Die versteckte Bedeutung von Unpünktlichkeit

4. Juli 2017 en Emotionen 460 Geteilt

Unpünktlichkeit kann sehr an den Nerven zerren. Es gibt nichts Nervigeres, als mit jemandem zu einer bestimmten Uhrzeit verabredet zu sein, aber schließlich auf diese Person warten zu müssen, bis sie irgendwann auftaucht – oder auch nicht. Manche erscheinen nicht nur mit Minuten Verspätung, sondern brauchen Stunden oder kommen gar nicht zur Verabredung. Das Schlimmste daran ist, dass es sich dabei fast immer um Wiederholungstäter handelt: Sie kommen nie pünktlich.

Wenn die verabredete Uhrzeit bereits verstrichen ist und sie immer noch nicht da sind, rufst du sie an und sie sagen: „Ich bin gleich da.“  Nur die Schamlosesten lassen dich ohne jede Reue wissen, dass sie gerade erst aufbrechen, obwohl sie schon längst da sein sollten. Ihre Unpünktlichkeit ist chronisch. Keine Macht scheint daran etwas ändern zu können.

„Lieber drei Stunden zu früh als eine Minute zu spät.“

William Shakespeare

Zeit ist relativ, und subjektiv. Die Menschen haben zwar verschiedene Wege gefunden, sie zu messen, aber nichtsdestotrotz nimmt jeder Mensch sie unterschiedlich wahr und greift im Umgang mit ihr auf eine Reihe subjektiver Variablen zurück. Für manche ist die Zeit eine exakte Maßeinheit, an die man sich anpassen muss; für andere stellt sie eine nervige Begrenzung dar, mit der sie nicht viel anfangen können. Und für alle ist sie ein Maß, das die Gemüter bewegt.

Unpünktlichkeit und die innere Uhr

Jeder nimmt die Zeit auf andere Weise wahr. Das Empfinden der Zeit variiert vor allem mit dem Alter. Wenn man jung ist, erscheinen einem Stunden wie Tage und Tage wie Wochen. Deshalb werden Kinder schnell ungeduldig. Je älter man wird, desto schneller scheint die Uhr zu ticken. Plötzlich ist der Tag oder der Monat vorbei und man hat das Gefühl, dass dies viel zu schnell passiert ist.

Unsere Wahrnehmung der Zeit hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Wenn wir etwas unternehmen, scheint die Zeit schneller vorüberzugehen. Manche geben der Zeit dabei sogar mehr Bedeutung als dem Tun selbst, während andere sich mehr auf die Aktivität selbst konzentrieren.
  • Bleiben wir jedoch inaktiv, zieht sich der Tag in die Länge.
  • Ein weiterer wichtiger Faktor ist natürlich unser Gemütszustand: Glückliche Momente vergehen schneller. Wenn wir hingegen leiden oder Probleme haben, kommt es uns vor, als ob die Zeit still stünde.

In jedem Fall ist die Pünktlichkeit eines Menschen mit seiner persönlichen Wahrnehmung der Zeit verknüpft. Wenn man häufig von Termin zu Termin hetzen muss, versteht man schnell, dass Zeit ein begrenztes und wertvolles Gut ist, und man lernt, sorgfältiger mit ihm umzugehen. Wenn hingegen deine Wertschätzung der Zeit nicht so groß ist, siehst du in ihrer genauen Messung eine Limitierung deiner Freiheit.

Wie man die Zeit wahrnimmt, beeinflusst, wie wir planen. Oft ist Unpünktlichkeit schlicht mangelnder Planung geschuldet. Unpünktliche Menschen bringen dich nicht absichtlich zur Weißglut. Sie können einfach nicht planen. Sie lassen sich schnell ablenken und sie machen sich selbst nicht so viel Druck wie manch anderer. In diesem Fall spiegelt Unpünktlichkeit lediglich Unreife wider.

Die verstecke Bedeutung von Unpünktlichkeit

Manche chronisch Unpünktliche gehören allerdings nicht zu dieser unschuldigen Kategorie. Ihr Mangel an Pünktlichkeit hat eine andere Bedeutung. Chronisches Zuspätkommen kann manchmal bedeuten, dass jemand narzisstisch ist. Solche Menschen wollen andere in eine Lage versetzen, in der sie verwundbar sind. Sie nutzen ihre Unpünktlichkeit als Zeichen von Macht, wollen andere spüren lassen, dass sie ohne sie keinen Schritt nach vorn tun können.

Außerdem gibt es solche, die Unpünktlichkeit als Ausdruck der Rebellion betrachten. Sie versuchen, sich gegen die Umstände, die zu dem Treffen geführt haben, zur Wehr zu setzen. Ihr Zuspätkommen ist ein Ausdruck dieser Ablehnung, und gleichzeitig eine Art, den Gegenüber herauszufordern. Eventuell gibt es ein Problem und die Unpünktlichkeit dient dazu, dies zum Ausdruck zu bringen.

Dann sind da die Menschen, die immer zu spät kommen, weil sie sich ihrer selbst unsicher sind. Aus einem bestimmten Grund haben sie Angst vor sozialer Interaktion und versuchen daher, sie hinauszuzögern. Sie tun dies nicht absichtlich, sondern unbewusst. Sie treffen einfach nicht die nötigen Vorkehrungen, um pünktlich zu sein, und ignorieren den Grund. Tief im Inneren haben sie Angst vor Zurückweisung oder Verachtung.

Was alle Arten der Unpünktlichkeit gemeinsam haben, ist, dass sie eine gewisse Doppeldeutigkeit aufweisen. Zwei Wirklichkeiten treffen aufeinander. Die explizite, die Vereinbarung einer Uhrzeit, und die unterschwellige, die dieses Übereinkommen sabotiert. Hinter der Unpünktlichkeit steckt oft eine versteckte Nachricht, die es zu enträtseln gilt. Es sind nicht nur schlechte Manieren und mangelnde Zeitverwaltung, die diesem Verhalten zugrunde liegen. Diese Gewohnheit des Zuspätkommens zu pflegen, ist häufig eine verdeckte und belastende Weise, eine Botschaft zu übermitteln.

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