Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit

1. November 2016 en Emotionen 565 Geteilt

Wenn Gleichgültigkeit in eine Beziehung eintritt, dann erscheint sie mit Pausen, aber auch mit unversöhnlicher Beständigkeit. Es ist ein bitteres Schweigen, dem die Unsicherheit innewohnt, die Sehnsucht nach dem, was zuvor alltäglich und vertraut war, und was uns nun fehlt. Denn das Gegenteil der Liebe ist nicht der Hass, sondern dieses Gefühl, was uns in tausend Stücke zerreißen kann und sich Gleichgültigkeit nennt.

Beziehungen „sterben“ aus vielen Gründen, das ist uns bekannt und jeder Grund setzt ein großes Leiden voraus, auf das niemand vorbereitet ist. Jedoch lässt sich sagen, dass es eben diese leere, passive und kalte Art ist, mit der uns der andere behandelt, die bei uns größte Hoffnungslosigkeit und Angst hervorruft.

Die Liebe hat drei Feinde: Die Gleichgültigkeit, die uns Stück für Stück den Atem raubt, die Unentschlossenheit, die uns am Weitergehen hindert, und die Hoffnungslosigkeit, die allem praktisch sofort ein Ende setzt.

Jeder von uns findet seinen Weg, wie er auf Ablehnung, Verrat oder Ähnliches reagiert, aber: Wie geht man mit der emotionalen Leere der Gleichgültigkeit um? Das ist nicht einfach, und von daher versucht man stets, einen Grund dafür zu finden, ein Warum für diese Entfremdung. Und das, obwohl es in Wirklichkeit nicht immer einen Grund für das Entlieben gibt, es manchmal einfach erlöscht, die Liebe einfach untergeht, wie eine Abendsonne, die ohne Kraft bleibt…

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Die Gleichgültigkeit ruft gravierende Nebenwirkungen hervor

Die Gesundheit eines Pärchens verlangt danach – so wie jeder lebende Organismus, der Nahrung braucht -, dass beständig die Struktur der Beziehung gestärkt wird. All dies erreicht man durch diese alltäglichen Rituale voller Komplizenschaft, in denen Gesten geprägt werden, die uns verbinden, Worte, die uns stärken, Zärtlichkeiten, die uns anerkennen, und durch gemeinsame Räume, die aus einem Bedürfnis nach physischer und emotionaler Nähe heraus geteilt werden.

Manchmal verhalten wir uns auch ganz still und passiv, fast ohne zu wissen, warum, und lassen so lieber den anderen machen, sagen und handeln. Wir nehmen die Gefühle als etwas Gegebenes hin, genauso wie auch die Antworten auf unsere Fragen schon klar zu sein scheinen. Stück für Stück werden Kleinigkeiten immer wichtiger und die großen Zusammenhänge werden vernachlässigt.

Wenn wir einen Experten auf dem Gebiet der affektiven Beziehungen nennen müssen, dann ist es fast unmöglich, nicht auch John Gottman und seine Theorie der „Vier apokalyptischen Reiter“ zu erwähnen, die erklärt, aus welchen Gründen sich ein Paar auf den Abgrund der Entfremdung zubewegt.

Es erstaunt nicht, dass sich unter diesen Säulen, neben Kritik, Geringschätzung und Abwehrhaltung, auch die Gleichgültigkeit befindet: Dieses ständig ausweichende Verhalten, dieses ständige Wegschauen, was so große Abgründe und Unsicherheiten erzeugt. All das, all diese emotionale Leere und Kälte erzeugt ernsthafte Konsequenzen auf Seiten des Gleichgültigen und für den gleichgültig Behandelten.

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Psychologische Folgen der Gleichgültigkeit

Was sind nun also die Folgen der Gleichgültigkeit auf psychologischer Ebene?

  • Die gleichgültige Haltung unseres Partners erzeugt vor allem Verlorenheit und Angst. Die Liebe zwischen zwei Menschen braucht Sicherheit durch Affektion und Gewohnheiten, mit denen die Bindung aufrechterhalten wird.
  • Wenn unsere Erwartungen zu dieser Bindung nicht mehr erfüllt werden, erscheinen Unsicherheit und Beunruhigung. Zwei Dimensionen, auf die unser Gehirn mit Stress und emotionaler Ängstlichkeit reagieren wird.
  • Wenn wir nicht mehr diese emotionale Nahrung bekommen, diesen subtilen und perfekten Austausch, bei dem die Antworten des anderen uns bestätigen und stärken, bleiben wir paralysiert zurück. Wir warten, hoffen, dass die Situation sich ändert, und das ist genauso erschöpfend wie destruktiv.
  • Wenn wir den Fehler begehen, die Gleichgültigkeit als etwas „von uns selbst Hervorgerufenes“ zu interpretieren, dann verlieren wir noch mehr die Kontrolle über die Situation. Unser Selbstwertgefühl zerfällt und wir verfallen in einen Zustand sehr gefährlicher Schutzlosigkeit.

Ich spüre schon keinen Schmerz mehr, mein Herz liegt so brach wie noch nie, weil es resigniert hat. Ich fühle nur noch Gleichgültigkeit, einen absoluten und verheerenden Mangel an Gefühlen.

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Wie begegnet man emotionaler Leere

Man pflegt zu sagen, dass Gleichgültigkeit tötet, und auch wenn viele sie als eine passive Haltung definieren, die sich Stück für Stück in eine Beziehung einschleicht, so entspricht dies in keiner Weise der Wirklichkeit. Emotionale Leere ist ein sehr aktiver Feind, den man früh entdecken sollte, um zu vermeiden, dass er sich einnistet und für immer diese Bindung zerstört, die wir zu der Person haben, die wir lieben, oder auch zu uns selbst, wenn wir dabei sind, unser Selbstwertgefühl zu verlieren.

  • Eine partnerschaftliche Beziehung bleibt immer bestehen, wenn persönliche Zufriedenheit und Gegenseitigkeit existieren. Wenn wir uns gut fühlen, dann werden wir in der Lage sein, dem anderen etwas zu geben, weil wir gleichzeitig geben und auch etwas bekommen.
  • In dem Moment, in dem dieser harmonische Kreis der Gegenseitigkeit zerbricht, wirkt sich das sofort auf die Qualität unseres Einsatzes, unserer Leidenschaft und unserer Intimität aus.
  • Bei einem Paar reicht es aus, dass nur einer gleichgültig wird, und diese Gleichgültigkeit spürt man intuitiv, fühlt man und leidet unter ihr. Es lohnt sich nicht, darauf zu warten, dass die Dinge besser werden, denn es lohnt sich nicht, sich falsche Hoffnungen zu machen. Man muss handeln.

Manchmal reicht es völlig aus, kleine Veränderungen vorzunehmen, neue Absprachen zu treffen, um mit dieser Routine zu brechen, in die Beziehungen manchmal verfallen. Jeder Anstrengung, die Beziehung zu retten, ist zumindest etwas. Wenn wir uns jedoch bewusst darüber werden, dass keine Liebe mehr da ist oder dass die Situation mehr Leid als Freude bringt, dann ist es nötig, auf Distanz zu gehen.

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Es ist das Leiden nicht wert, Gefangene fehlender Liebe zu sein, verstümmelter Träume zweier Fremder, die sich alles gesagt haben und bei denen am Ende alles zu nichts wird. Die Gleichgültigkeit schmerzt und verwirrt, aber die Zeit wird diesen Schmerz wieder heilen, wenn wir nur mutig sind, uns dann zu entfernen, wenn der Moment gekommen ist. Wenn wir fähig sind, uns daran zu erinnern, dass wir auf uns selbst aufpassen müssen.

Lernen, zu lieben, bedeutet gleichzeitig, auf das Loslassen vorbereitet zu sein

Besessenheit und Angst haben nichts mehr mit Liebe zu tun.
Um dieses Gefühl in seiner ganzen Pracht zu erleben… >>>Mehr

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