Eine Studie blegt: 68 % der Beziehungen beginnen mit einer Freundschaft

Liebe entsteht manchmal dann, wenn du sie am wenigsten erwartest, in der Person, die dir am nächsten steht.
Eine Studie blegt: 68 % der Beziehungen beginnen mit einer Freundschaft
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der psychologe Valeria Sabater am 15. November 2021.

Letzte Aktualisierung: 15. November 2021

Liebe kennt viele Wege: Manchmal entsteht sie beim ersten Blick, manchmal durch die Anziehungskraft der Leidenschaft, in anderen Fällen nach langen Gesprächen. Eine Studie belegt jedoch, dass Beziehungen bei 86 % mit einer Freundschaft beginnen.

Die Liebe entsteht also meist langsam und entwickelt sich durch Komplizenschaft, gegenseitige Unterstützung, unterhaltsame Momente und Harmonie, die früher oder später zu einer affektiven Bindung führen. Die in der Zeitschrift Social Psychological and Personality Science veröffentlichte Studie, die wir nachfolgend näher betrachten werden, weist darauf hin, dass sich die meisten Paare anfangs nicht zueinander hingezogen fühlen.

Vielleicht handelt es sich um einen Mitschüler, eine Arbeitskollegin oder um einen Sportfreund, also  um eine Person, die sich nach einer gewissen Zeit als besonders charmant oder perfekt ausweist. Sie entwickelt sich fast unbewusst zu einer wichtigen Figur in deinem Leben und allmählich wirst du dir bewusst, dass du nicht mehr ohne sie leben kannst.

Eine aktuelle studie weist darauf hin, dass Liebe, die mit einer Freundschaft beginnt, sich in der Regel nach ein bis zwei Jahren äußert.

Eine Studie blegt: 86 % der Beziehungen beginnen mit einer Freundschaft

68 % der Beziehungen beginnen mit einer Freundschaft

Der leitende Wissenschaftler dieser Studie ist Danu Anthony Stinson von der University of Victoria in Kanada. Die Ergebnisse dieser Studie sind logisch, auch im Zeitalter von Tinder und ähnlichen Apps, die es erleichtern, einen One-Night-Stand zu organisieren. In Wirklichkeit verlieben sich jedoch die meisten noch immer langsam bei alltäglichen Aktivitäten.

Das heißt aber keineswegs, dass Beziehungen, mit einer Freundschaft beginnen, besser sind als die Liebe auf den ersten Blick. Aber die Art und Weise, wie sie gebaut sind, macht sie vielleicht noch viel interessanter. Eine Beziehung, die mit einer guten Freundschaft beginnt, gibt in der Regel mehr Sicherheit, da du die Person bereits sehr gut kennst. 

Aus der erwähnten Studie geht hervor, dass sich die Liebe durchschnittlich nach 22 Monaten Freundschaft äußert. Fast zwei Jahre, in denen Vertrauen, Bewunderung und verborgenes Verlangen aufgebaut werden.

Von der Freundschaft über die platonische Liebe bis zur Festigung einer Beziehung

Kino und Fernsehen zeigen uns oft märchenhafte Geschichten, die mit der Liebe auf den ersten Blick beginnen. Diese idyllische Vorstellung hängt unter anderem damit zusammen, dass der Film sonst viel zu lang wäre.

Viele Freundschaften durchlaufen verschiedene Phasen. Dies gilt bei jeder Art von Beziehung, ganz unabhängig davon, ob es sich um heterosexuelle Freundschaften oder Beziehungen in der LGBTQ+Gemeinschaft handelt. Nach einigen Monaten entwickelt sich in der Freundschaft oft platonische Liebedie jedoch nicht unbedingt mit sexuellem Verlangen einhergehen muss. In der Freundschaft entsteht eine emotionale und intellektuelle Anziehung, die oft zu einer Idealisierung führt.

Körperliche Anziehung und sexuelles Begehren treten erst in der letzten Phase auf. Zu diesem Zeitpunkt entwickelt sich die anfängliche Freundschaft zu Liebe.

Echte, fürsorgliche Freundschaft wird oft von einer intellektuellen Anziehung begleitet, die der Sapiosexualität gleicht. Das sind Menschen, die auf eine Vielzahl von Details und Aspekten achten, die nach und nach zu einer Beziehung führen.

68 % der Beziehungen beginnen mit einer Freundschaft

Die Wege der Liebe

Danu Anthony Stinson weist auch darauf hin, dass ein großer Teil der Befragten dieser Studie eine Beziehung bevorzugten, die mit einer Freundschaft beginnt. Die meisten setzen voraus, dass Freundschaft für eine affektive Bindung wesentlich ist. Sie sind sich so sicher, dass sie sich an die geliebte Person, mit der sie schon viel geteilt und erlebt haben, anlehnen können. Wie bereits erwähnt, bedeutet dies nicht, dass Beziehungen, die mit einer Freundschaft beginnen, glücklicher oder haltbarer sind als andere.

Jeder findet die Liebe auf seine eigene Weise, es gibt keine besseren oder schlechteren Wege. Denn das Entscheidende ist, was danach passiert, wie sich die Liebe mit der Zeit im Alltag entwickelt. Diese Phase ist für uns alle immer wieder neu und verlangt von uns viel Anstrengung und feines psycho-emotionales Geschick.

Wir können jedoch niemals die Variable der Freundschaft aus der Gleichung der Liebe entfernen. Ohne sie bleiben nur die Leidenschaft und das Verlangen, flüchtige Dimensionen, die zwar intensiv sind, aber normalerweise nicht von Dauer sind und die Beziehung nur kurzfristig nähren.

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  • Stinson DA, Cameron JJ, Hoplock LB. The Friends-to-Lovers Pathway to Romance: Prevalent, Preferred, and Overlooked by Science. Social Psychological and Personality Science. July 2021. doi:10.1177/19485506211026992