Rollentheorie: Was ist unsere soziale Rolle in der Gesellschaft?

8. Februar 2019

Wir können soziale Rollen als die Rollen definieren, die wir in der Gesellschaft spielen. Soziale Rollen beschreiben und repräsentieren, welche Aktivitäten oder Verhaltensweisen Menschen in einem bestimmten sozialen Umfeld von uns erwarten. Wer bestimmt, wie wir uns verhalten sollten? Hat uns jemand diese Rolle im Vorfeld zugewiesen oder nehmen wir diese von selbst ein? Diese Frage beantworten wir in diesem Artikel.

In allen Gruppen spielen wir eine Rolle. In einem Team ist dies besonders offensichtlich, denn im Team gibt es zum Beispiel den Verteidiger, den Stürmer, den Kapitän oder den Schiedsrichter. Innerhalb der Familie gibt es auch Rollen, wie die der Mutter, des Vaters oder des Bruders. Rollen existieren zudem auf der Arbeit: Man kann ein Direktor, Sekretär, Kollege oder Assistent sein. Eine Person kann je nach Kontext mehrere Rollen spielen. Daher können wir gleichzeitig Arbeitskollege, Sohn und der Witzbold im Freundeskreis sein.

Wir können unsere eigenen Rollen definieren oder uns an bereits bestehende Rollenbildern anpassen. Andere Gruppenmitglieder definieren zunächst das Verhalten, das sie von uns erwarten. Diese Erwartungen sind verallgemeinert und werden auf Basis unserer individuellen Persönlichkeitsmerkmale verfeinert.

Schachfiguren, die in einem Kreis angeordnet sind und eine Gruppe bilden

Stressfaktoren im Zusammenhang mit sozialen Rollen

Probleme, die sich aus unseren sozialen Rollen ergeben, können sich aus verschiedenen Quellen speisen:

  • Mehrdeutigkeit. In diesem Fall erwartet jemand, dass wir uns an eine Rolle anpassen, die wir nur unzureichend verstehen. Wir wissen nicht, was der andere von uns will. Uns ist nicht klar, welchen Beitrag wir in dieser Gruppe leisten sollen.
  • Widersprüchliche Rollen. Hier erläutern wir zwei Probleme. Das erste Problem hat mit einem Konflikt zu tun, der durch die Rolle, die wir einnehmen, ausgelöst wird. Dies geschieht, wenn die Rolle nicht zu unserer Person passt. Aus irgendeinem Grund können wir uns nicht an die Anforderungen, die an diese Rolle gestellt werden, anpassen, da diese unsere Fähigkeiten übertreffen oder möglicherweise auch unseren Werten widersprechen, sodass wir uns nicht wohlfühlen, wenn wir ihnen entsprechend handeln. Das zweite Problem hat damit zu tun, dass zwei verschiedene Rollen miteinander in Konflikt stehen können. Wir können zum Beispiel zwei verschiedene Rollen in einer Gruppe einnehmen, z. B. als Stipendiat, um unser Studium fortzusetzen, aber gleichzeitig sind wir auch ein Elternteil mit einem Job. Diese Situation würde Stress verursachen, da es sehr schwierig wäre, die Erwartungen zu erfüllen, die an beide Rollen gestellt werden.
  • Rollenvergabe. Diese betrifft Probleme, die sich aus der Anpassung an eine Rolle ergeben, die unsere Mitmenschen für uns definiert haben. In diesen Situationen gibt es wenig Raum, um diese Rollen für uns selbst zu definieren und zu erweitern, um sie auf uns zuzuschneiden. Ein gutes Beispiel für diese Art von Stress könnten Geschlechterrollen sein. Wenn wir ein Mädchen wären, hätten wir vielleicht das Gefühl, dass wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten sollten. Wir würden dies tun, weil es angeblich unserem Geschlecht entspräche, aber das hieße nicht, dass es auch uns selbst entspräche.

Weitere Stressfaktoren

Es gibt noch weitere Stressfaktoren, die durch die Einnahme von sozialen Rollen entstehen können:

  • Rollenüberlastung. Wenn unsere Mitmenschen zu viel von uns erwarten, können wir uns leicht überwältigt fühlen. Die jeweilige Rolle kostet uns dann zu viel Energie und wir überstrapazieren unsere Anpassungsfähigkeit. Dies wiederum erzeugt Stress.
  • Schlechte Rollen. Dieses Problem stellt das Gegenteil der Rollenüberlastung dar. Eine schlechte Rolle ist im Gegensatz zur Rollenüberlastung das Gefühl, dass wir in dieser Rolle nicht unser maximales Potenzial ausschöpfen können. Wir haben das Gefühl, dass wir mehr von uns geben könnten, aber die Rolle lässt dies nicht zu.
Eine Gruppe von verschiedenen Personen, die beieinander stehen

Eine Rolle definieren

Unsere Rollen in der Gesellschaft oder in einer Gruppe sind dynamisch und entwickeln sich ständig weiter. In vielen Fällen haben wir während dieser Transformation die größte Verantwortung für die Art und Weise, wie wir diese Rolle definieren wollen. Deswegen entstehen Probleme häufig dann, wenn wir verloren und unsicher sind, wenn wir versuchen, eine Rolle zu übernehmen, die über unsere Grenzen hinausgeht, oder wenn wir zu schnell zu viel Veränderung von dieser Rolle verlangen. Unser Körper und Geist haben es schwer, auf radikale Veränderungen zu reagieren.

Am Ende des Tages sollten unsere Rollen einzigartig und nicht übertragbar sein. Ja, es gibt Dinge, an die wir uns anpassen müssen, wenn wir einer neuen Gruppe beitreten. Wahrscheinlich beinhalten diese Rollen eine Reihe allgemeiner Richtlinien und Handlungen, aber sie sollten unseren Neigungen entsprechen und nicht wir diesen Rollen.

Die Definition unserer Rolle erfordert von uns Zeit und Intelligenz. Schließlich ist unsere Rolle eine Gelegenheit, der Welt zu zeigen, wozu wir fähig sind.