Emotionale Bildung - sollte sie in Schulen unterrichtet werden?

01 November, 2020
Emotionen sind bereits ab dem Zeitpunkt deiner Geburt ein Teil deines Lebens und sie haben einen großen Einfluss auf deine Persönlichkeit. Wenn emotionale Bildung ein Teil der schulischen Ausbildung wäre, würde dies dazu beitragen, dass Menschen bereits in ihrer Kindheit erlernen, zu erkennen, zu verstehen und zu wählen, wie sie denken, fühlen und handeln.

Emotionale Bildung ist eine Antwort auf die sozialen Erfordernisse, die in den klassischen Lehrplänen von Schulen und Bildungseinrichtungen nicht ausreichend behandelt werden. Dazu gehören Themen wie Angststörungen, Stress, Depressionen, Gewalt, Drogenmissbrauch, Selbstmord, riskante Verhaltensweisen und vieles mehr. Und all das ist größtenteils die Folge eines emotionalen Analphabetismus.

Darüber hinaus zielt emotionale Bildung, wie der Name bereits andeutet, auf die Entwicklung emotionaler Fähigkeiten ab. Emotionale Kompetenzen sind eine Kombination aus Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen. Sie sind erforderlich, um sich emotionaler Phänomene bewusst zu werden und sie zu verstehen und um Emotionen ausdrücken und angemessen mit ihnen umgehen zu können. Einige emotionale Kompetenzen sind beispielsweise Bewusstsein und emotionale Regulierung, Autonomie, soziale Kompetenzen, Lebenskompetenz und Wohlbefinden.

Schulen bringen den Kindern nicht das bei, was sie wirklich unbedingt wissen müssten

Daher erfordert die Entwicklung sozialer Kompetenzen fortlaufende praktische Übung. Denn emotionale Bildung beginnt bereits in den ersten Momenten deines Lebens und muss dein gesamtes Leben fortgeführt werden.

Aus diesem Grund sollte sie auch ein Teil aller Bildungssysteme sein; beginnend bei der frühkindlichen Erziehung, in Grund- und weiterführenden Schulen, in der Familie sowie auch in der Erwachsenenbildung. Darüber hinaus muss sie unter anderem auch über die allgemeinen und sozialen Medien und Organisationen, die sich an ältere Menschen richten, gelehrt werden (Bisquerra, 2011).

emotionale Bildung - Herz und Gehirn

Ist es notwendig, emotionale Bildung auch in Schulen zu unterrichten?

Der Psychologe Daniel Goleman, Autor des Buches EQ. Emotionale Intelligenz (1995) und Mitbegründer von CASEL (Collaborative for Academic, Social, and Emotional Learning), ist eine der maßgeblichsten Stimmen, wenn es um dieses Thema geht. Er sagt, dass die Menschen lernen müssen, ihre Emotionen zu kontrollieren. Insbesondere die sehr stressbehafteten und hinderlichen Emotionen.

Das liegt daran, dass sich die meisten Menschen permanent in der emotionalen Welt bewegen. Obwohl sie sehr häufig nicht dazu in der Lage sind, zu identifizieren, in welchem Umfeld sie sich tatsächlich befinden. Daher wird auch alles, was du lernst, durch deinen emotionalen Zustand beeinflusst.

Ab dem Zeitpunkt deiner Geburt lebst du mit Emotionen. Sie spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Bildung deiner Persönlichkeit und der Ausgestaltung deiner sozialen Interaktionen. Darüber hinaus erlebst du in jedem Umfeld und zu jeder Zeit Emotionen; mit deiner Familie, mit deinen Freunden und mit deiner Umwelt. Und auch mit deinen Altersgenossen, deinen Arbeitskollegen und vielen mehr.

Aber auch die Schule ist ein weiterer Wissens- und Erfahrungsbereich, in dem sich Emotionen entwickeln. In der Tat bedeutet Bildung, über die integrale Entwicklung von Menschen nachzudenken, wenn es um ihre kognitiven, physischen, sprachlichen, moralischen, affektiven und emotionalen Fähigkeiten geht (Cassà, 2005).

Emotionale Bildung: Diese Inhalte könnten Schulen in ihren Lehrplänen aufnehmen

  • Zuerst einmal geht es um emotionales Bewusstsein. Dies bedeutet, dass sich ein Mensch über seinen emotionalen Zustand bewusst wird und ihn durch verbale und/oder nonverbale Sprache zum Ausdruck bringt. Außerdem geht es um das Erkennen von Gefühlen und Emotionen anderer Menschen.
  • Zweitens sollte emotionale Regulation ein Thema sein. Dies ist die Fähigkeit, unangenehme Impulse und Emotionen zu regulieren, Frustration auszuhalten und zu wissen, wie man auf Befriedigung wartet.
emotionale Bildung - Kind hinter Smiley-Karton

Emotionale Bildung für mehr Wohlbefinden

Wohlbefinden hat eine persönliche und eine soziale Dimension. Daher ist das Wohlbefinden eine Realität. Wenn du damit arbeitest, kannst du die kurzsichtige Perspektive des individuellen Wohlbefindens überschreiten. All das, um dich auf die integrale Entwicklung von Menschen innerhalb ihrer jeweiligen Organisationen und Gemeinschaften auszurichten. Das Ziel ist soziales Wohlbefinden in Interaktion mit persönlichem Wohlbefinden (Bisquerra, 2011).

Neuere Forschungen haben genügend Beweise für die positiven Auswirkungen emotionaler Bildung geliefert. Die allgemeine Schlussfolgerung lautet, dass die systematische Entwicklung solcher Programme, welche die Mindestanforderungen an Qualität und Dauer erfüllen, einen wichtigen Einfluss auf die integrale Entwicklung der Menschen hat.

Darüber hinaus solltest du nicht vergessen, dass emotionale Fähigkeiten zu jenen gehören, die am schwierigsten zu erlangen sind. Ein normaler Schüler kann lernen, wie er Gleichungen zweiten Grades löst. Aber um Impulsivität in kritischen Situationen automatisch regulieren zu können (und Gewalt zu verhindern), ist ein jahrelanges Training und viel Übung erforderlich. Das ist eine der Herausforderungen, die emotionale Bildung bewältigen muss. Daher muss ihr auch genügend Zeit und Raum gewidmet werden.

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand wären wöchentliche Einheiten von 45 bis 60 Minuten während der gesamten Dauer der Schulzeit und über mehrere Jahre hinweg eine angemessene Maßnahme (Bisquerra, 2011).

Bisquerra, R. (2011). Educación emocional. Propuestas para educadores y familias. Bilbao: Desclée de Brower.

Cassà, È. L. (2005). La educación emocional en la educación infantil. Revista interuniversitaria de Formación del Profesorado19(3), 153-167.