Emotionale Schwämme: Menschen mit gefühlsmäßiger Überlastung

10 Juli, 2020
Glaubst du, dass du ein extrem einfühlsamer Mensch bist und diese Tatsache manchmal dazu führt, dass du unnötig leidest? Wenn ja, dann könntest du ein emotionaler Schwamm sein. Wir sagen dir, welche Eigenschaften emotionale Schwämme haben und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. 
 

Einige Menschen sind von Natur aus sehr sensibel. Andere wiederum werden unter gewissen Umständen sehr einfühlsam und verletzlich. In beiden Fällen verhalten sich diese Menschen wie „emotionale Schwämme“, indem sie sehr leicht die Emotionen absorbieren, welche sie umgeben.

Im Prinzip haben emotionale Schwämme ihren Mitmenschen gegenüber einen gewissen Vorteil: Sie haben eine ausgesprochen scharfe Wahrnehmung. Allerdings hat diese Fähigkeit auch eine negative Seite, denn es besteht gleichzeitig die Gefahr einer emotionalen Überlastung. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass diese Menschen früher oder später unter extremen Spannungen und permanentem Stress leiden, welchen sie nur sehr schwer abbauen können.

Menschen, die emotionale Schwämme sind, werden sehr leicht überwältigt und überfordert. Was also eigentlich eine Tugend sein sollte, wird letztendlich zu einer großen Last. Darüber hinaus kommt es leider häufig vor, dass andere Menschen ihre Empathie und Anteilnahme ausnutzen und sie dadurch zusätzlich überlasten.

 
emotionale Schwämme - traurige Frau

Emotionale Schwämme: Eigenschaften und Merkmale

„Emotionale Schwämme“ haben einige Gemeinsamkeiten, die sie von anderen Menschen unterscheiden und abheben. Im Allgemeinen nehmen sie die emotionale Verfassung anderer Menschen sehr genau wahr. Darüber hinaus:

  • Sind sie sehr intuitiv. Niemand muss ihnen sagen, wie er oder sie sich gerade fühlt, denn sie können sehr genau spüren, ob sich ein Mensch gut oder schlecht fühlt.
  • Außerdem sind emotionale Schwämme extrem empathisch. Allerdings sind sie nicht nur dazu in der Lage, sich in die Situation eines anderen Menschen hineinzuversetzen, sondern sie tun dies auf sehr extreme Art und Weise. Daher empfinden sie die Emotionen anderer Menschen, als wären es ihre eigenen.
  • Darüber hinaus fühlen sie sich für das Wohlbefinden anderer Menschen verantwortlich. Insbesondere glauben sie, dass sie Menschen helfen müssen, die sich nicht gut fühlen. Tatsächlich ärgern sie sich über sich selbst, wenn sie es nicht tun.
 
  • Sie suchen nach Lösungen für die Probleme anderer Menschen. Ihr übermäßiges Einfühlungsvermögen und die Tatsache, dass sie den Schmerz anderer zu ihrem eigenen machen, führt dazu, dass sie viel Zeit damit verbringen, über Lösungen für die Probleme anderer Menschen nachzudenken.
  • Des Weiteren werden sie häufig von den Emotionen anderer Menschen überwältigt. Für emotionale Schwämme ist es sehr schwer, sich selber gut zu fühlen, wenn sie wissen, dass ein anderer Mensch leidet. Das liegt daran, dass sie die negativen Emotionen anderer Menschen förmlich aufsaugen.
  • Außerdem ziehen sie toxische Menschen an. Häufig sind sie von Menschen umgeben, die voller Probleme sind oder die versuchen, andere emotional auszunutzen.
  • Sie priorisieren andere Menschen. Emotionale Schwämme handeln, als müssten sie ihr eigenes Wohlbefinden opfern, um das anderer Menschen zu verbessern.

Emotionale Regulatoren

Aufgrund ihrer Überempfindlichkeit, Empathie und Solidarität sind emotionale Schwämme sehr leicht verletzbar. Vermutlich haben diese Menschen bereits in sehr jungen Jahren damit begonnen, sich der Probleme anderer Menschen anzunehmen. Daher erwarten die Mitmenschen dann auch ganz automatisch Verständnis und Hilfe von ihnen, einfach weil sie dazu bereit sind.

 

Allerdings besteht das eigentliche Problem darin, dass diese empfindsamen Menschen sich letztendlich selber vergessen, ohne dies überhaupt zu bemerken. Denn meistens werden sie von den egoistischen Wünschen anderer Menschen angetrieben. Daher werden sie oft auch nur dann von ihnen wahrgenommen oder benutzt, wenn sie diesen Menschen nützlich oder behilflich sein können.

Ihre extreme Empfindsamkeit und Empathie führt dazu, dass sie die Rolle ewiger „emotionaler Regulatoren“ übernehmen. Der Preis dafür ist sehr hoch, denn letztendlich kann es passieren, dass sie an einen Punkt gelangen, an dem sie auch für sich selber „unsichtbar“ und potenzielle Opfer emotionalen Missbrauchs werden.

emotionale Schwämme - Frau mit geschlossenen Augen

Eine verschwommene Identität

Die Identität einer übermäßig empfindsamen Person kann aufgrund des erheblichen Einflusses, den andere Menschen auf ihre Emotionen haben, allmählich verschwimmen. Wir wollen dies an einem Beispiel verdeutlichen.

 

Eine Mutter sagt ihrem Sohn, er sei unsensibel, da er sie nicht oft anruft. Wenn du diese Situation genau analysierst, wirst du feststellen, dass die Situation tatsächlich genau das Gegenteil von dem ist, was die Mutter sagt. Vielleicht ist sie mit ihrem Sohn unsensibel und macht ihn für ihre eigenen Beschränkungen verantwortlich. Ein derartiges Verhalten ist ein Abwehrmechanismus und wird als projektive Identifikation bezeichnet.

Kurz gesagt, emotionale Schwämme müssen sich bewusst machen, wie stark sie toxischem Verhalten ausgesetzt sind. Anschließend müssen sie lernen, mit ihren Schuldgefühlen umzugehen, diese zu reflektieren und nicht zuzulassen, dass diese ihr Verhalten bestimmen. Und letztendlich müssen sie erlernen, ihre eigenen Gefühle wert zu schätzen und Grenzen zu setzen, wann immer dies erforderlich ist.

 

de Beijl, K. Z. (2016). Personas Altamente Sensibles: Descubre si lo eres y aprende a gestionar el día a día en tus relaciones, el trabajo, con tus hijos…. La Esfera de los Libros.