Du bist die Hölle und auch der Himmel

9. Juni 2016 en Emotionen 166 Geteilt

Wer wir wirklich sind, ist viel mehr als wir normalerweise zeigen, und viel mehr als wir selbst denken. Unsere hellen und dunklen Seiten bilden zusammen ein Ganzes, das uns ausmacht.

Welche sind unsere dunklen Seiten? Unsere dunklen oder Schattenseiten sind unsere persönliche Hölle, die wir selbst nicht anerkennen wollen; sie sind, was wir versuchen zu verstecken, was man nicht soll und nicht darf. Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle, die uns unangemessen, nicht akzeptabel und unzulässig erscheinen. All das, was wir laut unserer Kultur nicht sein dürfen, was wir unterdrücken, was wir verurteilen und anderen vorenthalten.

Wir bemühen uns ständig, nur eine Seite unserer selbst zu zeigen, und wehren so das ab, was wir an uns nicht akzeptieren wollen. Dies führt zu einer Verschwendung von Energie und wird früher oder später zu unserem Nachteil werden.

„Niemand wird erleuchtet, indem er sich Lichtgestalten einbildet, sondern indem er sich seiner dunklen Seiten bewusst wird.“

Carl Gustav Jung

Maedchen mit Schatten an der Wand

Die Welt besteht nicht nur aus Licht

Wir glauben, dass unsere Stärke darauf beruht, unsere freundlichen und netten Seiten besonders hervorzuheben. Deshalb setzen wir ständig ein Lächeln auf und tun so, als wären wir jederzeit bereit, für andere da zu sein.

Wir können diese Maske jedoch nicht immer aufrechterhalten. In manchen Situationen muss man seine Trauer, sein Unwohlsein, seine Wut, seine Verärgerung und alle anderen Aspekte, die sich sozial als „negativ“ erweisen, zum Ausdruck bringen.

Indem wir solche Gefühlszustände, die im Verlaufe des Lebens ganz natürlich und spontan eintreten, unterdrücken, leugnen wir uns selbst.

Das führt dazu, dass sich diese Gefühle verstärken und irgendwann in wesentlich verstärkter und unpassenderer Form zu Tage treten.

Ein Beispiel: Unwohlsein hat sich bereits über einen längeren Zeitraum in uns aufgestaut, und irgendwann ergibt sich eine Situation, in der wir explodieren. – In Folge lassen wir alles in dieser Situation, und womöglich gegenüber einer einzigen Person, aus uns heraus. Wenn dies passiert sind die Konsequenzen nicht sehr erfreulich, und ein Gefühl der Schuld wird uns noch lange verfolgen, weil wir absolut überreagiert haben.

Unsere Schattenseiten akzeptieren

Nach solch einer Situation, in der wir unsere aufgestauten Gefühle auf übertriebene Weise zum Ausdruck gebracht haben, versuchen wir, solch einem Verhalten den Riegel vorzuschieben und tun so, als könnte es nie mehr zu einem ähnlicher Überreaktion kommen.

Was wir allerdings nicht realisieren, ist, dass wir so die Wahrscheinlichkeit, dass es erneut zu einem Vorfall dieser Art kommt, nur noch weiter erhöhen.

Wenn wir allerdings fähig sind, uns dieses Prozesses bewusst zu werden, machen wir einen großen Schritt in Richtung Akzeptanz unserer Schattenseiten, dessen, was wir auch sind und was auch ein Teil von uns ist, aber was wir nicht wahrhaben wollen.

Damit es Licht geben kann, muss es Schatten geben, damit ein Gleichgewicht besteht, und nicht ein Pendel, das auf der Ebene unserer Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen von einem Extrem ins andere schwingt.

Lass mich sein wie ich bin, auf natürliche Weise, um mich zu vervollständigen. Indem wir uns akzeptieren, erwecken wir das nötige Bewusstsein, um uns der Erfahrung, uns selbst zu entdecken, zu öffnen, und uns so zu lieben, wie wir sind.

Maedchen mit Schatten

Die Vereinigung der Gegensätze

Daraus besteht die Welt, aus der Vereinigung von Gegensätzen, der Dualität aus allem und nichts, aus Leben und Tod.

Indem wir akzeptieren, dass wir aus Gegensätzen bestehen, erkennen wir all das an, was wir nicht sein wollen und bei anderen ablehnen. Wir müssen menschlicher werden, indem wir Verständnis für Menschen entwickeln, die Ablehnung in uns hervorrufen.

Wir entwickeln uns weiter, vom Werturteil zum Verständnis, sowohl was uns selbst angeht als auch die Menschen in unserem Umfeld. Und dazu bedarf es der Harmonie, dem Gleichgewicht der Gegensätze.

Es gibt nicht das Gute und das Schlechte, sondern einzig die Integration der Pole, das Gleichgewicht dieser Beziehung.

Wenn wir uns mit unseren Eigenarten im Konflikt befinden – zum Beispiel, wenn wir zu uns selbst sagen: „Ich bin eine verantwortungsvolle Person und ich kann mir nicht erlauben, anders zu sein.“  – kann das sehr anstrengend sein und es kann passieren, dass wir irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem wir ins andere Extrem verfallen.

Wenn wir jedoch den Konflikt beilegen, ermöglichen wir die Integration und das Gleichgewicht, und vermeiden so übertriebene Verhaltensweisen.

„Wenn du leidest, ist es wegen dir, wenn du glücklich bist, ist es wegen dir, wenn du zufrieden bist, ist es wegen dir. Niemand anderes ist dafür verantwortlich, wie du dich fühlst, nur du allein und niemand anderes als du selbst. Du bist die Hölle und auch der Himmel.“

Osho

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