Emotionen im Alter: Der Schlüssel zum Wohlbefinden

· 20. Februar 2019

Die Regulierung von Emotionen im Alter ist wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden. Interessanterweise haben mehrere wissenschaftliche Studien gezeigt, dass reifere Erwachsene im Durchschnitt viel besser auf positive Emotionen eingestellt sind, Wert auf bereichernde soziale Beziehungen legen und mehr Kontrolle über ihre Gefühlswelt haben. Diese Ergebnisse gehen weit über die weithin bekannten, oft negativ bewerteten Folgeerscheinungen des Alterns hinaus.

Der Schweizer Philosoph Henri-Frédéric Amiel sagte einmal, dass das Wissen darum, wie man alt werde, das Meisterwerk der Vernunft sei. Im gleichen Atemzug erwähnte er auch, dass das Altern einer der schwierigsten Prozesse des Lebens sei, der nicht leicht zu bewältigen sei. Mit dem gleichen Optimismus zu reifen wie ein junger Mensch, der sein ganzes Leben noch vor sich hat, ist schwer. Der Schlüssel liegt darin, die Gegenwart mit Demut, Einfachheit und einer positiven Einstellung zu betrachten.

„Alter scheint ein Segen in Bezug auf vier Dinge: zum Verbrennen altes Holz, zum Trinken alter Wein, für das Vertrauen alte Freunde und zum Lesen alte Autoren.“

Francis Bacon

Im Alter sehen wir uns damit konfrontiert, dass unser Körper von zahlreichen Zipperlein geplagt ist. Trotzdem können wir auch als reife Menschen eine beeindruckende Ausstrahlung haben, die andere bewundern, die andere inspiriert. Die richtige emotionale Regulierung in dieser Lebensphase ist dafür Voraussetzung.

Das Regulieren von Emotionen im Alter ist der Schlüssel zum Wohlbefinden.Ein älteres Ehepaar ist glücklich und immer noch verliebt wie am ersten Tag.

Emotionen im Alter regulieren: Die neuesten Erkenntnisse

Die Art und Weise, wie ältere Menschen ihre Emotionen regulieren, ist ein relativ neues Forschungsfeld. Da die Lebenserwartung immer weiter steigt, ist klar, dass die Bedeutung älterer Menschen für unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren weiterhin zunehmen wird. Deshalb ist es eine Herausforderung, die sich uns allen stellt, das Alter in bestmöglichem Zustand zu erreichen. Damit meinen wir nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern konzentrieren uns vor allem auf die emotionale Ebene.

Dieses neue Forschungsfeld hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt und ist stetig gewachsen. Dr. Derek Isaacowitz, Experte für Emotionen an der Yale University (Connecticut, USA), hat eine Technik etabliert, um die Aufmerksamkeit älterer Menschen zu untersuchen. Er entwickelte eine Brille, die die körperliche Reaktion des Trägers aufnehmen kann. Die Brille zeichnet entsprechende Daten auf, damit sie später analysieren werden können.

Experimente mit dieser Brille zeigten, dass 90 % der älteren Erwachsenen mehr an Gesichtern interessiert sind, die positive Emotionen zeigen. Diese Vorliebe, diese ständige Suche nach einem lächelnden Gesicht, einem warmen Blick oder einem freundlichen Wort, hilft ihnen, ihre eigenen Emotionen zu regulieren. Experten glauben, dass in diesem Fall das Gehirn als kognitiver Vermittler wirke, indem es seine Aufmerksamkeit auf diese Reize richte. Dies habe die Reduktion von negativen Emotionen zur Folge und erhöhe die Anzahl der positiven Gefühle.

Alte Augen haben viel gesehen.

Gefühle nehmen während des Alterungsprozesses nicht ab

Wenn wir altern, verändert sich unsere Motivation. Unsere langfristigen Ziele richten sich nun auf Investitionen in eine bessere Lebensqualität in der Gegenwart. Dabei kann die Regulierung von Emotionen im Alter helfen. Das Ziel ist klar definiert: Im Alter wollen wir die emotionale Erfahrung optimieren, um Gleichgewicht und inneren Frieden zu erlangen. Wie wollen unsere Beziehungen zu Freunden und Familie genießen.

Diese Tatsache führt zu einem Widerspruch, der oft als Paradox des Wohlbefindens im Alter bezeichnet wird. Denn so überraschend es auch sein mag: Reife Menschen haben im Durchschnitt eine höhere Lebenszufriedenheit als junge Menschen. Das liegt daran, dass ältere Menschen ihre Emotionen besser regulieren können. Dieser Mechanismus wirkt sich positiv auf ihre Stimmung und ihre Wahrnehmung der Umwelt aus.

Wir wissen außerdem, dass das Altern hauptsächlich die Stirnlappen des Gehirns betrifft. Diese Bereiche des Gehirns sind verantwortlich für unsere Aufmerksamkeit, Problemlöse- und Planungsfähigkeit. Unsere Emotionen und unsere Fähigkeit, mit unserer Umgebung durch Blicke, Lächeln und positive Reaktionen zu interagieren, bleiben davon aber unberührt. Das gilt selbst für schwerwiegende neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer.

Über Generationen hinweg: Ein Großvater umarmt seinen Enkel.

Das Alter macht uns wählerischer

Wenn wir jung sind, filtern wir unsere Realität meist nur wenig. In unserer Jugend lassen wir alles auf uns wirken. Wir lieben es, mit verschiedenen Dingen zu experimentieren und unterschiedliche Menschen zu treffen. Wir akzeptieren die Welt mit offenen Armen und willigem Herzen, so wie sie eben ist. Mit zunehmender Reife jedoch beginnen wir, Filter einzusetzen, werden selektiver. Wir bemühen uns, Prioritäten zu setzen und uns nur auf Dinge zu konzentrieren, die uns Wohlbefinden und Glück statt Probleme bereiten können.

Der Psychologe und Forscher Heiner Ellgring vom Max-Planck-Institut in München (Deutschland) hat dieses Phänomen näher untersucht. Seiner Ansicht nach konzentrieren sich ältere Menschen auf drei Aspekte in ihrem Leben:

  • Beziehungen zu Familie und Freunden genießen
  • In ihre Gesundheit investieren
  • Sich um verschiedene Dinge kümmern und genießen (Zuhause, Garten, Tiere usw.)

Für eine reifere Person ist ein positives Leben ein Leben, in dem sie sich auf diese Aspekte konzentrieren kann. Ihr subjektives Glück liegt in diesen Faktoren. Der soziale, relationale und affektive Aspekt ist ihr am wichtigsten. Daher liegt der Schlüssel zur Zufriedenheit im Alter darin, selektiv zu sein und klare Prioritäten zu haben. Für Menschen im Alter ist es das Wichtigste, täglich positive Emotionen zu genießen.