Eine Frau unter Einfluss: Ein Film mit einer feministischen Botschaft

· 22. November 2018

Der Internationale Frauentag – am 8. März schrieben wir Frauen Geschichte. Von Tapferkeit angetrieben, wie man sie nur selten auf solch eine weitverbreitete und intensive Weise gesehen hatte, gehörten uns zum ersten Mal die Straßen. Überall hörte man, wie Frauen ihre Stimme erhoben. Und ab diesem Tag sollte nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Jede einzelne schleppte ihren ganz eigenen emotionalen Rucksack auf ihrem Rücken mit sich herum, in dem Wissen, dass sie unter dieser unsichtbaren, aber schweren Last zu leiden hatte. Und trotzdem schafften es diese Frauen, mutig zu sein, ihren Zorn herauszuschreien, ihre Sorgen gemeinsam in die Welt zu tragen und in Forderungen zu vereinen.

Mit Blazer oder Dreadlocks, als Bankdirektorin oder Studentin, alle waren dort, weil sie das Gleiche erlebten: Ungleichheit, Gewalt, die Gläserne Decke und vieles mehr. Sie alle lebten diese Unterdrückung, aber jede ihrer Geschichten war anders.

Es gibt einen Film mit dem Titel Eine Frau unter Einfluss,  der den Kampf einer Frau widerspiegelt, die in einer von Männern regierten Welt wahrgenommen werden will. In einer Welt, in der sie stigmatisiert, angegriffen und missachtet wird. Es ist die Geschichte einer mutigen und tapferen Frau. Eine Geschichte, wie sie uns in unserem realen Leben oft begegnet. Ein Film mit einer kraftvollen feministischen Botschaft.

Eine Frau unter Einfluss:  Eine feministische Botschaft gegen das Stigma der psychischen Störungen bei Frauen

Unter der Regie von John Cassavetes, einem der renommiertesten unabhängigen Regisseure Nordamerikas, erzählt der Film von der schwierigen Familiensituation, die von Mutter Mabel geprägt ist, die beeindruckend von Gena Rowlands gespielt wird. Rowlands gewann für diese Rolle den Golden Globe als beste Schauspielerin und wurde für einen Oscar nominiert.

Im Film sehen wir, wie Mabel ein paar sehr eigene Ausdrucksformen besitzt, vielleicht etwas frech auftritt, aber keinesfalls gewalttätige oder bedrohliche Verhaltensweisen zeigt. Ihr Mann, Nick, ist ein Arbeiter, der von Peter Falk, den wir vor allem als Columbo kennen, verkörpert wird. Er beobachtet sie, so als stimme etwas nicht mit ihr.

In einem von Testosteron geprägten Ambiente bereitet Mabel eines Tages das Essen zu. Sie möchte, dass Nicks Gäste und Mitarbeiter sich wohlfühlen und amüsieren können. Ihr Verhalten mag seltsam anmuten und vielleicht weiß sie wirklich nicht, wie man herzlich oder freundlich auftritt. Aber sie bemüht sich sehr, dass es allen gut geht.

Nick hört jedoch nicht auf, ihr Verhalten zu verurteilen, schreit sie an und schätzt nichts von alledem, was sie tut. Er erniedrigt sie vor allen und respektiert weder ihren persönlichen Freiraum, noch ihre Art, sich der Welt gegenüber auszudrücken.

Eine Lebensweise sollte nicht mit einer psychischen Erkrankung verwechselt werden

Ohne zu spoilern, kann ich nur sagen, dass wir im Laufe des Films sehen, dass die Menschen in ihrem Umfeld wahrscheinlich nicht an solch eine eigentümliche Persönlichkeit gewöhnt sind, die dennoch sehr sensibel und liebevoll mit ihrer Familie umgeht. Ihre Reaktionen werden immer extremer, weil das Verhalten ihres Mannes unberechenbar und erstickend ist.

Nick weiß nicht, wie er mit seiner Frau umgehen soll. Er widerspricht sich selbst in dem, was er sagt, in dem, wie er sie ansieht, und schließlich auch in dem, wie er sie behandelt. Auf diesen Kommunikationsebenen ist Mabel eine Gefangene. Derjenige, der ihr sagt, dass er sie am meisten lieben würde, ist derjenige, der sie vor allen anderen am meisten stigmatisiert. Vielleicht denken er und auch andere, dass eine Frau mit starker Ausdruckskraft ernsthaft „gestört“ sein müsste.

Ab diesem Punkt wird die kraftvolle feministische Botschaft in Eine Frau unter Einfluss  vermittelt: Ihre Kinder, die die Vorurteile der Erwachsenen noch nicht verinnerlicht haben, bewundern die Lebensweise ihrer Mutter, ihre Eigenart und ihren intensiven Ausdruck von Zuneigung. Der Einfluss, unter dem Mabel stand, der von Ignoranz und dem Männlichkeitswahn geprägt war, hatte sicherlich nichts mit einer psychischen Störung zu tun.