„Einer flog über das Kuckucksnest“: Freiheit und Wahnsinn

9. Februar 2019

Heute sprechen wir über den verstorbenen Miloš Forman, einen Regisseur, der großartige Filme erschuf, wie zum Beispiel Einer flog über das Kuckucksnest  (1975, englischer Originaltitel: One Flew Over the Cuckoo´s Nest). Unter der Regie von Forman und inspiriert von Ken Keseys Roman ist Einer flog über das Kuckucksnest  einer der Filme, die in die Filmgeschichte eingegangen sind und heute als Klassiker gelten. Er umfasst Szenen, auf die sich andere Shows und Filme immer wieder beziehen. Dieser Film ist außerdem ein Beispiel für die unvergessliche Leistung von Schauspieler Jack Nicholson.

Einer flog über das Kuckucksnest  gewann fünf Oscars und stellte uns Randle McMurphy vor, einen Mann, dem eine Gefängnisstrafe droht. Er versucht, sich als Verrückter dem Einsitzen zu entziehen. Daher wird er in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, wo er untersucht wird und mit den übrigen Patienten zusammenlebt.

Schwester Ratched arbeitet dort. Sie ist die Hauptantagonistin des Films und eine unnachgiebige Frau, die Patienten mit Arroganz behandelt. McMurphy bringt für den Rest der Patienten frischen Wind in die Klinik. Er beginnt, ihr Verlangen nach Freiheit zu wecken, und dies führt schließlich zu zahlreichen Auseinandersetzungen mit Schwester Ratched.

Einer flog über das Kuckucksnest  ist ein Statement gegen psychiatrische Kliniken und ähnliche Anstalten. Der Film kritisiert, wie die scheinbar „verrückten Leute“ im Laufe der Geschichte behandelt wurden. Außerdem zeigt uns der Film, wie wir alle unsere eigene Freiheit wahrnehmen sollten.

Der Hauptdarsteller Jack Nicholson in "Einer flog über das Kuckucksnest"

Die Verrückten in Einer flog über das Kuckucksnest

Wer sind eigentlich die verrückten Leute? Die Antwort mag einfach erscheinen, aber wenn wir die Geschichte betrachten, werden wir feststellen, dass sich die Idee von „Verrücktheit“ im Laufe der Zeit geändert hat. Soziale Normen, medizinischer Fortschritt, Wissenschaft und andere Bereiche haben unsere Vorstellung von Wahnsinn grundlegend beeinflusst. Es gab eine Zeit, in der Fachleute den Wahnsinn als eine psychische Krankheit betrachteten, aber unser Verständnis von Wahnsinn hat sich seitdem geändert.

Verrückte Menschen waren nicht immer gleich und wurden nicht immer auf die gleiche Weise von der Gesellschaft ausgeschlossen. Manchmal versuchten die Experten, sie zu „heilen“, indem sie sie zu Behandlungen wie Lobotomien zwangen. In anderen Fällen haben „Fachleute“ ihre Patienten bis in den Tod „behandelt“. Alles, was außerhalb des „normalen“ Bereichs lag, konnte verfolgt werden. Dies geschah beispielsweise im Mittelalter mit der Hexerei oder Krankheiten wie der Lepra. Die Geschichte des Wahnsinns ist auch auf das Interesse von Foucault gestoßen.

Foucault beschrieb die unzähligen Versuche, Verrückte zu retten und sie darauf zu trainieren, normal zu sein. Wie wurde das erreicht? Durch Autorität und Behandlungen, bei denen die Patienten einfach für nichtig erklärt und zu einer unterwürfigen Person gemacht wurden. Genau das sehen wir in Einer flog über das Kuckucksnes, als McMurphy, der gar nicht verrückt ist, in der psychiatrischen Klinik ankommt und sich eine Gruppe von Leuten gegenübersieht, die sich willenlos verhalten.

Eine Gruppentherapie im Film "Einer flog über das Kuckucksnest"

Die Krankenschwester spielt mit der Angst der Patienten. Wir sehen das besonders bei Billy. Er ist ein unsicherer, stotternder junger Mann, der mehrmals versucht hat, Selbstmord zu begehen. Ratched ist eine Freundin von Billys Mutter und jedes Mal, wenn er etwas anstellt, erinnert sie ihn daran, dass sie es seiner Mutter erzählen werde. Die Patienten gehorchen ihr, ohne kritische Fragen zu stellen. Sie haben Angst vor den Elektroschocks und Lobotomien, denen sie ausgesetzt sein könnten, wenn sie der Krankenschwester nicht gehorchen.

McMurphy weigert sich, zu gehorchen, da er keine unterwürfige Person ist. Er versucht vielmehr, die Freiheit wiederzuerlangen. Es ist interessant, wie diese Figur bei den anderen Patienten die gleichen Gefühle weckt. Es gelingt McMurphy, diese manipulierten Menschen dazu zu bringen, aus ihrem Verhalten aufzuwachen und sich Schwester Ratched entgegenzustellen. Schwester Ratched fühlt sich dadurch jedoch bedroht und unternimmt alles in ihrer Macht Stehende, damit McMurphy mit seinen Plänen nicht durchkommt.

Ratched gilt als gesund. Trotzdem zwingt sie ihren Patienten ihren eigenen Willen auf. Sie unterdrückt, quält und manipuliert sie so, dass sie sich wie „normale Menschen“ verhalten: unterwürfig und ohne die Fähigkeit zu kritischem Denken.

Die Krankenschwester in "Einer flog über das Kuckucksnest"

Die Suche nach Freiheit

Ab dieser Stelle enthält dieser Artikel Spoiler. Wenn du also den Film noch nicht gesehen hast und nicht wissen möchtest, wie er endet, höre besser mit dem Lesen auf. Inmitten all dieses „Wahnsinns“ wollen wir nämlich nicht außer Acht lassen, dass die Patienten immer noch Menschen sind, die Gefühle, Wünsche und Schmerzen haben. Schwester Ratched hat ihre Rolle so gut gespielt, dass sie eine ganze Armee von „verrückten Leuten“ unter ihrer Kontrolle hat.

Der Titel des Films ist ebenfalls sehr interessant, denn ein Kuckucksnest ist im englischen Sprachraum ein verächtlicher Name für eine Irrenanstalt. Andererseits spielt es auf ein im Roman erwähntes Kinderlied an: „Drei Gänse in einer Herde. Einer flog nach Osten, einer flog nach Westen, einer flog über das Kuckucksnest.“  Jeder Mensch geht also seinen eigenen Lebensweg. Wenn wir diese Interpretation betrachten, erkennen wir, dass der Dreiklang des Liedes auch im Film vorhanden ist:

  • Freiheit ist der Motor, der McMurphy antreibt.
  • Sein Streben nach Freiheit zwingt ihn, die Regeln der Institution infrage zu stellen.
  • Es schafft jedoch auch Solidarität zwischen den übrigen Patienten und treibt sie ebenso in die Freiheit.

McMurphy unternimmt die notwendigen Schritte, um die übrigen Patienten zu befreien. Er schlägt vor, dass sie ein Baseballspiel anschauen dürfen. Ein anderer Vorschlag ist der einer Party. McMurphy bedauert Billys Schwäche, weil er so jung ist und kaum gelebt hat. Er stellt auch eine Verbindung mit dem indianischen Häuptling her, einem rätselhaften und einsamen Charakter.

Szene aus dem Film "Einer flog über das Kuckucksnest"

Um auf die Idee des Dreiklanges zurückzukommen, sehen wir, dass es drei Figuren gibt, die in diesem Film ihre Freiheit erlangen: Billy, McMurphy und der indianische Häuptling. Diese drei Figuren sind wie die drei Gänse im Reim.

Der erste ist ein junger Mann voller Unsicherheiten und Probleme mit seiner Mutter. Ratched weiß das und nutzt diesen Umstand als Möglichkeit zur Erpressung. McMurphy weckt in Billy den Wunsch nach Freiheit und ermöglicht es ihm, mit einer anderen Frau in Kontakt zu kommen. Als Billy dabei entdeckt wird, hat er zwei Möglichkeiten. Er kann sich vor den Konsequenzen ducken oder sich mit seinen Gefährten weiterhin glücklich fühlen. Billy kann diesen Druck von Ratched jedoch nicht ertragen, weshalb er Selbstmord begeht. Nach dem Tod erreicht er seine Freiheit auf eine andere Weise.

Die Ärzte verurteilen McMurphy wegen Ungehorsams. Er wird lobotomisiert und findet sich in einem vegetativen Zustand ohne jegliche Freiheit wieder. Deshalb sympathisiert der Häuptling, der sich jahrelang als taubstumm ausgab, mit ihm und tötet ihn als Maßnahme zur Befreiung. Er tut ihm diesen Gefallen, weil McMurphy ihn zuvor befreit und ihm die Augen geöffnet hatte. Der Häuptling ist die einzige Figur des Films, die wirkliche Freiheit erreicht, da er der Einzige ist, der aus der Klinik fliehen kann.

McMurphy gelang es, Patienten aus der platonischen Höhle herauszuholen, in die Ratched sie eingeschlossen hatte. Die letzte Szene, in der der indianische Häuptling in die Freiheit läuft, macht Mut und bietet Hoffnung.

„Ich muss verrückt sein, um in so einem Irrenhaus zu sein.“

Einer flog über das Kuckucksnest