Emotionales Management von Lehrern

· 25. Januar 2019

Wir alle können uns eine klare Vorstellung von dem emotionalen Management von Lehrern machen, da wir uns sicher schon einmal mit einem entsprechenden Mangel konfrontiert gesehen haben: Lehrer, die ihre Schüler schimpfen, denen es an Einfühlungsvermögen mangelt, die sie bestrafen, wenn sie eigentlich sagen sollten „Wenn du Hilfe brauchst, bin ich da“,  und manchmal sogar so weit gehen, sich nur auf die Schwächen der Schüler zu konzentrieren.

Diese Art von Einstellung ist das Ergebnis einer Unfähigkeit, die eigenen Emotionen zu regulieren. Das ist etwas, das uns nicht beigebracht wird, weder zu Hause, noch in der Schule – unabhängig davon, welchen Beruf wir ergreifen. Daher scheint es fast unmöglich, ein gutes emotionales Management zu erreichen. Generell wird derartigen Konzepten zwar eine sehr große Bedeutung zugeschrieben, doch es wird nur sehr wenig getan, um diese zu vermitteln und an jene Menschen weiterzugeben, die sie anwenden sollten.

Versetzen wir uns an die Stelle der Lehrer

Dieser Artikel hat nicht das Ziel, die Lehrer zu beschuldigen: Die meisten von ihnen geben ihr Bestes in dem, was sie können und was sie wissen. In vielen Fällen kommt zu dem mangelnden emotionalen Management der Lehrer auch noch die Angst dazu, sich sozialen Herausforderung stellen zu müssen, in Bezug auf den Umgang mit Schülern, die zu Hause Probleme haben, mit Eltern, die nicht zu den Sprechtagen in der Schule kommen, gleichzeitig aber extrem anspruchsvoll sind und stets Erklärungen und Ausflüchte suchen, wenn ihre Kinder mit schlechten Noten nach Hause kommen.

Die Wahrheit ist, dass Probleme wie Mobbing in Schulen immer weiter zunehmen. Doch wer bereitet einen Lehrer auf diese gewalttätigen Situationen vor? Nur wenige bis gar keine Lehrer haben sich intensiv mit der emotionalen Bewältigung solcher Konflikte beschäftigt. Dennoch hat die große Mehrheit der Lehrer diese schon erlebt.

In jedem Fall beginnt die emotionale Steuerung einer Gruppe bei der Regulierung der eigenen Emotionen. Und Lehrer sind keine Maschinen, die das Klassenzimmer betreten und ihre Emotionen vor der Türe lassen könnten. Sie unterrichten mit ihren eigenen Träumen, aber auch mit ihren eigenen Anliegen. Auf der anderen Seite brechen viele Studenten der Pädagogik ihr Studium ab, eben weil sie ihre Illusionen oder Überzeugungen zu sehr erschöpfen.

Der Einfluss der Lehrer auf seine Schüler ist so groß, dass diese sich verändern, wenn auch sie sich ändern. Daher hat ein gutes emotionales Management von Lehrern sehr positive Auswirkungen auf die Schüler.

„Unsere Lehrer beeinflussen uns für immer und niemand kann sagen, wo ihr Einfluss wirklich endet.“

Henry Brooks Adams

Trauriges Kind in der Klasse

Grundkompetenzen für gesundes emotionales Management von Lehrern

Es gibt fünf grundlegende Kompetenzen im emotionalen Management, die besonders, aber nicht nur für Lehrer von Bedeutung sind. Das Schema, in dem wir sie vorstellen möchten, stammt von Peter Salovey, der sie so organisiert hat, wie wir sie nachfolgend präsentieren:

  • Selbsterkenntnis: Wenn wir unsere eigenen Emotionen und deren Beziehung zu unseren Gedanken und Handlungen kennen, können wir uns selbst bewusster werden und uns verbessern.
  • Emotionale Kontrolle: Diese erlaubt es uns, die Impulsivität zu mindern, die uns in einer Stresssituation zu ungünstigen Entscheidungen verleiten kann.
  • Die Fähigkeit, andere zu motivieren: Es hilft uns, zu wissen, wie wir uns selbst motivieren können, und dieses Wissen ermöglicht es uns auch, andere, zum Beispiel unsere Schüler, zu motivieren.
  • Empathie: Empathie macht es leichter, uns in die Schüler hineinzuversetzen, sie besser zu verstehen und zu erreichen. Denn dieser eine Schüler, der sich im Unterricht weigert, sein Buch zu öffnen, hat vielleicht Eltern, die sich gerade trennen und sich nicht um ihn kümmern.
  • Soziale und Führungskompetenzen: Diese ermöglichen eine effektive Interaktion mit den Schülern, ohne dabei unsere Autorität zu verlieren.

„Studenten sind wie frischer Zement: Alles, was darauf fällt, hinterlässt eine Spur.“

Haim Ginott

Lehrerin mit ihren Schülern

Ein Schutzfaktor gegen den Lehrerstress

Ein effektives emotionales Management verleiht Lehrern mehr Ressourcen, um bestimmte Stressstituationen besser bewältigen zu können, in denen ihre Handlungen das Lernen und das Wohlbefinden der Schüler fördern oder behindern mögen. Ebenso befähigt es sie, den Herausforderungen und Schwierigkeiten entgegenzutreten, die eine konfliktreiche Klasse, eine große Anzahl an Schülern oder die mangelnde Lernmotivation einiger Schüler mit sich bringen. Weiterhin lassen sich so Störungen wie Depressionen und Angstzustände vermeiden.

Lehrer zu sein ist nicht leicht; das haben wir alle bereits selbst erlebt. Volle Klassen, unmotivierte Schüler und die ständige Belastung, alle bestmöglich fördern zu müssen. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass wir vor vielen Jahren selbst hinter diesen Schreibtischen gesessen sind und unsere eigenen Probleme hatten und dabei überzeugt waren, dass uns niemand verstehe. Wie gut wäre es damals für uns gewesen, wenn, anstatt von jenen Lehrern, denen wir keine Aufmerksamkeit geschenkt hatten, herablassende Blicke zu erhalten, diese nach der Stunde zu uns gekommen wären, und uns mit nur einem Satz vermittelt hätte, dass er eben nicht jenes Gefühl vergessen hat, das er selbst vor nicht allzu langer Zeit verspürt hat, als er selbst auf einem dieser Stühle saß.