Die Zeit rast immer mehr dahin, je älter wir werden

22. Mai 2017 en Psychologie 134 Geteilt

Die Flüchtigkeit der Zeit wird immer beunruhigender, je älter wir werden. Denn es sieht so aus, als ob alles um uns herum immer schneller vorbeiginge. Warum ist das anders, wenn wir noch jung sind? Mit sieben oder zehn Jahren scheint die Zeit ewig zu währen, aber jenseits der zwanzig fliegt sie vorüber, ohne innezuhalten.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass, als ich jung war, es immer noch eine Ewigkeit bis Weihnachten oder bis zu meinem Geburtstag zu dauern schien.

Das ist ein psychologischer Effekt, den wir alle erleben. Die Zeit vergeht nicht schneller – nur unsere Wahrnehmung ändert sich. Die Routine verhindert, das wir jeden Tag voll auskosten. Unsere Erinnerungen werden immer weiter zurückgedrängt in eine weiter entfernte Vergangenheit. All das hat Einfluss auf unsere Wahrnehmung, wie schnell die Zeit vergeht.

Die Flüchtigkeit der Zeit ist eine Frage der Wahrnehmung

Die Zeit vergeht für jeden Menschen im gleichen Maße, aber die Wahrnehmung derselben ist durchaus verschieden. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Leute jenseits der Zwanzig bemerken, dass die Zeit schneller vergeht als zuvor. Das kommt daher, dass man sich ihrer viel bewusster ist als in jungem Alter. Jetzt wird der Faktor Zeit um einiges wichtiger. Es stimmt doch, dass du nun immer ungefähr weißt, wie spät es ist?

Es gibt allerdings auch viele Leute, die wissen, wie man jeden Tag zu seinem Vorteil nutzt. Sie genießen ihn jetzt genauso wie in jüngeren Jahren. Für sie bedeutet das unerwünschte Vorrücken des Sekundenzeigers keinen Dauerstress. Erinnere dich daran, wie wichtig die eigene Wahrnehmung ist: Sie ist der Schlüssel zu all dem. Lässt sich etwas gegen das Gefühl unternehmen, dass die Zeit nicht gebremst werden kann?

Hast du jemals bemerkt, dass die Zeit sehr langsam vergeht, wenn du dich gelangweilt hast und nichts zu tun hattest? Auf der anderen Seite fühlt es sich so an, als hätte der Tag nicht genügend Stunden. Du gehst in einem Routine-Arbeitstag unter, der bis zum Rand mit Meetings, Verpflichtungen, Projekten und Präsentationen vollgestopft ist.

Wir werden älter und die Verantwortlichkeiten nehmen zu, aber wir verlieren das Zeitgefühl.

Es hängt alles davon ab, was du zu tun hast, von deinen Verpflichtungen und Routinetätigkeiten. Wenn du die Routine unterbrichst und in den Urlaub fährst, ist die Uhrzeit nicht so präsent, wie wenn du auf der Arbeit bist. Dies, zusammen mit dem Faktor Alter, beeinflusst deine Wahrnehmung der Zeit. Je älter du wirst und je routinierter dein Tagesablauf, desto schneller scheint sie zu vergehen.

Zeit und Erinnerung

Zusätzlich zu deinen Routinetätigkeiten und deiner Arbeitsbelastung gibt es einen weiteren Faktor, der erklärt, warum das Leben vor unseren Augen schneller dahinfliegt, wenn wir älter werden: Unsere Erinnerungen. Es ist doch interessant: Je älter du bist, desto weniger Erinnerungen wirst du an die kürzlich vergangenen Jahre haben. Und je jünger du bist, desto frischere Erinnerungen wirst du an die jüngste Vergangenheit haben.

Die paar Erinnerungen, die dir im Gedächtnis bleiben, erzeugen diesen seltsamen Effekt: Stell dir einmal vor, dass du vor einem Jahr eine Trennung durchlebt hast. In deinem Inneren magst du vielleicht denken, dass seitdem wenig Zeit vergangen ist. Aber wenn du genau nachrechnest, fällt dir auf, dass schon ein ganzes Jahr vergangen ist! Deine Wahrnehmung hat dich glauben lassen, dass weniger Zeit verstrichen ist, als das eigentlich der Fall war. Das liegt daran, dass deine Erinnerungen an diesen Zeitabschnitt nur spärlich sind und viele davon gelöscht wurden. Das gilt übrigens auch für weniger persönliche Ereignisse wie Errungenschaften der Menschheit und Katastrophen.

Das würde erklären, warum in der Kindheit und in der Jugend alles langsamer zu passieren scheint. Deine Erinnerung an die letzten paar Stunden sind viel lebhafter und intensiver. Aber der Speicher deines Gedächtnisses ist begrenzt. Und wenn du älter wirst, bleiben nur die wichtigsten Erinnerungen übrig. Darum fühlen sie sich viel „näher“ an, als sie eigentlich sind.

Die Flüchtigkeit des Augenblicks ist gleichbedeutend mit dem Verschwenden der Stunden, die vor deinen Augen vergehen. Es scheint, als ob nichts von Bedeutung wäre.

Eine Vielzahl an neuen Eindrücken erzeugt einen gegenteiligen Effekt und lässt uns annehmen, dass die Zeit recht langsam verstreicht: In den ersten paar Jahren in der Schule, an der Universität oder auf einer neuen Arbeit hinterlässt alles Spuren in deinem Leben. Du bist ununterbrochen am Lernen, die ersten Romanzen entwickeln sich, du triffst neue Leute.

Wie schnell oder langsam die Zeit auch vergeht – das Beste, was du mit ihr anfangen kannst, ist sie zu deinem Vorteil zu nutzen. Es ist wichtig, dass du nicht das Gefühl hast, sie verschwendet zu haben. Eher gilt es, zu erkennen, dass sie das beste Geschenk ist, das du anderen machen kannst. Weil deine Zeit begrenzt ist und nur du bestimmen solltest, wem du sie widmest.

Auch interessant