht nicht aus, dass der Künstler ein Instrument gut spielt oder besonders toll singen kann. Konzerte sind heutzutage echte Erlebnisse, sie haben Event-Charakter.

Das Gleiche gilt für Fußball oder andere Sportarten, die ein Massenpublikum erreichen. Die individuelle Fan-Erfahrung wird mit einer Flut von Extras gewürzt. Es gibt ein visuelles Fest mit Flaggen, Hymnen, Uniformen und Leidenschaft, welche die Veranstaltung über einen einfachen Wettbewerb hinausgehen lassen. Da die Fans die Menschen, die sie bewundern, nachahmen, eignen sich Fußballspieler und andere Athleten hervorragend für die Werbung für bestimmte Produkte oder als Protagonisten in Werbespots.

Fußballfans unterstützen ihr Team.

Abschließend müssen wir festhalten, dass Spiegelneuronen die Gesellschaft erst möglich machen. Sie bringen dich dazu, dich anderen Menschen zu öffnen, dich mit ihnen zu identifizieren und dich ihnen gegenüber empathisch zu verhalten. Dieser gesunde und natürliche Prozess kann jedoch auch dazu führen, dass Menschen mit fragwürdigen Absichten Empathie imitieren oder vortäuschen. Daher ist es sehr wichtig, zu lernen, wie du filtern kannst, wer deine Bewunderung verdient – und wer nicht.

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