3 Syndrome, bei denen wahnhafte Missidentifikationen auftreten

· 7. November 2018

Der menschliche Geist ist der Wissenschaft noch immer ein Rätsel. Er ist in der Lage, die beeindruckendsten Ideen, aber auch den überraschendsten Unsinn zu kreieren. Beispiele dafür sind wahnhafte Missidentifikationen. Sie sind verzerrte Resultate des Denkprozesses, die dazu führen, dass die betroffene Person eine abnorme Sicht auf die Realität einnimmt.

Eines der wichtigsten Symptome wahnhafter Missidentifikationen sind Delirien im Inhalt des Denkens. Der Terminus Delirium beschreibt hier eine Annahme, die der Betroffene als wahr ansieht, obwohl dafür keine logische oder empirische Grundlage besteht. Diese Wahnvorstellungen oder illusorischen Überzeugungen sind bei wahnhaften Missidentifikationen immer vorhanden. Sie führen den Patienten dazu, eine völlig falsche Wahrnehmung von sich selbst und seiner Umwelt zu entwickeln.

Oft sind Missidentifikationen Teil komplexerer psychiatrischer Erkrankungen oder neurologischer Störungen, weshalb wir sie uns in diesem Artikel etwas genauer anschauen wollen.

Das Capgras-Syndrom

Das Capgras-Syndrom oder der Capgras-Wahn ist eine Erkrankung, die eine Person davon überzeugt, dass eine ihnen nahestehende Person durch einen Betrüger ersetzt worden sei. Der Betroffene ist der Meinung, dass diese Person nur mehr ein Double wäre. Die damit verbundene Unmöglichkeit, zu erkennen, wer sie tatsächlich ist, macht diesen Glauben zu einer wahnhaften Missidentifikation.

Dem Capgras-Syndrom liegt folgendes zugrunde: Die Person ist in der Lage, eine vertraute Person physisch zu erkennen, aber das Gefühl der Vertrautheit kommt bei ihr nicht auf. Es handelt sich um eine sensorische Wahrnehmung ohne subjektive Empfindungen und Gefühle. Im Falle dieses Syndroms besteht eine Trennung zwischen dem visuellen Erkennungssystem und dem affektiven Gedächtnis.

Ein Betroffener könnte dieses Delirium übrigens auch auf sich selbst richten. In diesem Fall denkt er, dass jemand anderes ihn ersetzt hätte. Dies geschieht in der Regel im Rahmen einer Psychose oder als Folge eines Hirntraumas.

Beispiel für eine wahnhafte Missidentifikation - Mensch gibt vor, jemand anders zu sein

Die Fregoli-Illusion

Eine weitere Form der wahnhaften Missidentifikation beobachten wir beim Fregoli-Syndrom oder der Fregoli-Illusion. Diese Erkrankung geht mit Paranoia einher und manifestiert sich auf unterschiedliche Weise. Der typischste Fall ist, dass eine Person denkt, dass sie einen Verfolger hätte und dass dieser in der Lage wäre, verschiedene Erscheinungen anzunehmen. Wann immer der Betroffene auf jemanden trifft, den er kennt, könnte er deshalb annehmen, dass es sich tatsächlich um ihren Verfolger handeln würde, der als vertraute Person getarnt wäre, mit dem Ziel, sie zu täuschen.

Eine weitere Form der Manifestation ist die folgende: Die betroffene Person ist überzeugt davon, Fremde zu kennen; sie sieht in ihnen vertraute Gesichter. Ebenso könnte sie glauben, dass sie Orte oder Objekte wiedererkennt, die sie in Wahrheit noch nie besucht oder gesehen hat.

Auch wenn die Wissenschaft die Ursachen für dieses Syndrom noch nicht ermitteln konnte, ist bekannt, dass diese Täuschung mit einer Fehlfunktion der „assoziativen Knoten“ zu tun hat. Diese können eine Person unfähig machen, mentale und physische Wahrnehmung zu synchronisieren. Hirnverletzungen können derartige Missidentifikationen verursachen, aber sie können auch als Teil einer paranoiden Deliriumsepisode auftreten.

Zwei Frauen mit Masken

Das Othello-Syndrom

Die Vorstellungskraft kann oft der reichhaltigste Nährboden der Eifersucht sein, denn oft hat sie mehr mit Fantasie als mit Realität zu tun. Bei chronischer Eifersucht besteht ein ständiger Verdacht, der selten den Tatsachen entspricht, und beim Othello-Syndrom wird diese Form der Eifersucht auf das höchstmögliche Niveau gehoben.

Eine Person, die an diesem Syndrom leidet, ist der obsessiven Überzeugung, dass ihr Partner untreu wäre. Sie ist sich dessen absolut sicher und will ihn unbedingt „auf frischer Tat ertappen“. Was dies zu einer wahnhaften Missidentifikation macht, ist die Tatsache, dass die betroffene Person ihren Partner nicht so wahrnehmen kann, wie er wirklich ist. Sie sieht ihn nur als Verräter. Dies lässt sie viel Zeit und Energie in Versuche investieren, seine Untreue zu beweisen.

Ein besonderes Merkmal des Othello-Syndroms ist, dass die Person die Anwesenheit des imaginären Dritten in ihrer Beziehung dauerhaft spürt. Wenn sie jedoch gefragt wird, wie diese Person aussieht, kann sie dazu nichts sagen. Sie macht nur in seltenen Fällen bestimmte Angaben zu ihr.

Dies sind nicht die einzigen Arten von wahnhaften Missidentifikationen – es gibt noch viele mehr. Der gemeinsame Nenner all der zugehörigen Störungen sind Schwierigkeiten damit, sich selbst und andere zu erkennen. Fast immer sind diese Syndrome mit schweren psychiatrischen Pathologien verbunden. Sie bedürfen daher einer professionellen Behandlung.