Du hast bereits gelernt, stark zu sein, aber jetzt ist es Zeit, auch glücklich zu sein

24. Februar 2020
Schwere Zeiten lehren uns, stark zu sein. Aber du solltest diese Stärke nicht dazu nutzen, um eine Schutzmauer um dich herum aufzubauen. Vergiss nicht, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür ist, um auch glücklich zu sein!

Irgendwann bist du an einem Punkt angelangt, an dem du endlich gelernt hast, stark zu sein. Unser Leben besteht aus unzähligen Lektionen und manche Situationen lehren dich, wie du die Widrigkeiten des Lebens überwinden kannst. Dann sagst du dir selber, dass du nun alles tun kannst und alle Ressourcen dafür hast, um jede noch so schwierige Situation im Leben zu bewältigen. Aber dabei vergisst du manchmal den wichtigsten Aspekt: Du solltest auch glücklich sein.

Das Glück findest du nicht irgendwo; es ist hier und zwar genau in diesem Moment. Ein glücklicher Mensch wartet nicht auf den perfekten Moment für sein Glück, er ist genau jetzt glücklich. Denn das Leben findet nur im Augenblick statt und alles andere ist letztendlich ungewiss.

Dennoch werden viele Menschen, die eben erst eine schwierige Zeit durchlebt haben, Probleme damit haben, diesen Ratschlag zu befolgen. Warum? Weil es für unseren Geist sehr schwer ist, im Moment zu verweilen, wenn das Leben uns auf eine harte Probe stellt.

Darüber hinaus neigst du in diesen Situationen dazu, dich defensiv zu verhalten und vorsichtig zu sein, um zu vermeiden, dass du erneut in diese schwere Situation kommst. Du blickst zurück und denkst darüber nach, was dir in der Vergangenheit widerfahren ist, um daraus zu lernen. Dann versuchst du, alles zu unternehmen, um bestmöglich vorbereitet zu sein, falls wieder etwas passieren sollte.

Wenn du eine schreckliche, komplexe oder traumatische Erfahrung gemacht hast, solltest du nicht versuchen, immer nur stark zu sein. Versuche stattdessen, möglichst flexibel zu werden. Denn in diesen Zeiten neigst du häufig dazu, defensiv zu sein oder dich selber davor zu schützen, deine Verletzlichkeit zuzulassen.

“Wer andere besiegt, ist stark. Wer sich selbst besiegt, ist mächtig. ” 

-Laotse-

auch glücklich - Blatt mit Herz

Du hast bereits gelernt, stark zu sein, aber jetzt ist es Zeit, auch glücklich zu sein

Balance kann dich wichtige Dinge lehren, genau wie deine Erfahrungen, Beziehungen und alles was du liest und entdeckst. Dennoch gibt es eine Tatsache, mit der du dich gleichfalls auseinandersetzen solltest: Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, wissen nicht immer, wie sie selber wieder glücklich werden können.

Häufig versuchen sie, sich permanent zu schützen und gehen bildhaft gesprochen, täglich mit einem großen Regenschirm auf die Straße, auch wenn gar kein Regen gemeldet ist.

Anisthenes, ein griechischer Philosoph und Begründer der Lehre des Kynismus, sagte, dass unsere Ziele unsere Seele zu einer undurchdringlichen Festung machen sollten. Aber welchen Sinn hat es, wenn wir uns mit einer festen Mauer umgeben? Das Licht kann eine Steinmauer nur schwer durchdringen. Außerdem kannst du nicht durch sie hindurchsehen und, was noch viel schlimmer ist, du verschließt auch den Menschen die Tür, die dir wirklich nahe kommen möchten.

Daher werden die Menschen, die beinahe besessen davon sind, eine starke Persönlichkeit zu entwickeln, häufig defensiv, weil sie Angst davor haben, verletzt zu werden. Offensichtlich ist dieses Verhalten nicht die beste Strategie, da Glück nicht entstehen kann, wenn wir Angst haben oder zu viele Abwehrmechanismen einsetzen.

auch glücklich - Mann im Sonnenuntergang

Jetzt kennst du deine wichtigsten Prioritäten, um nicht nur stark, sondern auch glücklich zu sein

Seit Martin Seligman in den 1990er Jahren den Grundstein für die positive Psychologie gelegt hat, hat sich nicht viel verändert. Nach wie vor erscheinen unzählige Selbsthilfebücher, die den Menschen beibringen wollen, glücklich zu sein. In der Regel versprechen diese Gurus den Schlüssel dafür, wie du zu einem funktionierenden Individuum wirst.

Allerdings sind diese Bücher für Menschen, die schlimme und traumatische Erfahrungen gemacht haben, oftmals nicht wirklich hilfreich. Die zwei Experten und Psychologen Jerome Wakefield von der Universität von New York und Allan Horwitz von der Rutgers Universität schrieben ein Buch mit dem Titel Der Verlust der Traurigkeit: Wie die Psychiatrie normale Sorgen in depressive Störungen verwandelte. In diesem Buch sprechen sie über dieses Thema.

Heutzutage wird den Menschen eine extrem starke Verpflichtung auferlegt, dass sie auch glücklich sein müssten. Viele Experten stellen fest, dass Menschen ihr emotionales Repertoire verzerren und ihre Emotionen vernachlässigen; Ängste, Furcht oder Traurigkeit werden negativ bewertet. Daher empfinden die Menschen, die ein Trauma erlebt haben, ihre negativen Emotionen als extrem belastend.

Aber wie können Menschen dann glücklich sein? Was können diese Menschen für ihr psychisches Wohlbefinden tun? Obwohl sich dies merkwürdig anhören mag, haben genau diese Menschen jedoch einen Vorteil. Wenn Menschen keine schweren Zeiten im Leben durchlebt haben, neigen sie häufig dazu, das Glück zu idealisieren. Sie träumen vom perfekten Partner, dem perfekten Job oder von abenteuerlichen Reisen.

Menschen, die gelernt haben, stark zu sein, schätzen viel grundlegendere Aspekte wie Ruhe, Balance, Liebe und Wohlbefinden.

auch glücklich - Frau am Steg

Der Schlüssel zur Zufriedenheit liegt in der Kombination vieler Dinge

Das Leben hat dich stark gemacht und jetzt ist die Zeit gekommen, auch glücklich zu sein. Du hast viele Widrigkeiten im Leben überwunden und viele Veränderungen durchlebt. Aber du stehst immer noch! So stark wie ein Fels in der Brandung.

Daher musst du jetzt lernen, flexibel und empfänglich zu sein. Akzeptiere die Veränderungen und arbeite daran, offen für das Leben zu sein, um dich selber und das, was dich glücklich macht, zu entdecken.

Auf diesem Weg gibt es einen sehr entscheidenden Punkt, der es dir erlauben wird, an deiner eigenen Zufriedenheit und deinem Glück zu arbeiten. Vermutlich ist dies sogar der wichtigste Aspekt. Viktor E. Frankl sprach darüber in seinem berühmten Buch Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. Natürlich sprechen wir darüber, den Sinn und Zweck in unserem Leben zu finden.

Es geht darum, dem Leben einen Sinn zu geben, eine motivierende und intrinsische Stärke, die dich inspiriert und zum Handeln veranlasst. Genau das sollte dein Antrieb dafür sein, täglich aufzustehen, um immer besser zu werden und dir Ziele zu setzen, die auf dem basieren, was dir wirklich wichtig ist.