Eifersucht entsteht nicht durch das, was wir sehen, sondern uns vorstellen

10. Juni 2017 en Psychologie 338 Geteilt

Nur wenige Menschen sagen über sich selbst, dass sie eifersüchtig sind; die meisten sehen sich selbst als wesentlich weniger eifersüchtig an, als sie in Wahrheit sind. Die Realität nicht anerkennen zu wollen, beruht darauf, dass Eifersucht als Teil unseres Wesens von der Gesellschaft nicht erwünscht wird. Im Grunde genommen denken wir alle doch unbewusst das Gleiche: Eifersucht ist niemals positiv, weder für den Menschen, der dieses Gefühl verspürt, noch für die Person, an die es gerichtet ist.

Andererseits hat Eifersucht unvermeidbarer Weise etwas mit einem Besitzanspruch zu tun. Die Angst davor, etwas zu verlieren, kommt daher nur auf, wenn wir etwas besitzen oder hoffen, etwas zu besitzen. Doch wenn wir es allein dabei beließen – so logisch das auch klingen mag -, hätten wir keine Vorstellung von diesem Gefühl und genau so wenig davon, welche Motivation es bei uns auslöst.

Eifersüchtige Menschen

Nicht nur durchschnittliche Menschen sind eifersüchtig und die meisten Menschen, die Eifersucht in sich tragen, denken sogar, dass sie durchschnittlich sind. Diese Wahrnehmung veranlasst sie dazu, sich immer und immer wieder die gleichen Fragen zu stellen: „Wieso ist er mit mir zusammen, wenn ich doch eigentlich so einen wundervollen Menschen gar nicht verdiene?“ – „Wie lange wird diese Sinnestäuschung andauern, die sich Liebe nennt?“

Fragen, die ein Gefühl sehr bitterer Bedeutungslosigkeit für denjenigen bereithalten, der sie sich stellt, denn hinter ihnen verbirgt sich, dass derjenige nicht wirklich liebt und sich dagegen sträubt. Dieser Widerstand geht mit Zweifeln einher: „Wieso sollte ich mich einer Beziehung hingeben, die sowieso in die Brüche geht?“

Damit können wir natürlich nicht die Eifersucht eines Menschen rechtfertigen, aber zumindest erklären, dass es nicht einfach eine gesonderte Charaktereigenschaft ist, sondern nur ein weiteres Teil des Puzzles ist, das seine Persönlichkeit ergibt. Wenn wir eine eifersüchtige Person also nur aufgrund ihrer Eifersucht bewerten, gleicht das einer Untersuchung, bei der nicht nach der Entstehung einer Wunde gesucht wird oder nach den Ursachen dafür, dass diese nicht heilen will.

Doch wenn wir solch einem Menschen helfen wollen, möchten wir auch auf etwas hinweisen. Einem eifersüchtigen Menschen geht es im Grunde genommen sehr schlecht. Eigentlich hat er Angst, und es ist keine vorgespielte Angst, auch wenn alle anderen glauben, dass es keinen Grund für seine Angst gibt. Rational betrachtet kann eine eifersüchtige Person sogar ab und an selbst feststellen und verstehen, dass ihre Gefühle und Verhaltensweisen absurd sind. Leider gibt ihr das kein besseres Gefühl und verschlimmert sogar noch das Empfinden der Bedeutungslosigkeit.

Und so schließt sich der Kreis, der kein Ende nimmt und doch in den Abgrund führt.

Eifersucht entsteht durch unsere Vorstellungskraft

Manchmal bekommen wir das Gefühl, dass es uns ja schon fast gefallen würde, wenn es uns schlecht geht. Wir vertrauen unserem Partner, doch wenn er das Haus verlassen hat und wir sein Handy so allein dort liegen sehen, kann uns das dazu verleiten, es an uns zu nehmen und in seinen Nachrichten zu stöbern. Hier geht es nicht um einen Verdacht, sondern um ein Kontrollverhalten, so wie wenn wir nochmal ins Haus zurückgehen, um nach dem Licht zu sehen, das wir vielleicht angelassen haben.

Dann sehen wir auf einmal eine Nachricht mit „ich drück dich“, ein „viel Spaß“ – Worte eines Menschen, den wir nicht kennen. Ein „Kuss“ – Ein Kuss?! Wie? Wann? Wo? Ein liebevolles Dankeschön. Und schon kommen bei uns Fragen und Misstrauen auf. Wir haben uns selbst in eine schwierige Situation gebracht. Irgendwie wissen wir ja, dass wir nicht zugeben können, dass wir uns das Handy unseres Partners unter den Nagel gerissen haben… „Schatz, ich habe dein Handy durchgeschaut, um festzustellen, dass meine Eifersucht unbegründet ist.“  Das sagt doch kein Mensch!

Das würde nur jemand sagen, der sich absolut im Recht sieht, das zu tun, und der weiß, dass sein Partner kein Problem damit hätte. Nach einem Seitensprung ist es beispielsweise häufig so, dass der untreue Partner seiner besseren Hälfte so etwas erlaubt. Damit versucht er, dem anderen die Sicherheit darüber zu geben, dass so etwas nicht wieder passieren wird, und diese Kontrolle ist der Preis den er dafür zahlt, dass die Beziehung nicht daran kaputtgegangen ist. In anderen Worten könnten wir sagen, dass es in der Beziehung solcher Partner eine tickende Zeitbombe gibt, die nur darauf wartet, in die Luft zu gehen.

Kommen wir wieder zu unserer Spionin zurück, die lieber sterben würde als zuzugeben, was sie getan hat, und bei der langsam erste Zweifel aufkommen. Zweifel, die nichts mit den Worten „Kuss“ oder „Umarmung“ oder mit dem zu tun haben, was sie gesehen hat, sondern damit, was sie sich in Bezug darauf vorstellt. Von nun an wird sie nicht mehr an sein Handy gehen, um ihn zu überprüfen, sondern um einen Beweis für ihre schlimmsten Befürchtungen zu finden. Hatten wir nicht vorhin darüber gesprochen dass es so scheint, als würde es uns gefallen, zu leiden?

Das Motiv einer eifersüchtigen Person

Damit möchten wir sagen, dass ein eifersüchtiger Mensch immer einen Grund dafür finden wird, eifersüchtig zu sein, denn wir alle haben in unserem Leben Beziehungen, was für die Fantasie einer eifersüchtigen Person vollkommen ausreichend ist, um sich heimliche Affären vorzustellen. Sie erfindet Geschichten, von denen sie in den meisten Fällen niemandem erzählt, sie lieber schluckt und beinahe daran erstickt. Auf diese so tragische und in einigen Liebeskomödien dargestellte Art und Weise wird der Mensch leicht zu einem Gefangenen seiner eigenen Fantasien.

Doch der Grat zwischen einer begründeten und unbegründeten Eifersucht ist sehr schmal. Niemand möchte, dass sein Partner eine/n Geliebte/n hat, denn dann würde die Welt für ihn untergehen. Natürlich können wir leicht sagen, dass eine Beziehung, die sowieso zum Scheitern verurteilt ist, auch so in die Brüche gehen würde, ganz gleich, ob es da noch jemand anderen gibt. Doch wie wir eingangs schon erwähnt haben, steckt hinter diesem Gefühl etwas viel Komplexeres und Tiefgründigeres.

Falls du jetzt, am Ende dieses Artikels, auf eine einfache Schlussfolgerung gehofft hast, muss ich dich leider enttäuschen. Eifersucht und damit einhergehende Verhaltensweisen sind eine persönliche Entscheidung. Eines kann ich aber auf jeden Fall sagen: Jeder Einzelne von uns sollte sich darüber im Klaren sein, woher seine Gedanken und Gefühle kommen, wenn er sich auf eine bestimmte Weise verhält. In jedem Fall hat Eifersucht mehr mit unserer Vorstellungskraft als mit einer Tatsache zu tun, die sich in Wahrheit vor unseren Augen abspielt.

Auch interessant