Durch unsere Angst erfahren wir mehr über uns selbst

12. Oktober 2016 en Emotionen 3 Geteilt

Angst ist ein Gefühl, das einen Schutzmechanismus aktiviert und uns vor Gefahren warnt. Wenn die Angst nicht real ist, spricht man auch von einer irrationalen Angst. Dennoch ist und bleibt sie ein Gefühl, das uns etwas über unser wahres Ich verrät. Und wenn es uns gelingt, ihr einen Namen zu geben, können wir sie besiegen und uns dadurch besser kennenlernen.

Wenn du einmal an all die Ängste denkst, die du hattest oder denen du dich gestellt hast, ist dir bestimmt aufgefallen, dass sie gar nicht so schlimm waren. Ein Großteil deiner Ängste hattest du deiner Vorstellungskraft zu verdanken, die es dir in der Situation schwerer gemacht hat, als es eigentlich war.

Was verbirgt sich hinter der Angst?

Die Angst ist eine Reaktion unseres Körpers und besonders unseres Verstandes in Bezug auf eine Situation, auf ein Tier oder eine Person, die wir als Gefahr oder unangenehm wahrnehmen. Im Prinzip ist sie ein Überlebensinstinkt, welcher uns vor dem Risiko und der Gefahr beschützt. Doch oftmals ist es so, dass es gar keine Gefahr gibt, auch wenn wir Angst verspüren.

Unsere Angst kann so weit gehen, dass sie uns in unserem Alltag einschränkt, weil sie uns so sehr blockieren kann, dass wir nicht mehr dazu in der Lage sind, zu reagieren. Außerdem hat sie die Angewohnheit, noch größer zu werden, wenn wir sie nicht mit der Realität vergleichen.

„Es gibt nur eine Sache, die deinen Traum unmöglich macht: die Angst vor dem Scheitern.“

Paulo Coelho

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Wer sind wir?

Ab dem Moment unserer Geburt an leben wir, beobachten und erleben Gefühle, sowohl schöne als auch unschöne, und darunter befindet sich auch die Angst. Hinsichtlich unserer gemachten Erfahrungen können wir Ängste als eine Art Schutzmechanismus entwickeln, um vorzubeugen, dass sich eine unangenehme Situation, die wir zuvor schon erlebten, wiederholt.

Da die Angst eines unserer Grundgefühle ist, können wir durch sie etwas über uns selbst und über jede unangenehme Situation lernen, die uns widerfahren ist und die wir nicht erneut erleben möchten.

Unsere gesamten Emotionen werden in unserem Unterbewusstsein abgespeichert, weshalb wir uns nicht bewusst sind, was sie uns bezüglich gemachter Erfahrungen mitteilen möchten.

Sich furchteinflößenden Situationen stellen und sie nicht vermeiden

Je mehr sich die Angst in unser Leben schleicht, desto mehr versuchen wir, gefürchteten Situationen aus dem Weg zu gehen, um nicht noch einmal Schlimmes zu erleben. Das ist jedoch keine gute Entscheidung, da wir nichts lernen, wenn wir vor diesen Situationen weglaufen. Noch dazu wird unsere Angst immer größer und schwieriger zu bekämpfen.

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Wenn wir der Angst aus dem Weg gehen, wird sie dadurch nur noch größer und wir werden im Gegensatz immer kleiner und kleiner, weshalb wir mit der Zeit immer schwerere Geschütze auffahren müssen, um ihr die Stirn bieten zu können. Das macht sich nicht nur dadurch bemerkbar, wie sehr wir uns fürchten, sondern auch durch die Tatsache, wie sehr sie unser Leben einschränkt.

„Die Angst ist natürlich, weil sie ein Zeichen der Vorsicht ist; zu wissen, sie zu besiegen, ist ein Zeichen von Mut.“

Alonso de Ercilla y Zúñiiga

Die Angst zu überwinden bedeutet, uns selbst kennenzulernen

Es gibt nur einen Weg, der Angst ein Ende zu bereiten: Wir müssen uns ihr stellen, sie überwinden und dadurch bekommen wir ein Gefühl von Zufriedenheit – ein hübscher Nebeneffekt der Angst. Wenn wir sie beim Schopf packen, erfahren wir mehr über uns selbst, weil wir durch die Angst den Auslöser für diese, seine Bedeutung und unsere Interpretation der Gefahr kennenlernen.

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Wir entdecken Fähigkeiten und Fertigkeiten in uns, die wir vorher nicht hatten und die jetzt keine Angst mehr zulassen, da uns auffällt, dass wir nun im Vergleich zu vorher Strategien haben, um mit der gefürchteten Situation umzugehen. Höchstwahrscheinlich hat unsere Angst ihren Ursprung in der Kindheit.

Falls wir andererseits Ängste haben, die nicht verschwinden wollen, und wir auch das Gefühl haben, sie nicht besiegen zu können, wäre es angebracht, einen Spezialisten aufzusuchen. Dieser wird gemeinsam mit uns angemessene Strategien entwickeln, damit wir durch sie ein entspannteres Leben führen oder unsere Ängste sogar ganz aus unserem Leben verbannen können.

„Im Leben sollte man sich vor nichts fürchten, lediglich alles verstehen. Jetzt ist der Moment gekommen, mehr zu verstehen, um sich weniger zu fürchten.“

Marie Curie

Wir sollten auf unsere Gefühle hören

Es ist immer interessant, auf unsere Gefühle zu hören und herauszufinden, was uns jede einzelne Emotion unterbewusst mitteilen möchte.

Jedes Gefühl hilft uns dabei, mehr über uns selbst zu erfahren, weil uns unsere Gefühlswelt sagt, wie wir uns selbst sehen, was uns gefällt oder missfällt, was uns verletzt oder uns Freude bereitet und welche Situationen uns an Erfahrungen aus der Vergangenheit erinnern, ganz gleich ob diese positiv oder negativ waren.

Uns unserer Emotionen bewusst zu sein, ist für unsere eigene Person immer eine wertvolle Information, um an persönlichen Aspekten zu arbeiten, die eine Schwäche ausdrücken oder die in Bezug auf die Gegenwart wenig realistisch erscheinen.

Durch unsere Angst können wir wachsen und uns selbstsicherer fühlen

Da wir uns nicht im Klaren über unser eigenes Wachstum und unsere eigene Reife sind, verspüren wir oftmals Gefühle, die mit bereits gemachten Erfahrungen zusammenhängen. Für gewöhnlich stammen diese aus unserer Kindheit.Wir wachsen mit ihnen auf und ordnen Situationen in der Gegenwart als noch genauso gefährlich ein, wie wir es früher getan haben, als wir noch klein waren.

Wenn wir uns mithilfe unserer Angst selbst kennenlernen, erkennen wir, was uns blockiert und einschränkt, und wir überdenken, ob scheinbar gefährliche Situationen das auch tatsächlich sind. Wir denken dann um und betrachten diese Situationen als etwas, das wir in der Lage sind, anzugehen, da wir gewachsen sind und über Strategien verfügen, um diese Ängste erfolgreich zu besiegen.

Sobald wir unsere Fähigkeiten entdecken, fühlen wir uns selbstsicherer, um jeglicher Angst in der Gegenwart die Stirn zu bieten und dadurch können wir die Spur, die die Vergangenheit bei uns hinterlassen hat, einfach ausradieren.

„Die Angst ist der Anfang der Weisheit.“

François Mauriac
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