Kennst du die Abwehrmechanismen, die wir am häufigsten benutzen?

17, März 2017 en Psychologie 377 Geteilt

Jeder, wirklich jeder Mensch hat schon einmal kleine Tricks angewandt, um seine Integrität, Würde oder mentale Gesundheit zu retten. Diese Tricks nennen wir in der Psychologie „Abwehrmechanismen“ und sie sind regelrecht magisch, weil sie uns vor Schmerzen schützen. Aber für gewöhnlich können wir Bedrohungen und Schmerzen in manchen Fällen nicht so einfach aufhalten, wie es vielleicht den Anschein macht. Anders gesagt sind diese Strategien normalerweise nicht so effektiv, wie sie aussehen.

Ab und an hören wir einfach weg, weil wir eine offensichtlich schmerzhafte Wahrheit nicht hören wollen. Das Problem dabei ist, dass daraus Realität wird: Unsere Seele hört der Wahrheit nicht zu. Wir hören nur das, was wir hören wollen. Es verletzt uns so sehr, dass wir es vorziehen, unser Leben in Ignoranz zu leben – eine sehr gefährliche Ignoranz.

Doch die Augen und Ohren vor allem zu verschließen, das uns schadet, ist ebenfalls schädlich. Denn was wir nicht wahrhaben wollen, verfolgt uns. Es verfolgt uns so lange, bis wir es irgendwann akzeptieren, und genau davon sprach auch einst Carl Gustav Jung:

„Was du nicht wahrhaben willst, verfolgt dich; was du akzeptierst, verändert dich.“

C. G. Jung

Es scheint, als würde das Leben nie die Augen vor unserer Existenz verschließen und uns unaufhörlich diejenigen Situationen vor Augen führen, die wir vermeiden wollen, um sie überwinden und akzeptieren zu können.

Abwehrmechanismen beschützen uns vor schmerzhaften Wahrheiten

Um uns dabei zu helfen, uns vor diesen Wahrheiten zu beschützen, die uns so schrecklich verletzen, wenn wir ihnen in die Augen sehen, existieren die zuvor erwähnten Abwehrmechanismen. Diese Wahrheiten verletzen das Ego, unsere Eigenliebe oder die Art und Weise, wie wir uns selbst sehen. So gut wie niemand möchte gern etwas akzeptieren, das man an sich hasst.

Beispielsweise gibt es Menschen, die sich sicher sind, dass ihr Partner jemand anderen begehrt und das verärgert sie. Sie zögern keine Sekunde damit, es ihm um die Ohren zu werfen, obwohl es in Wahrheit sie selbst sind, die einen anderen als ihren Partner begehren. Demnach ist es ihr eigener Wunsch, den sie in Form einer Beschuldigung auf ihren Partner projizieren.

Anzuerkennen, dass wir jemand anderen sehr mögen, wenn wir eifersüchtig sind, ist eine Wahrheit, die sowohl Schmerzen als auch ein Gefühl von Scham verursacht. Sich diese Wahrheit einzugestehen, bedeutet, zu akzeptieren, dass das, was wir im anderen sehen, in Wahrheit unsere eigene Person widerspiegelt. Wer demnach etwas Verachtenswertes tut – so verurteilen wir den anderen ja – ist nicht unser Partner, sondern wir selbst.

Projektion, oder wenn ich andere wegen dem verurteile, was ich selbst tue

Irgendwann kommen wir an einen Punkt, an dem wir eine Tatsache und die Realität annehmen müssen, um uns auf die eine oder andere Weise fühlen zu können. Wenn wir nicht akzeptieren oder anerkennen, was uns selbst passiert, verbringen wir unser Leben damit, das bei jemand anderem zu suchen und zu finden. Was wir an uns verachten, sehen wir auf einmal im anderen. Wir sehen es so klar, dass wir zu harten Richtern werden und kein Fünkchen Empathie für den anderen verspüren.

Diesen Abwehrmechanismus, der auf eine bestimmte Weise die Integrität unserer Selbstwahrnehmung schützt, nennt sich Projektion und ist eine der am häufigsten von uns benutzten Abwehrmechanismen. Durch ihn projizieren – dieses Verb wird in diesem Zusammenhang immer benutzt – wir auf andere das, was wir an uns selbst verachten. Das verringert Angst, die sonst bei uns entstehen würde, wenn wir uns mit der Wahrheit auseinander setzen müssten, dass wir uns eigentlich selbst kritisieren.

Je mehr wir nach außen hin projizieren, desto mehr verneinen wir die Wahrheit. Je mehr wir von uns auf andere projizieren, desto mehr wollen wir unser wahres Ich nicht sehen und desto mehr verlieren wir unsere Handlungsfähigkeit. Wenn wir aber nach und nach daran arbeiten, diese Fähigkeit wieder zu stärken und mit uns selbst hart ins Gericht zu gehen anstatt mit anderen, werden wir mit großer Sicherheit wieder authentischer, ehrlicher und bewusster durchs Leben gehen.

Verleumdung der Wahrheit, oder wie ich für alles blind bin, was ich nicht sehen will

Die Projektion geht Hand in Hand mit der Verleumdung der Wahrheit. Mithilfe der Verleumdung sind wir für alles blind, was wir nicht sehen wollen. Wir verschließen die Augen vor dieser schmerzhaften Wahrheit, vor der wir allerdings nicht davonlaufen können. Wir wollen die Wahrheit schlichtweg nicht wahrhaben. Doch wir leben nicht in einer Fantasiewelt, wo nur das existiert, das wir uns wünschen.

Die Verleumdung ist beispielsweise eine dieser Phasen, die ein Mensch durchläuft, der Trauer empfindet. Sei sie entstanden durch einen emotionalen Bruch, durch den Tod eines geliebten Menschen oder durch eine drastische und endgültige Veränderung im Leben. Die Verleumdung ist ein Abwehrmechanismus, der gegen Angst und Schmerz arbeitet.

Aber das Leben bedeutet auch, Schmerz zu empfinden, und wir alle wissen, dass wir nur weitermachen können, wenn wir ihn ertragen und akzeptieren. Abwehrmechanismen existieren, um uns oftmals eine Hilfe zu sein, aber wir müssen uns von ihnen distanzieren, wenn wir unser gesamtes Potenzial ausschöpfen und wir unserem Wesen wahrhaft treu bleiben wollen.