Einige Träume bereiten dich darauf vor, dich deinen Ängsten zu stellen

13 Oktober, 2020
Viele unserer Ängste und Befürchtungen zeigen sich in Form schlechter Träume. Die gute Nachricht ist, dass die Wissenschaft nun einige Erkenntnisse darüber gewonnen hat, inwiefern Träume ein psychologischer Mechanismus sein könnten, der dich darauf vorbereitet, dich deinen alltäglichen Ängsten zu stellen.

Einige Träume bereiten dich darauf vor, dich deinen Ängsten zu stellen. Daher erfüllt dieses wundersame Traumland, in das dich dein Gehirn jede Nacht entführt, in gewisser Weise auch einen therapeutischen Zweck. Neueste Studien haben ergeben, dass viele Ängste und Sorgen in dieser unbewussten Umgebung erscheinen, um dich bei der Regulierung ihres Einflusses auf dein bewusstes Leben zu unterstützen.

Die Ergebnisse sind wirklich erstaunlich. Zum Beispiel ist die Vorstellung, dass ein schlechter Traum oder sogar ein Albtraum einen bestimmten Zweck für dein Gleichgewicht, deine Anpassung und dein Wohlbefinden erfüllt, gleichermaßen interessant und überraschend. Umso mehr, da einige Dinge in der Traumwelt so rätselhaft sind wie jene Dimension, die bis vor kurzem vollkommen jenseits des menschlichen Verständnisses lag.

Im achtzehnten Jahrhundert galten schlechte Träume beispielsweise als eine Art Geisteskrankheit, genau wie jene Zustände, in denen sich menschliches Leiden manifestiert. Allerdings veränderte sich diese Vorstellung im Laufe der Zeit. Denn heute definieren sie Experten in diesem Gebiet, wie Dr. Deirdre Barrett, eine klinische Psychologin der Cambridge Health Alliance, als emotionale Reaktion, die Teil der menschlichen Evolution ist.

Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren erleben häufiger Albträume. Die Umgebung ist für sie voller Dinge, die sie nicht verstehen, voller Situationen, die sie als bedrohlich empfinden und welche ihnen dann auf beängstigende und schreckliche Weise in ihren Träumen erscheinen. Wenn sie älter werden und heranreifen, verschwinden diese erschütternden Traumwelten dann allmählich wieder.

deinen Ängsten - Frau mit Albtraum

Einige Träume bereiten dich darauf vor, dich deinen Ängsten zu stellen

In der kognitiven Verhaltenstherapie wird normalerweise eine ganz bestimmte Strategie angewendet, um Patienten dabei zu helfen, die Intensität ihrer emotionalen Reaktionen auf bestimmte Ängste, Phobien oder Situationen, die extremen Stress verursachen, zu reduzieren. Dieser Ansatz nennt sich Expositionstherapie. Dabei wirst du direkt in eine Situation versetzt, die dich mit deinen Ängsten konfrontiert. Aber natürlich sind dies Situationen, die jederzeit unter absolut kontrollierten Bedingungen ablaufen.

Erstaunlicherweise kommen alle Menschen mit einem ähnlichen Mechanismus auf die Welt, der dem gleichen Zweck dient. Einer, der dir dabei helfen soll, dich deinen Ängsten zu stellen. Darüber hinaus ist diese sehr menschliche Ressource weitaus realistischer. Selbstverständlich handelt es sich um Träume. Denn jeder hat schon diese Traumsequenzen erlebt, in denen er sich mit seinen schlimmsten Ängsten konfrontiert sah.

Ein Bewerbungsgespräch, eine Prüfung, ein Flug, Angst vor dem Verlassenwerden oder die Angst davor, von deinem Partner betrogen zu werden usw. Jede dieser Situationen ist für viele Menschen eine Quelle der Angst. Außerdem weiß das auch dein Gehirn. Es ist sich darüber bewusst. Daher überträgt es diese Situationen zu adaptiven Zwecken häufig gezielt in deine Träume.

Daher verfolgt es das Ziel, dass du dich mit deinen Ängsten auseinandersetzt, um sie sichtbar zu machen und um dich dazu zu bewegen, sie zu lösen. Allerdings geschieht dies oft mittels komplexer Symboliken, die nicht immer einfach zu entschlüsseln sind.

Schlechte Träume (keine Albträume) bereiten dich vor und könnten deine therapeutischen Verbündeten sein

Es mag aus verschiedenen Gründen schwer zu glauben sein, dass deine schlechten Träume die Funktion haben, dir dabei zu helfen, dich deinen Ängsten zu stellen. Zuerst einmal, weil unangenehme Träume Unwohlsein und Unbehagen erzeugen. Daher ist der Gedanke nicht ganz einfach zu akzeptieren, sie wären etwas, das dir bei irgendetwas helfen könnte.

Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Aspekt: Viele Menschen erinnern sich gar nicht an ihre Träume. Wie lässt sich ein solcher Zweck denn dann überhaupt erklären? Im vergangenen Jahr haben die Universität Genf an den Genfer Universitätskliniken und die University of Wisconsin eine interessante Studie veröffentlicht.

Eine Tatsache, die in langen Untersuchungen beobachtet werden konnte, ist die, dass Angst intensiv deine zerebrale Amygdala aktiviert. Dies ist jenes Hirnareal, das dafür verantwortlich ist, die Empfindung von Angst und Alarm zu erzeugen. In der erwähnten Studie mussten die Teilnehmer jeden Tag ihre Träume aufschreiben und versuchen, diese zu verstehen. Sie mussten ihnen einen Sinn geben.

Viele dieser schlechten Träume hatten mit realen Problemen, Situationen, Stress und Belastungen zu tun. Nur das einfache Verstehen der Botschaften dieser Träume half den Probanden dabei, ihre emotionale Last zu reduzieren. Darüber hinaus half es ihnen auch bei der Entwicklung von Bewältigungsstrategien.

Allerdings haben die Verantwortlichen dieser Studie, in der untersucht wurde, wie Träume dich darauf vorbereiten, dich deinen Ängsten zu stellen, deutlich hervorgehoben, dass Albträume nicht dem gleichen Zweck dienen. Denn Albträume erzeugen übermäßig intensive Emotionen, die einen sehr negativen Einfluss auf die Gesundheit des Betroffenen haben. Im Gegensatz zu den schlechten Träumen, in der die Angst nur mäßig ist.

deinen Ängsten - Frau trägt großen Felsblock

Die Traumwelt, ein Raum, in dem du dich mit dir selber konfrontieren und dich verstehen kannst

Wie einer der Forscher, Dr. Lampros Perogamvros, betont, besteht ein Ziel darin, Träume und ihr Verständnis als einen Weg zur Behandlung von Angststörungen zu nutzen. Obwohl dies keine exklusive Therapieform wäre, könnte es dennoch ein Instrument sein, mit dem der Kern der Probleme angegangen und auch die emotionalen Auswirkungen reguliert werden könnten.

Auf gewisse Weise passt diese Vorstellung zu dem, was Carl Jung einst sagte: Die unbewusste Welt und der Stoff, aus dem die Träume gewoben sind, dient keinem anderen Zweck als der Wiederherstellung der psychischen Balance. Es handelt sich um einen weiteren Kanal, den du verstehen und zu deinem eigenen Vorteil nutzen musst. Daher solltest du auch deine schlechten Träume aufschreiben. Außerdem ist dies ein Weg, um sie besser zu verstehen, zu akzeptieren und Veränderungen in deinem bewussten Leben vorzunehmen, um dich deinen Ängsten zu stellen.

Es ist eine komplizierte, aber gleichermaßen interessante Aufgabe und die Beschäftigung damit ist zweifelsohne sehr von Nutzen.

“Halte an deinen Träumen fest, denn wenn die Träume sterben, ist das Leben wie ein Vogel mit gebrochenen Flügeln, der nicht fliegen kann.”

-Langston Hughes-

  • Virginie Sterpenich, Lampros Perogamvros, Giulio Tononi, Sophie Schwartz. Fear in dreams and in wakefulness: Evidence for day/night affective homeostasis. Human Brain Mapping, 2019; DOI: 10.1002/hbm.24843