Die Räuberhöhle – ein kurioses Experiment

29. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Räuberhöhle - Pfadfinder legen Hände zusammen

Das Experiment „Räuberhöhle“ wurde 1945 von Muzafer Sherif und Carolyn Sherif, Professoren an der University of Oklahoma (Oklahoma, USA), durchgeführt. Das Experiment konzentrierte sich auf das Konzept der Gruppe. Die Forscher versuchten, zu zeigen, wie Menschen ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe wahrnehmen, wie Beziehungen in ihr geformt werden und wie eine Gruppe zu anderen steht. Sie wollten Zusammenhänge erkennen, um die Entstehung von Vorurteilen besser zu verstehen.

„Vorurteile sind Überzeugungen, die vor der Beobachtung entstehen.“

José Ingenieros

Sie wollten auch herausfinden, wie Konflikte zwischen zwei Gruppen entstehen oder sich verschärfen. Wenn es zwei Gruppen gibt, in deren Mitglieder ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe entwickelt haben, verstärkt sich die Ablehnung anderer Gruppen, denen sie nicht angehören – und der Eigenschaften derer Mitglieder. Aber das kann auch rückgängig gemacht werden. Wir wollen nun einen Blick darauf werfen, wie die Forscher die Studie durchgeführt haben.

Das Experiment Räuberhöhle

Für die Durchführung der Studie wählten die Forscher 22 11-jährige Jungen aus. Sie waren alle „normale“ Kinder. Das bedeutet, dass sie keine Vorgeschichte hinsichtlich auffälligen Verhaltens hatten, aus stabilen Familien stammten und regelrecht die Schule besuchten. Sie waren alle Mittelklasse und keiner von ihnen wusste, dass sie an einem Experiment teilnahmen.

Zelt im Wald

Nach der Auswahl der Teilnehmer wurden die Jungen zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Sie nahmen dann an einem Sommercamp in einem öffentlichen Park in Oklahoma teil, den man die Räuberhöhle nannte. Beide Gruppen zelteten in weiter Entfernung voneinander, ohne von der Existenz der jeweils anderen zu wissen.

Das Experiment umfasste drei Phasen. In der ersten versuchten die Versuchsleiter, die Entstehung eines Gefühls der Zugehörigkeit zu stimulieren. Die zweite war die Konfliktphase, in der bewusst Situationen geschaffen wurden, die Reibung verursachten. Diesen beiden Abschnitten folgte die Phase der Integration, in der man sich darum bemühte, die Konflikte zu lösen.

Zugehörigkeit und Konflikt

In der ersten Woche wurden Aktivitäten verfolgt, die die Beziehungen innerhalb jedes Teams stärkten. Die Jungen wanderten zusammen, gingen zusammen baden und gingen verschiedenen Freizeitaktivitäten nach. Jede Gruppe wurde gebeten, einen Namen und eine Flagge zu wählen. Eine der Gruppen nannte sich „Adler“ und die andere „Klapperschlangen“.

In dieser ersten Phase sahen die Forscher, dass sich die Kinder mit ihrer Gruppe identifizierten und ein starkes Zugehörigkeitsgefühl entwickelten. Innerhalb weniger Tage entstanden Hierarchien und verschiedene interne Rollen wurden übernommen. Jedes Mitglied hat sich innerhalb der Gruppe einen Platz gesucht.

In der zweiten Woche fanden die Teilnehmer heraus, dass es eine andere Gruppe gab. Von Anfang an verhielten sie sich dieser gegenüber defensiv gegenüber. Es gab klare Barrieren. Die Kinder selbst forderten die Forscher auf, zwischen den beiden Gruppen Wettkämpfe auszurichten. Sie taten dies und boten den Gewinnern sogar einen Preis an. Von da an waren die Gruppen einander regelrecht feindlich gesinnt. Es gab eine Menge Reibereien, und die Jungen weigerten sich, zusammen am selben Ort zu essen. Sie lehnten sich so weit ab, dass die Forscher beschlossen, die Phase früher als geplant zu beenden, weil sie befürchteten, dass die Situation außer Kontrolle geraten würde.

In der Räuberhöhle wurde bewiesen, dass Zugehörigkeitsgefühl und Vorurteile gegenüber anderen Hand in Hand gehen. Die Forscher erkannten, wie leicht es war, das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu steigern und Hass auf andere Gruppen zu erzeugen.

Die Kraft der gemeinsamen Ziele

In der Endphase schlugen die Forscher Aktivitäten vor, die eine Zusammenarbeit beider Gruppen erforderten. Einer von ihnen schuf ein fiktives Problem und teilte mit, ein Vandale habe die Wasserreserven zerstört. Damit hatte er einen gemeinsamen Feind definiert. Die Jungen mussten die Wasserversorgung reparieren. Um dies zu erreichen, arbeiteten sie zusammen.

Kinder legen ihre Hände aufeinander

Später sagten die Forscher, sie würden einen Film auflegen, der allen gefallen würde, aber sie müssten dafür bezahlen. Keine der beiden Gruppen war in der Lage, den benötigten Betrag zu bezahlen, und sie mussten erneut zusammenarbeiten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Nachdem sie mehrere Probleme gemeinsam gelöst hatten, begann der gegenseitige Hass nachzulassen. So sehr, dass beide Gruppen nach ihrer Rückkehr in den gleichen Bus einsteigen wollten. Als sie eine Raststätte erreichten, nutzte zum Beispiel die Gruppe der Klapperschlangen das im Wettbewerb gewonnene Geld, um Getränke für alle zu kaufen.

Die Räuberhöhlenforscher kamen zu dem Schluss, dass die Schaffung gemeinsamer Probleme und damit gemeinsamer Ziele ein Weg sei, Konflikte zwischen Gruppen zu lösen. Die Forscher nannten das „realistische Konflikttheorie“. Sie wiesen darauf hin, dass das gemeinsame Lösen von Problemen dazu führe, dass Vorurteile nach und nach verschwinden.

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