Eigenschaften und Funktionen der 6 Grundemotionen

12. September 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Eine Frau hüpft vor Freude

Wir haben die Angewohnheit, mit Vernunft und Emotionen umzugehen, als ob letztere erstere verändern könnten. Wir glauben, dass Emotionen hedonistisch, transzendent und irrational wären. Dieser Glaube führt uns zum Trugschluss, dass Emotionen überhaupt keinen Zweck erfüllten.

Das ist allerdings ein großer Fehler. Emotionen spielen eine sehr große Rolle und erfüllen wichtige Funktionen: Sie helfen uns, unser Verhalten zu steuern und schnell zu handeln. Die wichtigsten Emotionen sind die, die wir als Grundemotionen bezeichnen, nämlich Überraschung, Ekel, Angst, Glück, Trauer und Wut.

Diese Grundemotionen sind Teil der natürlichen Entwicklung eines jeden Menschen. Sie sind für alle gleich, unabhängig von der kulturell geprägten Umgebung. Im Allgemeinen beruhen sie auf Prozessen, die mit Evolution und Anpassung zusammenhängen und auf einem angeborenen, universellen Substrat gedeihen und keimen lassen, was wir unsere Gefühlswelt nennen.

Überraschung

Wir können Überraschung als die Reaktion definieren, die durch etwas Unerwartetes, Neues oder Seltsames hervorgerufen wird. Mit anderen Worten, als Reaktion auf einen Stimulus, an den das Subjekt vorher nicht gedacht hat. Die subjektive Erfahrung, die die Überraschung begleitet, ist ein Gefühl der Unsicherheit, zusammen mit dem Eindruck, dass der Geist völlig leer sei.

Eine überraschte Frau mit Brille

In Bezug auf physiologische Reaktionen sehen wir in der Regel eine Abnahme der Herzfrequenz und eine Zunahme des Muskeltonus. Die Atmung wird tiefer und der überraschte Mensch vokalisiert spontan in hohen Tönen.

Der Zweck der Überraschung ist es, das Arbeitsgedächtnis aller Restaktivitäten zu entleeren, um dem unerwarteten Reiz zu begegnen. Zu diesem Zweck aktiviert Überraschung Aufmerksamkeitsprozesse, zusammen mit dem Erkundungs- und Neugierverhalten. Je nach Qualität des unerwarteten Reizes folgen dieser Emotion oft Freude (positiv) oder Wut (negativ).

Ekel

Ekel ist eine der grundlegenden Emotionen, die wir schon aus Darwins Arbeit über tierische Emotionen kennen. Es handelt sich um ein Gefühl der Abstoßung oder Vermeidung der Möglichkeit (real oder imaginär), einen gefährlichen Stoff mit kontaminierenden Eigenschaften aufzunehmen. Das subjektive Empfinden ist großes Missfallen und eine ausgeprägte Abneigung gegen den störenden Reiz.

Die zentralen physiologischen Effekte umfassen verschiedene Magen-Darm-Probleme und vor allem Übelkeit. Es gibt auch eine allgemeine Zunahme der Aktivierung im Körper. Wir sehen das an der Erhöhung der Herz- und Atemfrequenz, der Hautleitfähigkeit und der Muskelspannung.

Die adaptive Funktion des Ekels besteht darin, jenen Reiz abzulehnen, der toxisch sein könnte. Übelkeit und Unwohlsein helfen dabei, den Betroffenen davon abzuhalten, Stoffe aufzunehmen, die für den Körper schädlich sind oder sein könnten. Im Laufe der Zeit hat diese Emotion auch einen sozialen Charakter angenommen; auch giftige soziale Reize lehnen wir ab.

Angst

Angst ist die Emotion, die Forscher am meisten an Menschen und Tieren untersuchen. Angst ist ein unerwünschter, aber überlebenswichtiger emotionaler Zustand. Sie beinhaltet eine starke Aktivierung, die zur Vermeidung und Flucht aus gefährlichen Situationen führt. Das Erleben von Angst entspricht einem Gefühl von Anspannung, verbunden mit der Sorge um die eigene Gesundheit und Sicherheit. Die Herztätigkeit nimmt schlagartig zu und die Atmung beschleunigt sich, wird flach und unregelmäßig.

Angst ist ein evolutionäres Erbe, das einen offensichtlichen Mehrwert für unser Überleben hat. Diese Emotion ist nützlich, um den Körper vorzubereiten und das das eigene Leben schützende Verhalten angesichts potenziell gefährlicher Situationen zu provozieren. Darüber hinaus hilft sie dabei, neue, schützende Reaktionen zu erlernen.

Eine Frau rennt mit Angst durch den Wald

Glück

Von allen grundlegenden Emotionen ist Glück wahrscheinlich die positivste. Wir verbinden Glück mit Vergnügen und Freude. Glück kommt zum Beispiel als Antwort auf die Verwirklichung eines persönlichen Ziels oder nach der Milderung einer unangenehmen Situation auf. In der Art und Weise, wie wir es ausdrücken, scheint es keine Überlebensfunktion mehr zu haben, scheint nicht mehr als das Spiegelbild unseres inneren Zustandes zu sein.

Glück ist jedoch eines der Gefühle, die uns zum Handeln bewegen. Es ist auch eine Belohnung für das Verhalten, das uns zugutekommt. Wenn wir etwas unternehmen, das ein Ziel erfüllt, entsteht Glück. Dank dieses Glücksgefühls werden wir dieses Verhalten wiederholen, um wieder Freude zu erleben. Das sind vielleicht die natürlichsten Motivatoren, die wir kennen.

Auf physiologischer Ebene sehen wir einen Anstieg der Herzfrequenz und eine schnellere Atemfrequenz. Hinzu kommt, dass das Gehirn mehr Endorphine und Dopamin freisetzt.

Trauer

Von allen grundlegenden Emotionen ist die Traurigkeit (neben der Angst) wohl die gefürchtetste. Diese Emotion beinhaltet einen Stimmungsrückgang sowie eine signifikante Reduktion der kognitiven und verhaltensmäßigen Aktivität. Trotz des schlechten Rufs, den diese Emotion erfährt, erfüllt sie Rollen, die genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger sind als die, die den übrigen Grundemotionen zugeschrieben werden.

Der Zweck der Traurigkeit ist es, in Situationen aktiv zu werden, in denen das Subjekt machtlos ist oder nicht direkt Einfluss auf den Ausgang nehmen kann. Ein Beispiel ist der Verlust eines geliebten Menschen: Die Traurigkeit senkt die Aktivität der Hinterbliebenen, was heißt, dass ihr Körper versucht, Ressourcen zu sparen und unnötige Anstrengungen zu vermeiden.

Traurigkeit spielt also eine selbstschützende Rolle. Sie erzeugt einen Wahrnehmungsfilter, der unsere Aufmerksamkeit auf uns selbst konzentriert und nicht auf den schädlichen Reiz. Am wichtigsten ist, dass sie den Einzelnen dazu drängt, soziale Unterstützung zu finden, die ihm aus einer depressiven Situation herauszuhelfen vermag.

Traurige Frau am Fenster

Wut

Wut entsteht, wenn sich eine Person in einer Situation befindet, die Frustration oder Abneigung hervorruft. Die Erfahrung von Wut ist unangenehm. Sie geht mit einem angespannten Gefühl einher, das uns zum Handeln veranlasst. Wut ist ein facettenreiches Gefühl und in vielen Fällen mehrdeutig. Wir sagen mehrdeutig, weil Wut nicht immer gerechtfertigt ist und das Objekt, auf das sie sich bezieht, nicht immer eindeutig identifiziert ist.

Auf physiologischer Ebene sehen wir eine übermäßige Zunahme der Aktivierung und Vorbereitung auf die Aktion. Wir beobachten eine Steigerung der Herztätigkeit. Muskeltonus und Atemfrequenz nehmen ebenfalls zu. Es kommt auch zu einem signifikanten Anstieg des Adrenalinspiegels. Das wiederum erhöht die kognitive Spannung.

Wut hat eine klare evolutionäre Funktion. Sie vermittelt uns die Ressourcen, die wir brauchen, um mit frustrierenden Situationen fertig zu werden. Wenn wir uns einer Gefahr gegenübersehen oder eine Herausforderung meistern müssen, hilft uns der Einsatz dieser Ressourcen, die Aktivierung zu erhöhen, um erfolgreich zu sein. Wenn wir unser Ziel nicht erreichen, nachdem wir Wut gespürt haben, dann kommen wir zur Traurigkeit. Das bedeutet, dass wir versuchen, das Problem mit anderen Werkzeugen zu lösen oder uns Ziel neu definieren müssen.

Ob positiv, negativ oder neutral, alle Emotionen haben einen Zweck, helfen uns, zu überleben. Auf der anderen Seite können sie auch gefährlich sein. Sie können uns beispielsweise in unangenehme Situationen bringen oder unser Verhalten dominieren. In diesen Fällen ist die emotionale Regulierung besonders wichtig. Emotionale Regulierung macht es uns möglich, uns von der Negativität abzuwenden, wenn unsere Emotionen die Oberhand gewinnen.

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