Du kennst wahrscheinlich einen Psychopathen

13, Juli 2017 en Psychologie 457 Geteilt

Einige begehen Massenmorde, andere planen eine Serie einzelner Morde. Manche sind deine Nachbarn, Freunde, Partner oder Bürgermeister, und vielleicht tun sie nie etwas Abscheuliches in der Öffentlichkeit, nur im Privaten. Man nennt diese Menschen Psychopathen und auch wenn man es kaum glauben mag, gibt es eine ganze Menge davon. Einige leben in Slums und misshandeln dort Tiere, mit anderen verhandelst du deinen Kredit auf der Bank. Einige werden kunstvoll auf der Leinwand dargestellt, wie etwa durch Anthony Hopkins in seiner Rolle des Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer,  andere agieren mit ebensoviel Geschick hinter den Kameras.

Psychopathen fallen in einer Gesellschaft wie der unseren nicht auf. Aggression, Individualismus, falscher Charme und Gleichgültigkeit dem Schmerz anderer Menschen gegenüber stellen sozial anerkannte Verhaltensweisen dar, die zu Erfolg führen. Ihre Strategien mögen Intrigen, Spott, Gleichgültigkeit, das Vermeiden von Verantwortung oder das Niedermachen der Erfolge anderer sein, aber sie setzen sich damit durch. Wenn du dich also gegen Psychopathen zur Wehr setzen möchtest, musst du erst einmal wissen, woran du sie erkennst.

Was ist ein Psychopath?

Autoren wie Hervey Cleckley, Cooke und Michie, Robert Hare und Blackburn haben versucht, die wesentlichen Charakteristika von Psychopathen zu beschreiben, und im Folgenden wollen wir ausführlicher über diese sprechen.

  • Zusammengefasst kommen sie in ihren Studien zu dem Schluss, dass manche Menschen eine Veranlagung zur Psychopathie haben. Diese Tendenz beruht auf der Struktur ihres Nervensystems. Bei Psychopathen arbeiten die Amygdala und der präfrontale Kortex so, dass der Mensch weniger gut in der Lage ist, emotionale Reize zu interpretieren und Entscheidungen zu treffen, die auf das langfristige Wohlbefinden der eigenen und anderer Personen ausgerichtet sind. Unser Umfeld kann antisoziale Gewohnheiten und Überzeugungen fördern, welche diese angeborenen Merkmale dann zum Vorschein bringen. Daraus lässt sich umgekehrt schlussfolgern, dass auch eine Person, die eine entsprechende biologische Veranlagung hat, diese mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit zum Ausdruck bringen wird, wenn sie in einer Gesellschaft aufwächst, in der Erfolg nicht auf Aussehen, Gewalt, Manipulation und falscher Moral beruht.
  • Auf der anderen Seite gibt es auch Psychopathen, die sich aufgrund der Umstände so entwickeln. Das heißt, bei ihnen liegt keine genetische Prädisposition vor, sondern sie entwickeln diese Merkmale, weil sie in einem stark verstörenden Umfeld leben.
  • Es gibt darüber hinaus auch skeptischere, pessimistischere Theorien, deren Verfechter vermuten, dass Psychopathie sich bereits in der Kindheit manifestiert und dass die Umweltbedingungen auf sie wenig Einfluss haben.

Merkmale eines Psychopathen

Es wird vermutet, dass etwa 1 bis 2% der Bevölkerung Psychopathen sind. Das Verhältnis von Männern zu Frauen wird auf 5 zu 1 geschätzt. Wer mit Kriminellen arbeitet, hat größere Chancen, sich einem Psychopathen gegenüberzusehen, aber sind sie auch gesellschaftlich integriert. Sie sind besonders in solchen Berufen aktiv, die auf Darstellung und Täuschung beruhen wie Politik, Wirtschaft und spirituelle Bewegungen, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen. Sie wirken nach außen hin meist äußert charmant und intelligent.

Je nach Autor werden Psychopathen unterschiedlich kategorisiert.

Diagnostische Kriterien nach Cleckley

Cleckley führt die folgenden diagnostischen Kriterien für Psychopathie an:

  • Oberflächlicher Charme und auffallende Intelligenz
  • Abwesenheit von Halluzinationen oder anderen Anzeichen irrationalen Denkens
  • Abwesenheit von Neurosen
  • Wenig vertrauenswürdige Wirkung
  • Falschheit und Unaufrichtigkeit
  • Mangelndes Urteilsvermögen und Schwierigkeiten, aus Fehlern zu lernen
  • Pathologische Selbstbezogenheit und Unfähigkeit, zu lieben
  • Unfähigkeit, Reue oder Scham zu empfinden
  • Mangel an grundlegenden affektiven Reaktionen
  • Mangelnde Sensibilität in gewöhnlichen zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Antisoziales Verhalten ohne ersichtlichen Grund
  • Übertriebenes oder anstößliches Verhalten unter Alkoholeinfluss, teils auch ohne Einfluss von Alkohol
  • Unfähigkeit, irgendeinen Plan im Leben zu verfolgen
  • Unpersönliches, leichtsinniges und instabiles Sexualleben
  • Spezifischer Intuitionsverlust
  • Selbstmorddrohungen, die selten ausgeführt werden

Merkmale eines Psychopathen nach Robert Hare

Der Psychologe und Wissenschaftler Robert Hare nennt die folgenden Merkmale des Psychopathen:

  • Außergewöhnliche verbale Fähigkeiten und oberflächlicher Charme
  • Überzogenes Selbstwertgefühl
  • Pathologisches Lügen
  • Mangel an Schuldgefühlen oder irgendeiner Art von Reue
  • Seichte, oberflächliche Emotionen und emotionale Reaktionen
  • Grausamkeit, Mangel an Sensibilität und Empathie
  • Verletzende Ausdrucksweise
  • Problematische Verhaltensweisen von Kindheit an
  • Permanenter Drang nach Stimulation, langweilt sich schnell
  • Boshaftes und manipulatives Verhalten
  • Impulsives Verhalten
  • Mangelnde Kontrolle über das eigene Verhalten
  • Pathologische Unfähigkeit, die Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen
  • Tendenz zur Kriminalität schon in der Jugend
  • Kriminelles Verhalten
  • Fehlen von realistischen, langristigen Zielen
  • Sexuelle Promiskuität
  • Mehrere Ehen, die nur kurzzeitig überdauern
  • Parasitischer Lebensstil

Merkmale von Psychopathen nach Blackburn

Blackburn definiert vier Subtypen von Psychopathen:

  • Primäre Psychopathen: impulsiv, aggressiv, feindselig, extrovertiert, selbstbewusst, nicht ängstlich. In dieser Gruppe finden sich vor allem narzisstische, histrionische und antisoziale Persönlichkeiten.
  • Sekundäre Psychopathen: feindselig, impulsiv, aggressiv, sozial unsicher, sozial isoliert, griesgrämig, geringes Selbstbewusstsein. In dieser Kategorie finden sich vor allem vermeidende, antisoziale, schizoide, abhängige und paranoide Persönlichkeiten.
  • Kontrollierende Psychopathen: defensiv, kontrollierend, gesellig, nicht ängstlich. In dieser Gruppe kommen weniger Persönlichkeitsstörungen vor.
  • Gehemmte Psychopathen: schüchtern, isoliert, kontrollierend, leicht ängstlich, geringes Selbstbewusstsein. Hier finden sich schizoide, schizotypische und passiv-aggressive Menschen, die aber nicht übermäßig antisozial sind.

Psychopathen nach Cooke und Michie

Cooke und Michie glauben, dass Psychopathen die folgenden Eigenschaften zeigen:

  • Arroganz und zwischenmenschliche Manipulation
  • Emotionale Gleichgültigkeit
  • Impulsivität und verantwortungsloses Verhalten

Wie man einen Psychopathen erkennt und sich vor ihm schützt

Wenn dich ein oder mehrere Psychopathen allein oder in der Gruppe verbal, körperlich oder sexuell angreifen würden, gäbe es leider nicht viel, was du tun könntest, um dich zu verteidigen. Leider gibt es beispielsweise mehrere Fälle mehrfacher Vergewaltigung, in denen das Opfer nichts tun konnte, um sich zu verteidigen.

In diesen Fällen sprechen wir von einer psychopathsichen Gruppenmentalität, die oft durch Drogen oder Alkohol verstärkt wird. Die Täter begehen nicht nur einen brutalen Gewaltakt, sondern verhalten sich im Nachhinein auch völlig kalt und machen oft sogar Witze über das Geschehene.

Unsere Gesellschaft sieht sich einer wichtigen Herausforderung gegenüber: Psychopathen als emotionale Versager darzustellen, statt ihre Merkmale mit Erfolg zu verbinden.

Aber es gibt Situationen, in denen du Psychopathen erkennen und dich von ihnen distanzieren kannst. Das kann auf der Arbeit, zu Beginn einer Liebesbeziehung oder bei einer Präsidentschaftswahl der Fall sein. Der Schlüssel liegt im Erkennen ihrer ausgeklügelten Manipulation anhand einer einfachen Strategie: Beweise, dass auf nichts, was sie sagen, die entsprechenden Taten folgen, dass sie dem Leid anderer Menschen gegenüber gleichgültig sind, dass ihre emotionalen Beziehungen kaputt sind, egal, ob sie diese ganz anders darstellen, und dass sie kalt und selbstsüchtig sind.

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