Lernen, zu lieben, bedeutet gleichzeitig, auf das Loslassen vorbereitet zu sein

1. Juli 2016 en Emotionen 550 Geteilt

Besessenheit und Angst haben nichts mehr mit Liebe zu tun. Um dieses Gefühl in seiner ganzen Pracht zu erleben, müssen wir lernen, loszulassen, Lebewohl zu sagen und uns von all dem zu befreien, das nicht zu uns gehört. Alles, was wir lieben, hat die Eigenschaft, frei zu sein und daher sind diese Dinge vergänglich und veränderlich.

Wenn wir lieben, ist es für uns schwierig, zu verstehen, dass wir loslassen müssen, an was wir uns festhielten. Das ist etwas, worauf wir nicht vorbereitet sind, bis wir dann doch diese Erfahrung machen müssen. Auf einmal sind wir abhängig von einer Situation, die wir selbst mit hervorgerufen haben, ohne dass uns das überhaupt aufgefallen ist.

Hattest du schon einmal Angst davor, dass eine Liebesbeziehung in die Brüche geht? Wahrscheinlich schon und diese Situation an sich löst bei uns Unwohlsein und Leid aus. In eine neue Beziehung stürzen wir uns voller Hoffnung und Freude, zu diesem Zeitpunkt ist alles perfekt und scheint für immer zu halten. Doch die Realität sieht anders aus, denn alles, was einen Anfang hat, hat auch irgendwann ein Ende, wird sich ändern und weiterentwickeln.

Uns auf Veränderungen einzustellen hilft dabei, bewusster damit umzugehen, dass jeder Moment einmalig und unersetzlich ist. Wir lernen mit der Zeit, dass es uns nur schmerzen wird, wenn wir alles dafür geben, dass etwas nicht endet.

Freie Frau

Lieben heißt auch, das Loslassen zu erlernen

Wir haben das Wunschdenken, dass Dinge für die Ewigkeit gemacht sind, und deshalb verhalten wir uns so, als ob es auch so wäre. Auf diese Weise machen wir uns selbst etwas vor, weil wir glauben, dass es Gefühle gibt, die immer da sind, dass sich Personen niemals ändern werden und Situationen so sind, wie wir sie gern hätten. Dieser Irrglaube ist die Vorlage des Märchens, das wir uns gern erzählen, um uns nicht mit der Realität auseinandersetzen zu müssen.

Ist dir noch nicht bewusst geworden, wie sich alles in deinem Umfeld verändert? Hast du nicht bemerkt, wie du dich selbst veränderst? Dein Körper, die Umstände, deine Einstellung und deine Erfahrungen ändern sich mit den Jahren. Somit leben wir unvermeidbar in einem ständigen Wandel.

Wir möchten die Liebe – die wahrscheinlich eine der wundervollsten Erfahrungen ist, die wir machen können – aufbewahren wie einen Schatz, sie nicht vergehen lassen und sie auf ewig spüren. Doch die Liebe ist nur ewig, so lange sie anhält, obwohl wir akzeptieren müssen, dass sie sich verändert und wie das Quellwasser fließt.

Die Liebe zu verwahren ist nicht möglich, denn die Liebe an sich braucht Freiheit. Das ist einer der wichtigsten Lernprozesse, die wir durchlaufen müssen, wenn wir Frust, Groll, Leid und sogar Hass den Kampf ansagen wollen – Gefühle, die entstehen, wenn wir an etwas festhalten, das nicht mehr ist.

Wenn wir nicht wissen, wie wir lieben können, frustriert uns das

Die Liebe schmerzt nicht. Sie ist ein Gefühl, das wir genießen und bewirkt, dass wir voller Freude, Hoffnung und Gewissheit darüber leben, dass wir bei den Menschen sind, die wir lieben. Dazu gehört ein großer innerer Frieden und wir müssen uns dabei selbst treu bleiben. Sobald wir so fühlen, gibt es für Leid und Schmerzen keinen Platz mehr.

Doch was passiert, wenn wir lieben und diese Liebe nicht erwidert wird? Das ist eine häufige Situation, die Herzschmerz verursacht, und sie dient uns als Beispiel dafür, um zu verstehen, dass wir nicht gelernt haben, zu lieben. Wir sind nicht frustriert, weil wir lieben, sondern weil wir gelernt haben, nur unter Bedingungen zu lieben; eine Liebe, die eine hohe Erwartungshaltung und ein besitzergreifendes Verhalten einschließen.

„Für die meisten Menschen liegt das Problem der Liebe hauptsächlich darin, geliebt zu werden, und nicht darin, zu lieben, oder in der eigenen Fähigkeit des Liebens.“

Erich Fromm

Es fällt uns nicht gerade leicht, zu akzeptieren, dass die Liebe vorübergeht, dass der andere Mensch nicht mehr so fühlt wie wir. Dann sind wir verletzt und verängstigt. Diese Gefühle gehören zu unserer Vorstellung von der Liebe, von den Gedanken, die wir uns selbst machen und durch die wir uns als wertlos darstellen. Die eigene Person zu beurteilen hat nichts mit der Liebe zu tun und führt lediglich dazu, dass wir uns selbst zerstören.

Die Frustration endet mit dem Verständnis darüber, dass wir uns hinsichtlich der Vorstellung von Liebe irrten: Wir erkennen an, dass Freiheit genau dort beginnt, wo wir uns von alldem lösen, das uns davon abhält, frei zu sein. Denn wir haben uns ausgemalt, wie die Dinge hätten laufen sollen, und diese Vorstellung hat aber Enttäuschungen zur Folge.

Frau schaut auf den Fluss

Wir lieben erst wirklich, wenn wir auch loslassen können

Es geht uns schlecht, wenn wir uns gegen die Veränderungen in der Liebe sträuben. Wir können die Situation aber auch anders betrachten, unsere Fähigkeit weiterhin zu lieben zum Vorschein kommen lassen und die Freiheit des Menschen, den wir lieben, akzeptieren. Wir dürfen uns nicht länger gegen das Loslassen wehren. Diese Erfahrung bringt uns den wahrhaftigen inneren Frieden.

Ein Lebewohl wirkt befreiend und schafft wieder Platz, damit die Liebe weiterhin fließen kann. Gleichzeitig machen wir es damit dem anderen Menschen einfacher, dass er seinen Weg, für den er sich entschieden hat und den er weiterhin verfolgen muss, weitergehen kann. Das ist die wahre Liebe, die wir uns selbst und anderen schenken können.

Wir lieben uns, wenn wir uns die Möglichkeit geben, von vorn zu beginnen und uns Neuem öffnen, damit wir auch neue Arten der Liebe kennenlernen können. Und das soll ohne innere Stürme geschehen, die uns aufwühlen, uns paralysieren und unsere natürliche Fähigkeit, in Einklang mit unseren Gefühlen zu leben, zerstören.

Die Essenz all des Schönen, das wir erleben, ist die eigene Freiheit. Wenn wir dazu in der Lage sind, nicht länger an etwas festzuhalten, und das Loslassen zu verstehen, begeben wir uns auf den Weg der Glückseligkeit und der Liebe.

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